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Prozess um tödliche Kö-Attacke: Das geschah am ersten Tag | BR24

© BR/Christian Wagner

Im Prozess um die Attacke am Augsburger Königsplatz haben vor dem Landgericht die mutmaßlichen Täter und eines der Opfer ausgesagt. Beide Seiten schilderten ihre Sicht.

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Prozess um tödliche Kö-Attacke: Das geschah am ersten Tag

Im Prozess um die Attacke am Augsburger Königsplatz haben zum Auftakt vor dem Landgericht die mutmaßlichen Täter und eines der Opfer ausgesagt. Am zweiten Verhandlungstag, soll die Witwe des getöteten Mannes als Zeugin gehört werden.

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Der Nikolausabend 2019 begann als ein ausgelassener, fröhlicher Abend und endete in einer nicht vorhersehbaren Attacke, bei der ein 49-jähriger Mann tödlich und sein 51-jähriger Freund schwer verletzt wurden. Darin waren sich Staatsanwaltschaft, Angeklagte, Opfer und Zeugen bereits am ersten Verhandlungstag im Prozess am Landgericht Augsburg weitgehend einig.

Doch wie genau konnte es zu der Attacke am Augsburger Königsplatz kommen? Diese Frage versucht das Gericht weiter zu klären. Am zweiten Verhandlungstag sollen unter anderem die Frauen der beiden Opfer aussagen, die an dem Abend mit dabei waren.

Anklage wegen Körperverletzung mit Todesfolge

Auf der Anklagebank sitzen die beiden 18-jährigen Halid S. und Gökalp A. sowie der 20-jährige Kevin C.. Halid S. ist der Hauptangeklagte und muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung und Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Er soll den einen Schlag ausgeführt haben, der bei dem 49-jährigen Roland S. zu einer Hirnblutung führte und ihn tötete. Die beiden Mitangeklagten, seine Freunde, sollen den 51-jährigen Freund des Getöteten, Christian M., attackiert und schwer verletzt haben.

Freund des Getöteten leidet bis heute unter der Tat

Mit einem Jochbeinbruch und einem Bruch in der Kieferhöhle kam der Mann ins Krankenhaus. Vor Gericht schilderte der 51-Jährige, wie er noch heute unter der Tat leide. Seine linke Gesichtshälfte sei immer noch taub, weil ein Nerv verletzt sei. Auch seelisch verfolge ihn die Attacke und der Tod seines guten Freundes bis heute. Beim Anblick eines Feuerwehrautos komme "alles wieder hoch". Der getötete Roland S. war Feuerwehrmann und arbeitete bei der Augsburger Berufsfeuerwehr.

Staatsanwaltschaft: Täter wollte Opfer "massiv verletzen"

Die Staatsanwaltschaft bewertet den tödlichen Schlag in ihrer Anklageschrift als "völlig unvermittelt, gänzlich überraschend" und grundlos. Halid S. sei es bei dem Angriff darauf angekommen, den 49-Jährigen "massiv zu verletzen". Er hätte erkennen müssen, dass der Mann durch einen solchen Schlag zu Tode kommen könne. Die beiden Mitangeklagten hätten den 51-Jährigen auf "Basis des Machtgefühls", aufgrund ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit attackiert und sich gegenseitig angestachelt.

Angeklagte bedauerten die Tat und entschuldigen sich

Keiner der drei Angeklagten hat am ersten Verhandlungstag vor dem Augsburger Landgericht den grundsätzlichen Tathergang geleugnet. Alle drei bedauerten die Tat und entschuldigten sich. Er habe nicht glauben können, dass dieser eine Schlag tödlich gewesen sei, ließ Halid S. in einer Stellungnahme von seinem Verteidiger verlesen. Es sei ihm nie darum gegangen, einen Menschen zu töten.

Abend begann für Opfer und mutmaßliche Täter fröhlich

Alle drei schilderten zum Prozessauftakt einen Abend, der mit viel Alkohol, vor allem Jägermeister und Wodka, begann. Drei weitere Jugendliche, die mit in der siebenköpfigen Gruppe unterwegs waren, beschrieben die Stimmung als "glücklich und locker" und nicht als aggressiv.

Ähnlich schildert der 51-Jährige Christian M. die Stimmung in der anderen Gruppe. Der Abend begann für sie auf dem Augsburger Weihnachtsmarkt. Er, Roland S. und ihre Frauen hätten etwas Glühwein getrunken, danach noch einen Absacker und hätten dann ein Taxi nehmen wollen.

Streit begann mit Frage nach einer Zigarette

Am Augsburger Königsplatz trafen beide Gruppen aufeinander. Die Auseinandersetzung habe mit der Frage eines Jugendlichen begonnen, der den 49-Jährigen Roland S. um eine Zigarette anschnorrte.

Die drei Angeklagten und die jugendlichen Zeugen schildern das Verhalten des 49-Jährigen als aggressiv. "Halt die Schnauze" soll er sinngemäß zu dem Jugendlichen gesagt haben, der nach der Zigarette fragte. Er sei auf diesen zugegangen und habe ihn geschubst.

Kein Interesse an Täter-Opfer-Ausgleich

Auch der 51-Jährige Christian M. schilderte vor Gericht dieses Verhalten seines Freundes. Was gesagt wurde, habe er aber nicht hören können. "Ich weiß nicht, was ihn da geritten hat, dass er sich da nochmal umdreht", sagte der 51-Jährige in seiner Schilderung des Abends. Aus seiner Sicht hätten die Jugendlichen ein aggressives Auftreten gehabt. Eine Entschuldigung und einen Täter-Opfer-Ausgleich lehnte Christian M. ab: "Das ist für mich unentschuldbar", sagte er vor Gericht.

Eigentliche Tat passierte sehr schnell

Nach der ersten Auseinandersetzung ging alles sehr schnell – offenbar zu schnell, um die Tat genau zu beobachten. Die jugendlichen Zeugen schildern den Schlag als "nicht heftig". Der Hauptangeklagte Halid S. habe seinen Freund vor dem körperlich überlegenen Roland S. schützen wollen. Christian M. gibt an, den eigentlichen Schlag nicht gesehen zu haben. Er habe nur gesehen, wie sein Freund zusammensackte, bevor er selbst attackiert wurde. Vom Tod seines Freundes habe er erst im Krankenwagen erfahren.

Videomitschnitte der Tag gezeigt

Die Jugendlichen geben an, nach der Tat "unter Schock" davongelaufen zu sein. Aufgrund mehrerer Videos von der Tat – von Überwachungskameras und der Dash-Cam eines Taxis – konnten sie später von der Polizei festgenommen werden. Die Videos trugen außerdem dazu bei, dass der Schlag des Hauptangeklagten als Körperverletzung mit Todesfolge und nicht als Totschlag gewertet wurde. Am ersten Prozesstag wurden auch diese Videos gezeigt. Äußern wollten sich die Angeklagten dazu nicht.

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