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Asylbewerber wegen Prügelattacken von Amberg vor Gericht | BR24

© BR/Margit Ringer

Ab heute stehen in Amberg vier junge Asylbewerber vor Gericht. Sie sollen Ende Dezember wahllos auf Passanten eingeprügelt haben. 15 Menschen wurden verletzt, sie erlitten unter anderem Blutergüsse.

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Asylbewerber wegen Prügelattacken von Amberg vor Gericht

In Amberg hat der Prozess gegen vier junge Asylbewerber begonnen. Sie sollen Ende Dezember wahllos auf Passanten eingeprügelt haben. 15 Menschen wurden verletzt, sie erlitten unter anderem Blutergüsse. Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen.

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Vor dem Amtsgericht Amberg müssen sich ab heute vier junge Asylbewerber verantworten. Sie sollen Ende Dezember 2018 in Amberg zunächst am Bahnhof, später dann in der Innenstadt jeweils in unterschiedlichen Zusammensetzungen auf Passanten losgegangen sein, sie geschlagen, getreten und geohrfeigt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen neben einfacher und gefährlicher Körperverletzung auch Nötigung, Beleidigung und Widerstand gegen Polizeibeamte vor.

Kein konkretes Motiv

Die vier Asylbewerber sind zwischen 17 und 19 Jahre alt, drei von ihnen stammen aus Afghanistan, einer aus dem Iran. Sie waren zum Tatzeitpunkt alkoholisiert, drei von ihnen hatten Drogen konsumiert. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen nicht davon aus, dass die Tat geplant war. Täter und Opfer kannten sich vorher jeweils nicht, betonten die Ermittler, als sie vor knapp vier Wochen die Ergebnisse der Ermittlungen vorstellten.

Ein konkretes Motiv konnte die Kripo nicht herausfinden. Die Staatsanwaltschaft geht von einer Mischung aus Langeweile, Übermut, Alkohol und Drogen sowie von einer Gruppendynamik aus. Amberg nutzten die Jugendlichen regelmäßig als Treffpunkt. Der Grund: In der Stadt waren sie vor wenigen Jahren in einer Einrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht. Daher kannten sie sich auch. Am 29. Dezember reisten sie aus Auerbach, Regensburg und zwei weiteren Orten an, die nicht ermittelt werden konnten, weil zwei der Flüchtlinge ohne festen Wohnsitz waren.

Erste Tatorte in Bahnhofsnähe

Insgesamt summieren sich die Attacken an diesem Tag auf 25 Einzelstraftaten, die von der Polizei in fünf Tatkomplexe unterteilt werden. Am Tatabend traf sich zunächst eine Gruppe von 13 jungen Flüchtlingen in Amberg. Gegen 18.40 Uhr sollen die vier Angeklagten am Bahnsteig dann einen 13 Jahre alten Schüler angegriffen haben. In der Bahnhofshalle und auf dem Bahnhofsvorplatz folgten weitere fünf Straftaten. Dann zog sich die Gruppe offenbar in den Stadtgraben zurück, wo die jungen Männer weiter Alkohol tranken und "chillten", so die Ermittlungsergebnisse.

Eineinhalb Stunden später griffen sie vor einem Schnellrestaurant am Bahnhofsvorplatz und auf dem Weg in die Innenstadt weitere Passanten an, prügelten und traten zum Teil auf sie ein. Die Polizei konnte die vier Flüchtlinge wenig später im Schanzgässchen festnehmen. Dabei leisteten die jungen Männer massiven Widerstand, beleidigten und verletzten vier Polizeibeamte.

© picture alliance/Armin Weigel/dpa

Der Amberger Bahnhof: Ausgangsort der Prügeltour.

Verletzte mit Blutergüssen und Prellungen

15 Personen wurden insgesamt verletzt, sie meldeten Hämatome und Prellungen, aber im Nachgang auch psychische Folgen wie Schlafstörungen. Ein junger Mann musste wegen des Verdachts auf eine Gehirnerschütterung eine Nacht im Krankenhaus verbringen. Unter den 15 Verletzten sind auch die vier Polizeibeamten, die Verletzungen an den Armen davongetragen hatten. Hinzu kommen weitere sechs Personen, die beleidigt, aber nicht körperlich angegangen wurden. Unter den Angegriffenen sind auch Personen, die den Opfern zu Hilfe geeilt waren und dann selbst angegangen oder beleidigt worden sind.

"Solche Taten sind strukturell nicht ungewöhnlich. Sie hängen der Erfahrung nach nicht von der Ethnie oder dem kulturellen Hintergrund der möglichen Täter ab, sondern sind daraus geschuldet, dass hier junge, männliche, alkoholisierte Täter in einem gruppendynamischen Geschehen zusammen kommen." Staatsanwalt Oliver Wagner

Die Intensität der Taten habe die Ermittler aber dennoch überrascht, hieß es von Seiten der Staatsanwaltschaft und der Polizei Anfang April.

Quartett ist bereits vorbestraft

Der Asylantrag aller vier jungen Männer wurde abgelehnt. Einer der vier Asylbewerber war bereits zum Tatzeitpunkt ausreisepflichtig. Solange aber kein rechtskräftiges Urteil vorliege, werde die Staatsanwaltschaft einer Abschiebung nicht zustimmen, bekräftigte Staatsanwalt Oliver Wagner. Alle vier sind zudem vorbestraft, zum Teil sogar einschlägig wegen gefährlicher Körperverletzung. Und sie sitzen seit Ende des Jahres in Untersuchungshaft.

Das Jugendschöffengericht muss nun festlegen, ob sie nach Jugendstrafrecht oder nach Erwachsenenstrafrecht behandelt werden. Um die Tat zu rekonstruieren, hat die Polizei knapp 100 Zeugen vernommen, Kameraaufzeichnungen am Bahnhof sowie Handyvideos der Zeugen ausgewertet. Insgesamt hat das Gericht 25 weitere Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil soll voraussichtlich im Juli fallen.