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Prozess: Setzte Freisinger Fischzucht verbotene Chemikalie ein? | BR24

© BR/Christine Gaupp

Prozessbeginn vor dem Amtsgericht Freising. Angeklagt ist ein Fischzüchter und einer seiner Mitarbeiter. Es geht um den Einsatz einer umstrittenen Chemikalie.

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Prozess: Setzte Freisinger Fischzucht verbotene Chemikalie ein?

Malachitgrün wird als Medikament bei Zierfischen eingesetzt, bei Speisefischen ist es verboten, weil es möglicherweise Krebs erregt. Einem Fischzüchter im Kreis Freising wird vorgeworfen, die Chemikalie trotzdem eingesetzt zu haben.

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Am Amtsgericht Freising hat heute das Verfahren gegen den Inhaber einer Fischzucht und einen seiner Mitarbeiter begonnen. Ihnen wird ein Verstoß gegen das Lebensmittelrecht vorgeworfen. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft haben die beiden den Stoff Malachitgrün bewusst in der neben einem Wasserlauf gelegenen Fischzucht eingesetzt.

Das Tierarzneimittel gegen Parasitenbefall ist in der Lebensmittelproduktion verboten, weil es im Verdacht steht, krebserregend und Erbgut schädigend zu sein. Bei einzelnen Fischen aus dem Betrieb des mutmaßlichen Verursachers lagen Messungen über den Grenzwerten für Malachitgrün.

Fische in Moosach und Isar mit Medikament belastet

Nicht nur die Moosach bei Freising wurde durch Malachitgrün verunreinigt. Auch in Forellen und Wildfischen der Isar wurde die Chemikalie nachgewiesen. Außerdem in Gewässern im Landkreis Dachau, wo der unter Verdacht stehende Betrieb seinen Hauptsitz hat. Die Angeklagten hatten bei ihrer Vernehmung erklärt, dass das Malachitgrün in Freising zufällig bei Reinigungsarbeiten ins Wasser gelangt sei. Bei einer Verurteilung könnte den beiden Angeklagten eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren drohen.

Unter dem Skandal leiden auch Fischzüchter, deren Betriebe flußabwärts des mutmaßlichen Verursachers liegen. Weil das verbotene Tierarzneimittel auch in ihre Becken geschwemmt wurde, durften sie ihre Fische nicht mehr vermarkten. Einer der Fischwirte sprach von einem Schaden zwischen 300.000 und 500.000 Euro.

BR deckt Fisch-Skandal auf

Der Vorfall war im März 2019 durch Recherchen des BR an die Öffentlichkeit gelangt. Obwohl die zuständigen Behörden schon seit Monaten Bescheid wussten, hatten sie nicht darüber informiert.

Der Malachitskandal hatte auch ein Nachspiel im bayerischen Landtag. SPD und Grüne verlangten von der Staatsregierung Aufklärung und eine bessere Information der Öffentlichkeit. Für die SPD steht ein Versagen im Verbraucherschutz im Raum. Beide Fraktionen sorgen sich zudem um die verseuchten Gewässer und Fische.

Nachspiel im Landtag

Umweltminister Thorsten Glauber, Freie Wähler, erklärte Anfang September in seinem schriftlichen Bericht an den Landtag, die Staatsanwaltschaft gehe von einem vorsätzlichen Handeln der Angeklagten aus. Der Schwerpunkt der Tatvorwürfe liege auf der Belastung der Speisefische. Die Gewässerverunreinigung werde vorläufig nicht angeklagt.

Den Aufsichtsbehörden - auch das ist der Stellungnahme von Minister Glauber zu entnehmen - wussten seit Juli 2018 von Verunreinigungen mit Malachitgrün. Anfang September 2018 nahm die Staatsanwaltschaft Landshut Ermittlungen in Freising auf. Die verunreinigten Fischzuchtbetriebe wurden gesperrt. Die Information der Großkunden erfolgte auf freiwilliger Basis. Die der breiten Öffentlichkeit unterblieb.

Keine Information der breiten Öffentlichkeit

Monate später, Ende Januar 2019, informierte das Landratsamt Freising die Angelvereine über das Malachitproblem und forderte die Mitglieder auf, keine belasteten Fische in den Verkehr zu bringen.

Warum die Bevölkerung nicht informiert wurde, beantwortet Umweltminister Glauber folgendermaßen: "Aufgrund der Untersuchungsergebnisse sowie der toxikologischen Bewertung lagen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass eine Kontamination der aus den Betrieben in Verkehr gebrachten Fische und der daraus gewonnenen Lebensmittel als gesundheitsschädlich anzusehen waren."

Hat die Natur Schaden genommen?

Zur Frage der Schäden an Tieren und Gewässern heißt es in dem Bericht des Umweltministers, die zuständigen Behörden hätten keine Hinweise darauf, dass akute Schäden an geschützten Fischarten und Wasserwirbellosen vorliegen. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass Wasserorganismen beeinträchtigt wurden.

Der mutmaßliche Verursacher der Verunreinigungen sei bereits zu Sanierungsmaßnahmen verpflichtet worden Erst wenn aus dem Betrieb kein belastetes Sediment mehr flußabwärts geschwemmt wird, könnten weiter unterhalb liegende Gewässerabschnitte saniert werden, so Glauber.