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Prozess um millionenschweren Betrug beim Autokauf im Internet | BR24

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Viel Geld für Autos, die es nie gab: Am Landgericht München hat ein Prozess gegen fünf mutmaßliche Betrüger begonnen. Sie sollen online teure Autos in Fake-Autohäusern angeboten haben.

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Prozess um millionenschweren Betrug beim Autokauf im Internet

Viel Geld für Autos, die es nie gab: Am Landgericht München hat ein Prozess gegen fünf mutmaßliche Betrüger begonnen. Sie sollen online teure Autos in Fake-Autohäusern angeboten haben. Der Schaden ist immens: Mehr als eine Million Euro.

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Falsche Identitäten, falsche Autohäuser - und ein Millionenbetrug: Am Landgericht München I hat ein Prozess gegen fünf mutmaßliche Betrüger begonnen. In Bayern, Hessen und Sachsen sollen sie Kunden online dazu gebracht haben, viel Geld für Autos zu überweisen, die es nie gegeben hat. Dafür sollen sie mit falschen Identitäten und Scheinautohäusern im Internet aufgetreten sein.

Entschuldigung zum Prozessauftakt

Zum Prozessauftakt entschuldigte sich der Hauptangeklagte bei seinen Opfern und vor allem bei seiner mitangeklagten Lebensgefährtin. "Ich bereue zutiefst, was ich gemacht habe", sagte der 41-Jährige. Was ihm vorgeworfen werde, stimme größtenteils. An vielem sei aber auch sein 32 Jahre alter, früherer Geschäftspartner Schuld, der ebenfalls auf der Anklagebank sitzt.

In einer Erklärung, die seine Anwältin verlas, begründete der mehrfach vorbestrafte Vater von zwei Kindern den großangelegten Betrug mit Fake-Autohäusern mit Geldsorgen und hohen Schulden. Er sei in die Fänge von "Düsseldorfer Anlagebetrügern" geraten, die Geld von ihm forderten und ihm und seiner Familie Gewalt angedroht hätten. "Rocker aus Essen" hätten ihm Probleme gemacht. Zudem habe er regelmäßig Kokain konsumiert, um mit dem finanziellen Druck umgehen zu können.

Hauptangeklagter: Ein Pärchen wie Bonnie und Clyde

Durch die Verwicklung in den Anlagebetrug sei er ohnehin davon ausgegangen, über kurz oder lang wieder im Gefängnis zu landen. Seine Lebensgefährtin, die mit ihm auf der Anklagebank sitzt, habe nicht gewusst, "was sie da eigentlich macht". Irgendwann habe er sie eingeweiht und gewitzelt: "Bonnie und Clyde sind nichts gegen uns."

Ungewöhnlicher Fall in der Dimension

In seiner Dimension sei es ein ungewöhnlicher Fall, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Anne Leiding. Die beiden mutmaßlichen Haupttäter, der 41-Jährige und seine Lebensgefährtin, sollen von Februar 2016 an mit mindestens 20 falschen oder gestohlenen Identitäten und 30 Scheinautohäusern im Internet aufgetreten sein. 200 Konten sollen sie unter Vorspiegelung falscher Tatsachen eröffnet und 80 Mobilfunkverträge abgeschlossen haben. In Online-Verkaufsportalen, so die Vorwürfe, boten sie dann teure Autos an - und zahlreiche Menschen fielen darauf herein.

Bei ihren Betrügereien soll das Paar Hilfe von einem befreundeten Post-Mitarbeiter gehabt haben und von einer Mediendesignerin, die Logos und Designs für die nicht-existenten Autohäuser entwickelt haben soll.

Betrug beim Autokauf ist ein nahezu alltägliches Phänomen

Der Bundesverband freier Kfz-Händler (BVfK) kennt das Problem seit vielen Jahren: "Betrug beim Auto-Kauf im Internet sei inzwischen ein nahezu alltägliches Phänomen", sagt der geschäftsführende Vorstand Ansgar Klein. "Der Kunde fühlt sich sicherer, als er ist und geschützter, als er wirklich ist. Alle Welt kämpft um immer mehr Verbraucherschutz und das lässt die Urinstinkte verkümmern", meint er - oder knapper: "Geiz frisst Gehirn."

Worauf Käufer achten sollen

Denn eigentlich, meint Klein, sei es ganz einfach, Betrügern nicht auf den Leim zu gehen: Keine ungesicherte Vorkasse. Sollte eine Anzahlung gefordert werden, gebe es dafür Treuhand-Möglichkeiten mit Käuferschutz, erklärt er.

Hellhörig werden sollte der Nutzer bei folgender Kombination: "Eine relativ neue, bisher unbekannte Firma, Preise, die kaum jemand realisieren kann und dann das Verlangen nach ungesicherter Vorkasse."

Jeder vierte Internetnutzer Opfer von Cyber-Kriminalität

Laut dem "Digitalbarometer", das einmal im Jahr vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und dem Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes erstellt wird, ist knapp jeder vierte Internetnutzer in Deutschland (24 Prozent) schon mindestens einmal Opfer von Cyber-Kriminalität geworden. Der Großteil der Betroffenen (36 Prozent) wurde dabei Opfer von Betrug beim Online-Shopping.

Die Dunkelziffer könnte noch deutlich höher sein. Denn laut "Digitalbarometer 2019" wird nur jeder dritte Fall von Online-Kriminalität überhaupt angezeigt.

Kriminalstatistik: Immer mehr Betrug im Internet

Die polizeiliche Kriminalstatistik listet jedes Jahr mehr Fälle von Betrug im Internet auf. Im Jahr 2018 waren es deutschlandweit insgesamt knapp 206 000 Fälle, rund 155 000 davon Waren- und Kreditbetrug.

Sechs Jahre vorher, 2012, waren es insgesamt rund 160 000 Fälle von Online-Betrug, rund 92 000 davon fielen unter Waren- und Kreditbetrug. Tendenz klar steigend.