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Die Angeklagte Susanne G. auf der Anklagebank am 29.04.2021 im Oberlandesgericht München.

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    Prozess: Susanne G. aus Franken schrieb Briefe an NSU-Helfer

    Sie bedrohte Lokalpolitiker, eine Moscheegemeinde und suchte auch die Nähe zu NSU-Unterstützern. Das zeigt ein weiterer Tag im Prozess vor dem Oberlandesgericht München gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Susanne G. aus Franken.

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    Von
    • Ina Krauß
    • BR24 Redaktion

    Seit April steht die mutmaßliche Rechtsterroristin Susanne G., gelernte Heilpraktikerin aus Franken, vor dem Münchner Oberlandesgericht. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr vor, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben. Ein weiterer Prozesstag brachte nun zu Tage, dass Susanne G. engen Kontakt zu den verurteilten NSU-Helfern Ralf Wohlleben und André E. gepflegt hat. Die Ermittler fanden jedoch keine Beweise, dass Susanne G. auch direkten Kontakt zum sogenannten "Nationalsozialistischen Untergrund" NSU selbst hatte.

    Auf einem Foto, das Ermittler sichergestellt haben, sind Freunde zu sehen, so jedenfalls wirken sie auf die Ermittler: Susanne G. feiert gemeinsam mit ihrem Ehemann und den verurteilten NSU-Unterstützern Ralf Wohlleben und André E. ein Grillfest. Das Foto stellten die Ermittler auf dem Mobiltelefon von Susanne G. sicher. Von wann genau die Aufnahme stammt, lässt sich nicht feststellen.

    Reger Briefwechsel mit NSU-Helfern in U-Haft

    Sicher ist aber, dass Susanne G. engen Kontakt zu Wohlleben und André E. pflegte. Auch persönliche Treffen fanden statt, wie Fotos im Prozess belegen. Auf dem Navi in ihrem Auto waren die Adressen von Wohlleben und E. eingespeichert. Ermittler schilderten vor Gericht auch den regen Briefkontakt von Susanne G. mit den beiden NSU-Helfern, als diese während des NSU-Prozesses in U-Haft saßen.

    Die Ermittler gehen davon aus, dass Susanne G. im Rahmen einer rechtsextremen Gefangenenhilfe Kontakt zu den beiden suchte und Briefe in die U-Haft schrieb, während der NSU-Prozess in München lief. André E. besuchte sie in Haft. Als er 2018 nach dem Urteil aus der Haft entlassen wurde, holte sie den bekennenden Rechtsextremisten am Gefängnistor ab. Wohlleben und E. haben auch eine Besuchserlaubnis für Susanne G., die aktuell in Stadelheim in Untersuchungshaft sitzt.

    Zeitweise aktiv in Kleinstpartei III. Weg

    Dass sie in der aktiven Zeit des NSU (1998-2011) Kontakt zu den Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe hatte, dafür fanden Ermittler keine Belege. Wann genau sich Susanne G. radikalisierte, ist offen, dem Landesamt für Verfassungsschutz fiel sie 2015 zum ersten Mal auf – als aktives Mitglied der rechtsextremistischen Kleinstpartei III. Weg. Von 2015 bis März 2020 überwies sie Mitgliedsbeiträge an die Partei, fungierte auf einer Demonstration 2020 als Ordnerin. Eine Fotojournalistin beobachtete auch auf einer Kundgebung der Partei III. Weg in Bamberg im Februar 2020, wie sie sich inmitten der Führungsspitze der rechtsextremen Partei aufhielt.

    Bayerischer Verfassungsschutz nahm Kontakt auf

    Anfang 2018 sprach ein Mitarbeiter des Landesamtes für Verfassungsschutz Susanne G. an, doch sie habe die Kontaktaufnahme abgeblockt, so die Aussage eines Verfassungsschützers im Prozess. Ob der Verfassungsschutz sie für eine Mitarbeit gewinnen wollte, blieb offen.

    Susanne G. muss sich seit April vor dem Oberlandesgericht München wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verantworten. Als sie vor knapp einem Jahr in einem Fürther Hotel festgenommen wurde, soll sie kurz davor gestanden haben, einen Anschlag zu begehen.

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