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Prozess in Augsburg: Witwe des Opfers sagt aus | BR24

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Zweiter Tag im Prozess am Landgericht Augsburg

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    Prozess in Augsburg: Witwe des Opfers sagt aus

    Unter Tränen und mit dem Rücken zu den Angeklagten hat die Witwe des auf dem Augsburger Königsplatz getöteten Feuerwehrmannes ausgesagt. Ihr Mann habe immer nur das Gute im Menschen gesehen, nie das Böse.

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    Die 51-jährige Witwe, eine blonde Frau mit schwarzer Jacke, sitzt mit dem Rücken zu den Angeklagten, darauf hatte ihre Anwältin Isabel Kratzer-Ceylan schon gestern vor Gericht bestanden. Der Hauptangeklagte wird zwei Reihen weiter hinten neben seinen Eltern platziert, damit sie nicht direkt an ihm vorbeigehen muss. Die Anwältin begleitet sie in den Saal, eine Freundin ist an ihrer Seite und hält ihr die Hand..

    Als die Witwe den Saal betritt, ist es ganz still im Gericht

    Die Witwe weint, als sie den Saal betritt, und auf einmal ist es ganz still im Gericht. Für ihre Mandantin sei es unglaublich schwer, heute ihre Aussage vor Gericht zu machen, hatte ihre Anwältin bereits vorab erklärt. Richter Lenard Hoesch spricht mit ruhiger, leiser Stimme zu ihr. Sie antwortet mit oft kaum hörbarer Stimme, wird immer wieder von Schluchzen und Weinen unterbrochen. 14 Jahre seien sie zusammen gewesen, ihr Mann sei hilfsbereit gewesen und habe nie das Schlechte im Menschen gesehen, nur das Gute. Deswegen sei er auch bei der Berufsfeuerwehr gewesen - um anderen zu helfen. "Warum ist ihm das passiert, warum gerade ihm?" fragt sie.

    "Was hat ihr Mann von Migranten gehalten?" fragt der Richter

    Auf die Frage des Richters, was ihr Mann denn von Migranten gehalten habe, sagt die Frau: "Gegen die hat er nichts gehabt, er hat auch nie geschimpft." Er sei auch "nie aggressiv" gewesen, auch nicht, wenn er Alkohol getrunken habe. "Der Abend war so schön" bis zur Tat, erinnert sich die Witwe. Zivilcourage habe er auf jeden Fall gehabt, er sei immer gut drauf gewesen, lustig, einfach ein feiner Kerl, mit Herz und Seele Feuerwehrmann. "Ich vermisse ihn, ich kann nachts nicht schlafen, er fehlt mir so", sagt die Witwe.

    Hat der Mann sein Gegenüber geschubst?

    Staatsanwalt Michael Nißl fragt nach, ob an diesem Abend irgendetwas anders gewesen sei. Auf dem Video sei ja zu sehen, dass er sein Gegenüber wegschubst. Daraufhin entgegnet die Witwe, dies sei ganz normal, wenn jemand ihren Schutzraum überschreite. Formulierungen wie "halt die Schnauze" habe ihr Mann nicht gebraucht.

    Der Freund des Getöteten wurde zu Boden geschubst

    Zuvor hat die Ehefrau des Mannes ausgesagt, der bei der Gewalttat am Königsplatz vom Nikolaustag 2019 schwer verletzt worden ist. Die 48-Jährige schilderte, wie sie den Tatablauf in Erinnerung hat. Die Frau mit den schulterlangen blonden Haaren und der dunklen Brille kann manche Dinge sehr genau schildern, andere seien verschwommen im Gedächtnis, sagt sie. Klar vor Augen aber habe sie, dass der Mann, der auf ihren Gatten losgegangen sei, "sehr aggressiv" gewesen sei, in seiner Stimme und seiner Lautstärke. Er habe seinen Mann geschubst, der sei dann zu Boden gefallen. "Ich habe den anderen dann hinten an der Jacke gepackt, was im Nachhinein sehr mutig von mir war", so die Ehefrau.

    Eine Passantin rief: "Aufhören, aufhören!"

    Auch eine Passantin vor dem Schnellrestaurant habe gerufen "Aufhören, Aufhören", und da habe er dann von ihrem Mann abgelassen. Sie habe auch immer wieder nach ihrem Bekannten, dem Feuerwehrmann geschaut, aber der habe am Boden gelegen und sich nicht mehr gerührt, schildert die Frau sichtlich emotional. Die Ehefrau des Getöteten sei verzweifelt gewesen, "sie hat gerufen und geschrien". Sie seien seit langem befreundet, aber ein Gespräch über den Tatabend sei mit der Witwe "lange nicht möglich gewesen". Auch ihr Mann habe oft "schlaflose Nächte", auch wenn er das nicht offen sage, "wie Männer halt sind".

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