BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© dpa-Bildfunk/Peter Kneffel
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Peter Kneffel

Am Landgericht Traunstein begann am Dienstag der Prozess gegen einen Häftling, der seinen Zellengenossen umgebracht haben soll.

1
Per Mail sharen

    Prozess um Tod eines Häftlings im Gefängnis Bernau am Chiemsee

    Am Landgericht Traunstein hat am Dienstag der Prozess gegen einen Mann begonnen, der im vergangenen Herbst im Gefängnis Bernau einen Mithäftling getötet haben soll. Es ist nicht der erste Fall dieser Art. Die Gewerkschaft der Gefangenen übt Kritik.

    1
    Per Mail sharen
    Von
    • Theresa Krinninger
    • Sabine Weis
    • BR24 Redaktion
    • Susanne Hagenmaier

    Seit dem heutigen Dienstag steht in Traunstein ein Mann vor Gericht, der im Herbst 2020 im Gefängnis Bernau am Chiemsee einen Mithäftling umgebracht haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, seinen Mitbewohner in der gemeinsamen Gefängniszelle angegriffen zu haben. Dabei soll er den Mann so lange im Schwitzkasten festgehalten haben, dass er einen Tag später im Krankenhaus an inneren Kopfverletzungen starb.

    Beschuldigter vermutlich schuldunfähig

    Der Beschuldigte sitzt bereits eine siebeneinhalbjährige Haftstrafe unter anderem wegen versuchten Mordes ab. Er soll an einer paranoiden Schizophrenie und damit verbundenen Wahnvorstellungen leiden und ist laut Staatsanwaltschaft schuldunfähig. Zu einem mutmaßlichen Motiv machte die Staatsanwaltschaft keine Angaben. Konkreter Tatablauf und Auslöser seien unklar.

    Bereits zweiter Todesfall in Bernau

    Der derzeit verhandelte Fall ist bereits die zweite tödliche Auseinandersetzung in der JVA Bernau. Ende 2019 starb ein Häftling bei einer Schlägerei auf dem Gefängnishof. Der Angreifer wurde zu einer fünfjährigen Haftstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt – sein Urteil ist nicht rechtskräftig und wird erneut am Landgericht Traunstein verhandelt.

    Gewerkschaft der Gefangenen übt Kritik

    Nach dem Todesfall 2019 war zunächst wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt worden, doch das Ermittlungsverfahren wurde dem bayerischen Justizministerium zufolge mangels Anhaltspunkten eingestellt. Die Gefangenengewerkschaft fordert nun mehr Aufmerksamkeit für Gewalt hinter Gittern: 226 Straftaten gegenüber Häftlingen und Gefängnispersonal wurden im vergangenen Jahr für Bayern gemeldet. Die Dunkelziffer dürfte aber deutlich höher liegen, so ein Gewerkschaftssprecher.

    Überwachung nicht überall erlaubt

    Nach der ersten Tat wurden in der JVA Bernau Kameras für alle Bereiche eingeführt, die die Häftlinge für den Hofgang nutzen. Doch in Einzel- und Gemeinschaftsräumen ist eine Videoüberwachung rechtlich nicht zulässig. Der Sprecher der Gefangenengewerkschaft wirft den Justizvollzugsbeamten vor, nicht genau hinzuschauen – aus Zeitnot oder Desinteresse. Das System ignoriere viel. Das liege auch am Personalmangel.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!