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Prozess um Kokain in Bananenkisten: Geringere Strafen möglich | BR24

© BR/Florian Regensburger

Fast eine halbe Tonne Kokain aus Ecuador in Bananenkisten wurde an einen Obsthandel in Neu-Ulm geliefert. Jetzt hat vor dem Landgericht Memmingen der Prozess begonnen.

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Prozess um Kokain in Bananenkisten: Geringere Strafen möglich

Weil sie Kokain im Wert von 50 Millionen Euro in Bananenkisten nach Neu-Ulm geschmuggelt haben sollen, stehen sechs Männer vor dem Landgericht Memmingen. Am kommenden Donnerstag wollen sie sich erstmals zu den Vorwürfen äußern.

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In Handschellen und mit Fußfesseln waren die sechs Angeklagten am Morgen zum Prozess in die Memminger Stadthalle geführt worden. Teilweise erschienen sie mit mehreren Verteidigern und Dolmetschern zur Verhandlung. Doch schon kurz nachdem das Gericht die Personalien der Männer und ihrer Begleiter aufgenommen und die Anklageschrift verlesen hatte, wurde der Prozess unterbrochen.

Täterschaft der Angeklagten schwer zu beweisen

Einer der Verteidiger hatte beim Gericht um ein Rechtsgespräch gebeten. Nach dem Gespräch gab das Gericht dann einen Verständigungsvorschlag bekannt und stellte den sechs albanischen Staatsangehörigen ein geringeres Strafmaß in Aussicht. Der Richter begründete dies damit, dass es schwierig zu beweisen sei, dass die sechs Männer die Hauptakteure einer Bandenstruktur seien, die mit Drogen handelt.

Bis zu 15 Jahre Haft bei Drogenhandel

Die Männer hätten bei ihrer Tat wohl eher Beihilfe geleistet. Der Vorsitzende Richter meinte, man befinde sich im Grenzbereich zwischen Täterschaft und Beihilfe. Auf Beihilfe steht aber ein wesentlich geringerer Strafrahmen, nämlich zwischen drei Monaten und elf Jahren. Bei einer Verurteilung für bandenmäßiges, unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge würden den Angeklagten dagegen bis zu 15 Jahre Haft drohen.

Richter verlangt vollumfängliches Geständnis der Angeklagten

Allerdings müssten die Angeklagten ein wahrheitsgemäßes und vollumfängliches Geständnis ablegen und auch die Zeit vor der Tat, also wann sie sich dazu bereit erklärten, bei dem Drogenschmuggel mitzumachen, darlegen, so der Vorsitzende Richter. Fünf der Männer könnten dann mit einem Strafmaß zwischen fünf Jahren und sechs Monaten und sechs Jahren und sechs Monaten rechnen.

Bislang schweigen die Männer zu den Tatvorwürfen

Einer der Männer ist vorbestraft und müsste deshalb mit einer Haftstrafe zwischen sechs Jahren und drei Monaten und sieben Jahren und drei Monaten rechnen. Alle Verteidiger wollen diesen Vorschlag nun mit ihren Mandanten besprechen. Bislang haben die sechs Männer zu den Tatvorwürfen geschwiegen.

Am kommenden Donnerstag wollen sie sich vor Gericht erstmals zu den Vorwürfen äußern. Man werde bis dahin entsprechende Erklärungen vorbereiten, sagten die Verteidiger am Freitag vor dem Landgericht Memmingen.

Kokain im Wert von 50 Millionen Euro

Den sechs Angeklagten wird vorgeworfen, Drogen im Wert von rund 50 Millionen Euro nach Deutschland geschmuggelt zu haben. Die Männer sollen etwa eine halbe Tonne Kokain aus Ecuador über die Niederlande zu einem Obsthändler nach Neu-Ulm haben liefern lassen – der Obsthändler wusste nichts von den Drogen. Als Versteck dienten ihnen Bananenkisten.

Einer der größten Drogenfunde der vergangenen Jahrzehnte

Aufgeflogen war die Aktion, nachdem ein Mitarbeiter des Betriebs einige Päckchen entdeckt hatte. Die alarmierte Polizei tauschte die Kokain-Päckchen gegen Imitate aus. In der Nacht seien dann fünf der sechs Angeklagten bei dem Obsthändler eingebrochen und dort von der Polizei erwartet worden. Bei dem sichergestellten Kokain handelt es sich um einen der größten Drogenfunde der vergangenen Jahrzehnte im Freistaat.

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