BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Prozess um Augsburger Kö-Attacke: Zeugen schildern ihre Sicht | BR24

© BR/Barbara Leinfelder

Die drei Angeklagten im Kö-Prozess vor dem Augsburger Landgericht

4
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Prozess um Augsburger Kö-Attacke: Zeugen schildern ihre Sicht

Im Prozess um den Tod eines Feuerwehrmanns auf dem Augsburger Königsplatz hat der Freund des Getöteten ausgesagt, der damals selbst schwer verletzt wurde. Er schilderte die Jugendlichen als aggressiv – ganz anders als die jungen Männer sich selbst.

4
Per Mail sharen
Von
  • Barbara Leinfelder
  • Beate Mangold

Ein lustiger und lockerer Abend, der später ohne Vorwarnung tödlich endete – so schildern heute vor dem Augsburger Landgericht die Zeugen den Nikolausabend 2019. Der 51-Jährige, der an dem Abend von den Jugendlichen schwer verletzt worden sein soll, kann sich die Tat immer noch nicht erklären - ebenso wenig, wie die jugendlichen Zeugen, die mit den drei Angeklagten unterwegs waren.

Freund des Getöteten: "Weiß nicht was ihn geritten hat"

Für den später getöteten 49-Jährigen, seinen 51-Jährigen Bekannten und deren Frauen begann der Abend demnach auf dem Augsburger Weihnachtsmarkt. Jeder habe drei oder vier Glühwein getrunken, danach sei die Gruppe noch auf ein Pils in ein Lokal gegangen. Die Stimmung sei heiter gewesen.

Auf dem Weg zu den Taxis am Königsplatz sei dem 49-Jährigen dann die Frage nach einer Zigarette gestellt worden. Er selbst habe drei oder vier Meter von seinem Freund entfernt gestanden, berichtet der 51-Jährige. Was dieser gesagt habe, wisse er nicht.

Auch nicht, warum sein Freund zu dem Jugendlichen, der ihn gefragt hatte, zurückgegangen sei. "Ich weiß nicht, was ihn da geritten hat. Das war eine Aktion von einer halben Minute, dann war alles vorbei, durch einen Schlag, den ich gar nicht gesehen habe", so der 51-Jährige.

Im Krankenwagen vom Tod des Freundes erfahren

Er selbst habe einen der Jugendlichen geschubst - zum Eigenschutz, wie es hieß. Er habe gesehen, wie sein Freund zusammengesackt sei, dann sei er selbst attackiert worden. Mehr wisse er nicht.

Im Krankenwagen habe er dann erfahren, dass sein Freund gestorben sei - an einer Gehirnblutung, wie sich später herausstellte. Der 51-Jährige selbst erlitt an dem Abend einen Jochbeinbruch und einen Bruch in der Kieferhöhle. Bis heute sei seine linke Gesichtshälfte taub, weil ein Nerv verletzt wurde.

Auch seelisch leide er immer noch unter der Tat, so der 51-Jährige vor Gericht. Besonders wenn er ein Feuerwehrauto sehe, komme alles wieder hoch. Mit dem 49-Jährigen sei er schon länger befreundet gewesen. Aus Zeitgründen habe er ihn aber nicht so oft getroffen – der 49-Jährige war Feuerwehrmann und arbeitete im Schichtdienst bei der Augsburger Berufsfeuerwehr.

Kein Interesse an Täter-Opfer-Ausgleich

An einer Entschuldigung von einem der Angeklagten, der ihn verletzt haben soll oder einem Täter-Opfer-Ausgleich, sei er nicht interessiert, antwortet der 51-Jährige auf die Frage des Verteidigers. "Das ist für mich nicht entschuldbar." Er könne auch nicht verstehen, wie die Jugendlichen angeben könnten, dass die Stimmung an dem Abend "locker und gelöst" gewesen sein soll. Er sehe einen aggressiven Auftritt auf den Videos.

Drei Jugendliche aus der Gruppe, die an dem Abend gemeinsam unterwegs waren, schilderten den Abend vorher mit diesen Worten. Es sei der Geburtstag eines Freundes gewesen. Die Stimmung sei "glücklich und locker" gewesen, sagt etwa der Jugendliche, der mit seiner Frage nach einer Zigarette den Streit ausgelöst haben soll.

Zeugen: Späteres Opfer sei aggressiv gewesen

Alle drei Jugendliche berichten von viel Alkohol, vor allem Jägermeister und Wodka. Auf die Frage nach der Zigarette habe der 49-Jährige zu dem Jugendlichen gesagt, er solle die "Schnauze halten". Die Situation sei "bedrohlich" gewesen, der 49-Jährige "aggressiv".

Die eigentliche Tat kann keiner der drei schildern – dafür sei es zu schnell gegangen. Alle drei schildern den Schlag des Hauptangeklagten Halid S., der zum Tod des Mannes führte, als nicht so heftig. Nach der Tat seien sie unter Schock davongerannt.

Haupttäter habe seine Freunde beschützen wollen

Auch was die Einschätzung des Hauptangeklagten Halid S. angeht, sind sich die Jugendlichen weitgehend einig. Sie schildern ihn als "gelassenen" Typ, der nicht aggressiv sei und "nicht auf Stress aus". Er unterstütze seine Freunde und habe diese an dem Abend schützen wollen.

Kampfsport betreibe keiner in der Gruppe, so der Cousin des Hauptangeklagten. Dass die Gruppe eine Gang gewesen sei, bestreiten die Jugendlichen ebenfalls. Laut der Aussage des Cousins waren sie an dem Abend das erste Mal in dieser Konstellation unterwegs.

Angeklagte entschuldigen sich vor Gericht

Die Aussagen der beiden Jugendlichen decken sich mit denen der drei Angeklagten. Sie alle bedauerten die Attacke in ihren Aussagen und entschuldigten sich bei den Opfern und ihren Angehörigen. Der Hauptangeklagte Halid S. sagte in seiner Aussage, ihm sei es nie darum gegangen, einen Menschen zu töten und er habe nicht glauben können, dass dieser eine Schlag tödlich gewesen sei.

Staatsanwaltschaft: Haupttäter wollte Opfer verletzen

Anders sieht das die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift. Dem Angeklagten sei es darauf angekommen, den 49-Jährigen "massiv zu verletzen" und er hätte erkennen müssen, dass der Mann durch den völlig unvermittelten und gänzlich überraschenden Schlag zu Tode kommen könnte.

Die beiden Mitangeklagten Jugendlichen, die später den Freund des 49-Jährigen attackierten, hätten sich gegenseitig angestachelt und aufgrund ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit gehandelt.

Halid S. muss sich vor Gericht wegen Körperverletzung mit Todesfolge und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Die beiden anderen jungen Männer sind wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung angeklagt.

© BR

Ein 49-Jähriger verliert im Streit mit Jugendlichen sein Leben, ein 17-Jähriger sitzt nun auf der Anklagebank. Auslöser der Tat soll eine Lappalie gewesen sein.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!