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Prozess in Aschaffenburg: Bissspur stammt wohl vom Angeklagten | BR24

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40 Jahre liegt der Mord an einer 15-Jährigen in Aschaffenburg bereits zurück. Am dritten Verhandlungstag des Prozesses hat nun eine Rechtsmedizinerin ausgesagt. Sie belastet den Angeklagten schwer.

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Prozess in Aschaffenburg: Bissspur stammt wohl vom Angeklagten

40 Jahre liegt der Mord an einer 15-Jährigen in Aschaffenburg bereits zurück. Am dritten Verhandlungstag des Prozesses hat nun eine Rechtsmedizinerin ausgesagt. Sie belastet den Angeklagten schwer.

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Mit Spannung ist die Aussage einer Zahn-Sachverständigen erwartet worden. Am dritten Prozesstag vor dem Aschaffenburger Landgericht hat Gabriele Lindemaier nun ausgesagt. Sie arbeitet am Institut für Rechtsmedizin der LMU München und hat das Gebiss des Angeklagten mit der beim Opfer vorgefundenen, fotografisch gesicherten Bissspur verglichen. Das Ergebnis: Mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" sei die 15-Jährige durch die Zähne des Angeklagten verletzt worden, so Gerichtssprecher Ingo Krist.

Sachverständige sagt im Aschaffenburger Prozess aus

"Angesichts der Vielzahl der übereinstimmenden Besonderheiten des Gebisses des Angeklagten gehe die Wahrscheinlichkeit, dass eine andere Person als der Angeklagte das gleiche Zahnmuster wie der Angeklagte habe, gegen Null“, sagt Krist weiter. Der Zahnkranz des Angeklagten sei identisch zu den Abmessungen der Bissspur. Vom Gebiss des 57-Jährigen sei ein Gipsabdruck gefertigt worden, der in eine Kunststoffbissschiene übertragen worden sei. Dadurch hätten die Rechtsmediziner exakt prüfen können, ob der Abdruck zur Bissspur passt. Laut der Sachverständigen passe der Abdruck "mehr oder weniger haargenau".

Bissspur passt zur Verletzung des Opfers

Ebenso könne die Rechtsmedizinerin der LMU eine Veränderung der Größe des Kiefers des Angeklagten ausschließen, heißt es vom Gerichtssprecher. Das Wachstum des Kiefers sei mit etwa 17,5 Jahren abgeschlossen. Als dritte Besonderheit erwähnte die Sachverständige die Zahnabstände des Angeklagten. Entgegen der Üblichkeit bestehen beim Gebiss des Angeklagten keinerlei Abstände zwischen den Zähnen. Außerdem habe die Medizinerin drei Arten des Zubeißens geschildert: zur Nahrungsaufnahme, als Kampf- beziehungsweise Abwehrhandlung oder aus einer sexuellen Komponente heraus. Bei der damaligen Bissspur an der Brust der 15 Jahre alten Christiane J. sei von einer Mischung der beiden letztgenannten Arten des Zubeißens auszugehen.

Verteidigung zweifelt Aussagen an

Die Verteidigung zweifelte an, dass die Feststellungen der Sachverständigen sich tatsächlich so auch auf den Aufnahmen abzeichneten. Die Münchenerin blieb aber bei ihren Feststellungen. Der Prozess geht am Donnerstag weiter.

💡 Um was geht es im Aschaffenburger Cold-Case-Prozess?

Seit dem 8. Januar muss sich ein 57 Jahre alter Mann vor dem Aschaffenburger Landgericht wegen Mordes verantworten. Er soll vor 40 Jahren die damals 15 Jahre alte Christiane J. in den Aschaffenburger Schlosspark gelockt und umgebracht haben. Zum Prozessauftakt hatte der Mann die Tat bestritten. Weil der Angeklagte damals erst 17 Jahre alt war – und damit minderjährig – wird nach Jugendstrafrecht verhandelt. Die Öffentlichkeit ist von dem Prozess ausgeschlossen. Ein Urteil soll Anfang Februar fallen.

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