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Prozess: Lkw-Fahrer muss für riskantes Überholmanöver in Haft | BR24

© BR / Martin Gruber

Am Amtsgericht Passau ist das Urteil gegen einen tschechischen Lkw-Fahrer gefallen. Für ein riskantes Überholmanöver auf der B12 bei Freyung muss der 53-Jährige zwei Jahre und drei Monate in Haft.

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Prozess: Lkw-Fahrer muss für riskantes Überholmanöver in Haft

Am Amtsgericht Passau ist das Urteil gegen einen tschechischen Lkw-Fahrer gefallen. Für ein riskantes Überholmanöver auf der B12 bei Freyung muss der 53-Jährige zwei Jahre und drei Monate in Haft.

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Es war ein Überholmanöver, das tödlich hätte ausgehen können. Ein tschechischer Lastwagenfahrer hat im Januar auf der B12 bei Freyung einen Sattelschlepper überholt, obwohl ihm ein Bus entgegenkam. Alle drei Fahrzeuge fuhren kurzzeitig auf der zweispurigen Straße nebeneinander. Die Richter am Passauer Amtsgericht verurteilten den Lkw-Fahrer jetzt zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monaten – wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs. Für vier Jahre muss der 53-Jährige außerdem seinen Führerschein abgeben. Der Angeklagte brach bei der Urteilsverkündung in Tränen aus und sagte, er sei froh, dass nicht mehr passiert sei. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Haft gefordert, der Verteidiger eine Bewährungsstrafe.

Dashcam-Video wurde im Netz tausendfach geklickt

Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen, weil es von dem Überholmanöver ein Video gibt. Ein Lkw-Fahrer, der überholt wurde, hatte im Führerhaus eine Dashcam installiert und lud das Video auf Facebook hoch. Es wurde tausendfach geklickt und diente im Prozess auch als Beweismittel.

Das Video zeigt, was auch alle Zeugenaussagen bestätigten: Der Lastwagenfahrer zog mit überhöhter Geschwindigkeit im Überholverbot, an einer Stelle, an der aus der dreispurigen B12 wieder zwei Spuren werden, an einem Sattelschlepper vorbei. Der tschechische Fahrer blieb auf der linken Spur und überholte einen weiteren Lkw, obwohl er laut Gutachter nur etwa 300 Meter weit sehen konnte.

Selbst als ihm ein Bus entgegenkam, scherte er nicht ein - obwohl auch das laut Gutachter gefahrlos möglich gewesen wäre. Der Busfahrer sowie der überholte Lastwagenfahrer reagierten schnell und zogen ihr Fahrzeuge soweit an den Straßenrand, dass auf der 9,30 Meter breiten Bundesstraße alle drei Fahrzeuge nebeneinander Platz hatten. Der Abstand zwischen den Fahrzeugen dürfte nicht mehr als 30 bis 40 Zentimeter betragen haben, sagte der Unfallsachverständige, der das Überholmanöver vor Ort hatte nachstellen lassen und so die Abstände berechnen konnte.

Anklage wegen versuchten Mordes nicht zugelassen

"Nur wegen der richtigen Reaktion der beiden anderen Fahrer gab es keine Toten", sagte der Richter und ergänzte: "Wir können es nicht beweisen, aber ein nüchterner und besonnener Fahrer fährt nicht so." Wegen der Vorstrafen des Angeklagten kam für den Richter nur eine Haftstrafe in Frage - auch um andere Fahrer abzuschrecken.

Der Verteidiger des Anklagten zeigte sich von diesem Aspekt nicht überzeugt: "Ich glaube nicht, dass das Urteil eine abschreckende Wirkung hat. Denn jeder, der zum Überholen ansetzt, ist subjektiv davon überzeugt, dass er es schafft." Der entgegenkommende Busfahrer, der auch als Zeuge aufgetreten war, sagte im Gespräch mit dem BR: "Ich kann mich schon in den Angeklagten hineinversetzen. Wahrscheinlich hat er auch Zeitdruck gehabt und wollte einfach nach vorne. Er bereut es sehr. Ich finde, die U-Haft reicht. Aber er gehört nicht mehr auf einen Lkw."

Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich Anklage wegen versuchten Mordes erhoben. Das Landgericht Passau ließ die Anklage in dieser Form nicht zu. Verhandelt wurde wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs.