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Prozess um tödlichen Unfall im Vollrausch: Angeklagte sagen aus | BR24

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In der Hoffnung auf weitere Aufklärung hat in Würzburg der Berufungsprozess um eine totgefahrene 20-Jährige durch einen betrunkenen Fahranfänger begonnen. Zum Auftakt wurden die vier Angeklagten befragt - die allerdings nur knapp antworteten.

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Prozess um tödlichen Unfall im Vollrausch: Angeklagte sagen aus

In der Hoffnung auf weitere Aufklärung hat in Würzburg der Berufungsprozess um eine totgefahrene 20-Jährige durch einen betrunkenen Fahranfänger begonnen. Zum Auftakt wurden die vier Angeklagten befragt - die allerdings nur knapp antworteten.

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Im Berufungsprozess am Landgericht Würzburg um einen tödlichen Unfall im April 2017 bei Untereisenheim haben sich die vier Angeklagten nach anfänglichem Zögern bereit erklärt, auszusagen. Zunächst hatte die Verteidigung angeführt, ihre Mandanten würden sich nicht nochmal persönlich einlassen - der Richter riet jedoch von dieser Entscheidung ab, da dies "einen katastrophalen Eindruck" mache.

Nach einer 15-minütigen Beratungspause hatte daraufhin einer der Verteidiger erklärt, dass die vier jungen Männer gerne für Fragen bereitstünden, wies gleichzeitig darauf hin, dass die Aussagen, die im Prozess im Oktober 2019 getätigt worden sind, weiterhin gültig seien.

Erster Angeklagter kann sich nicht mehr genau an Unfallnacht erinnern

Der erste vom Richter befragte Angeklagte konnte sich dann angeblich nicht mehr an viele Details der Unfallnacht erinnern. Er sei zum ersten Mal in Untereisenheim gewesen, habe auf dem Weinfest etwa drei Liter Wein getrunken. Eigentlich sei geplant gewesen, bei der Großmutter des anderen Angeklagten zu übernachten, die in Untereisenheim wohne.

Angeklagter will vergeblich versucht haben, Fahrer zum Anhalten zu bringen

"Die Fahrt war nicht beabsichtigt gewesen - aber plötzlich fuhren wir auch schon", so der Angeklagte. Er habe versucht, den Fahrer zum Anhalten zu bewegen, ihm eine Backpfeife verpasst. Als der nicht reagierte, habe er selbst "Angst um mein eigenes Leben gehabt". Nach dem Unfall habe der Fahrer kurz angehalten, was die Mitfahrer genutzt hätten, um schnell aus dem Auto auszusteigen. Zunächst habe man vereinbart, eine falsche Aussage zu tätigen, dass alle direkt nach Hause gelaufen seien, habe sich dann aber für die Wahrheit entschieden.

Befragung verlief zäh

"Der Aufklärung, die man den Hinterbliebenen schuldet, wird aus meiner Sicht von den Angeklagten nicht nachgekommen", sagte jedoch Anwalt Philipp Schulz-Merkel, der Angehörige der Verstorbenen in der Nebenklage vertritt. Es seien zwar Fragen beantwortet worden, aber nur sehr knapp, bemängelte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

20-jährige Fußgängerin von Auto erfasst – Unfallfahrer begeht Fahrerflucht

Im April 2017 hat ein damals 18-jähriger Fahranfänger eine 20-jährige Fußgängerin erfasst und anschließend Fahrerflucht begangen. Er war auf dem Heimweg von einem Weinfest und hatte fast 2,9 Promille Alkohol im Blut. Die 20-Jährige starb wenige Tage später an den Folgen der schweren Verletzungen im Krankenhaus. Der Unfall ereignete sich auf der Ortsverbindungsstraße Kaltenhausen-Untereisenheim im Landkreis Würzburg.

Das Fahrzeug des 18-Jährigen wurde in der nächsten Ortschaft samt Fahrer in einem Straßengraben gefunden - die drei ebenfalls alkoholisierten Mitfahrer waren nach dem Unfall in Untereisenheim ausgestiegen. Der junge Mann blieb nahezu unverletzt, konnte sich aber nicht selbst aus seinem Auto befreien.

Richter 2019: "Das Urteil fällt mir unsagbar schwer"

Das Urteil im Oktober 2019 lautete 5.000 Euro Geldstrafe und ein Jahr Fahrverbot wegen fahrlässigen Vollrauschs - dem Angeklagten wurde in einem Gutachten attestiert, wegen des Vollrauschs – fast drei Promille – zum Tatzeitpunkt nicht schuldfähig gewesen zu sein. Daher habe das Gericht juristisch gesehen so entscheiden müssen. Der Richter wandte sich damals direkt an die Familie der Verstorbenen und sagte: "Das Urteil fällt mir unsagbar schwer."

Schuldfähigkeit wird erneut geprüft

Zentral ist im Berufungsprozess nun ein neues Gutachten zur Schuldfähigkeit des Angeklagten, das in Auftrag gegeben wurde. Die Familie der Verstorbenen und deren Anwalt Philipp Schulz-Merkel erhoffen sich viel: "Wir wollen daran arbeiten, dass das Gericht nochmal genau prüft, ob der Verurteilte wirklich der Fahrer war. Dann wollen wir nochmal die Frage der Schuldfähigkeit angehen. Schuldunfähig, aber ein Auto steuern - das geht aus unserer Sicht nicht." Wenn eine Schulfähigkeit bewiesen werden könne, gehe es juristisch gesehen nicht um fahrlässigen Vollrausch, sondern um fahrlässige Tötung.

Schulz-Merkel will außerdem erreichen, dass der Fahrer nicht nach Jugendstrafrecht, sondern nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werde. Die Staatsanwaltschaft Würzburg hatte noch am Tag der Urteilsverkündung im Oktober 2019 Berufung eingelegt.

Familie des Unfallopfers gründete Initiative gegen alkoholisiertes Fahren

Die Familie Stahl hat kurz nach dem Unfall die Initiative "Gegen Alkohol am Steuer" gestartet. Ihr Symbol ist ein Pfeil – angelehnt an eine Tätowierung, die Theresa am Fuß hatte und zeigen will, dass es immer weitergeht. "Gleich am Tag nach ihrem Tod haben wir uns als Familie diesen Pfeil tätowieren lassen. Das hat uns die erste Zeit riesengroßen Halt gegeben. Und jetzt versuchen wir der Welt zu zeigen, dass Auto fahren im besoffenen Zustand gar nicht geht", erzählt Vater Ronald Stahl.

Über eine Homepage und die sozialen Medien will er das Anliegen der Initiative vorantreiben. Vor allem mit Aufklebern schafft er das: Rund 40.000 sind bisher im Umlauf, die meisten kleben auf Autos.

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Die vier Angeklagten im Berufungsprozess um einen tödlichen Unfall bei Untereisenheim werden aussagen. Eigentlich wollten sie sich nicht nochmal persönlich äußern. Der Richter riet ihnen jedoch davon ab, da dies einen katastrophalen Eindruck mache.

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