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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Matthias Balk

Aus Hass auf Menschen türkischer Abstammung soll ein Mann Anschläge in Waldkraiburg verübt haben. Am Dienstag beginnt in München der Prozess. Der mutmaßliche Täter soll IS-Anhänger sein. Der Verdacht war zunächst in eine andere Richtung gegangen.

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Prozess startet: Anschläge in Waldkraiburg auf türkische Läden

Aus Hass auf Menschen türkischer Abstammung soll ein Mann Anschläge in Waldkraiburg verübt haben. Heute beginnt in München der Prozess. Der mutmaßliche Täter soll IS-Anhänger sein. Der Verdacht war zunächst in eine andere Richtung gegangen.

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Von
  • Birgit Grundner

Der Attentäter von Waldkraiburg muss sich am Oberlandesgericht München verantworten - wegen versuchten Mordes in zahlreichen Fällen.

Die Ermittler vermuteten anfangs einen rechtsradikalen Hintergrund, weil sich die Anschläge im April und Mai 2020 gegen türkisch geführte Geschäfte und eine Moschee richteten. Zuerst wurde in einem Wohnhaus neben der Sultan-Ahmet-Moschee ein Brandsatz deponiert dann wurden Fensterscheiben von Läden eingeworfen, in einem weiteren Geschäft kam es zu einer Detonation und zu einem Brand.

Staatsanwalt: Täter hat Tod der Bewohner in Kauf genommen

In dem Gebäude wohnten auch 26 Menschen. Mehrere von ihnen bemerkten das Feuer und konnten ihre Nachbarn rechtzeitig warnen. Vier Menschen erlitten aber bei der Flucht eine Rauchgasvergiftung. Der Täter, so die Staatsanwaltschaft, habe den Tod der Bewohner in Kauf genommen.

Für die Anklage war der damals 25-Jährige, der ab Dienstag vor Gericht steht, verantwortlich. Schon seit 2017 habe er sich religiös radikalisiert und sei Anhänger der Terrorgruppe "Islamischer Staat" geworden. Sein Hass habe sich gegen Menschen türkischer Abstammung gerichtet, weil er etwa mit der Haltung der Türkei im Syrienkrieg nicht einverstanden gewesen sei.

23 Rohrbomben und 45 Kilogramm Sprengstoff

Die Anschläge soll der junge Mann systematisch vorbereitet haben: Laut Staatsanwaltschaft hat er eine Pistole gekauft, sich im Internet über die Herstellung von Sprengstoffen informiert und die nötigen Materialen vor allem über den Versandhandel organisiert. Rund 100 Kilogramm Chemikalien habe er dort bestellt. In Baumärkten habe er außerdem Eisenwaren für die Hüllen und Splitterladungen von Rohrbomben gekauft. Schließlich soll der Mann 23 Rohrbomben und 45 Kilogramm Sprengstoff hergestellt und in seinem Auto deponiert haben.

Anschlagsziele: Geschäfte und Moscheen

Den Ermittlungen zufolge wollte er zunächst über Münchner Moscheen Kontakt zu IS-Mitgliedern bekommen. Er habe nach Syrien ausreisen und sich dort der terroristischen Vereinigung anschließen wollen, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Weil das nicht gelungen ist, habe er die Vorbereitungen für seine Anschlagspläne in Deutschland weiter vorangetrieben. Ziel seien mehrere Moscheen im näheren Umkreis von Waldkraiburg, aber auch die DITIB-Zentralmoschee in Köln und das türkische Generalkonsulat in München gewesen. Bei den Anschlägen auf die Moscheen sollten die Imame erschossen werden.

Auftakt der Anschlagserie

Weil es noch Probleme mit den Zündern der Rohrbomben gab, soll sich der 25-Jährige dann zunächst für einen Brandanschlag auf die Sultan-Ahmet-Moschee in Waldkraiburg entschieden haben. Allerdings habe sich die Eingangstüre nicht öffnen lassen, so die Anklage, deshalb sei der Täter auf das Nachbarhaus ausgewichen. Es soll der Auftakt der Serie gewesen sein.

Der Prozess im Oberlandesgericht München findet unter starken Sicherheitsvorkehrungen statt. 43 Verhandlungstage sind angesetzt, das Urteil soll es dann im August geben.

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