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3. Verhandlungstag im Prozess gegen Susanne G.: Als Zeugen wurden Mitglieder einer Moscheegemeinde und eines Flüchtlingshilfevereins gehört.

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    Prozess gegen Susanne G.: Zeugen belasten sie schwer

    Am Oberlandesgericht München wurde heute der Prozess gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Susanne G. aus Franken fortgesetzt. Als Zeugen sagten Mitglieder einer Moscheegemeinde und eines Flüchtlingshilfevereins aus. Sie waren bedroht worden.

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    Von
    • Ina Krauß

    Seit April steht die mutmaßliche Rechtsterroristin Susanne G., gelernte Heilpraktikerin aus Franken, vor dem Münchner Oberlandesgericht. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr vor, Drohschreiben versendet und eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben. Am dritten Verhandlungstag schilderten Mitglieder einer Moscheegemeinde aus Röthenbach an der Pegnitz und eines Flüchtlingshilfevereins, wie sie mit dem Tod bedroht wurden.

    Nach Drohung: Leben der Moschee-Gemeinde verändert

    Ein unscheinbarer blauer Umschlag, darin eine Grußkarte mit den Worten: "Ihr werdet niemals sicher sein!" Beigefügt eine scharfe Patrone. Diesen Brief fand der Röthenbacher Moscheeverein im März vergangenen Jahres in seinem Briefkasten. Der Vorsitzende des Vereins schilderte vor Gericht, wie stark die Drohung das Leben der Moschee-Gemeinde verändert habe: Sicherheitsmaßnahmen seien verstärkt worden, gebetet würde nur noch mit abgesperrter Tür, viele Gemeindemitglieder fühlten sich nicht mehr sicher. Bis heute kämen deutlich weniger Besucher in die Moschee.

    Panik um die eigenen Kinder

    Eindrücklich schilderte außerdem der Religionsbeauftragte der Gemeinde vor Gericht, wie sehr er nach dem Erhalt des Drohschreibens um das Leben der eigenen Kinder fürchtete; wie er in Panik gerate, sobald seine Kinder außer Haus gingen. Bis heute würden Fremde, die sich der Moschee nähern von den Mitgliedern des Vereins angesprochen.

    Spähte Susanne G. die Moschee von innen aus?

    Der Religionsbeauftragte schilderte auch einen Vorfall vom 3. Oktober 2019, dem Tag der offenen Moscheen. Ihm seien damals zwei Frauen aufgefallen, die sich verdächtig verhalten hätten. Nach der Festnahme von Susanne G., will er sie auf einem Foto in der Presse wiedererkannt haben. Sie sei damals mit einer anderen, dunkelhaarigen Frau unter den Besuchern gewesen und habe sich auffällig im Inneren des Vereinsgebäudes umgesehen.

    Flüchtlingsverein bedroht

    Auch der Flüchtlingsverein Fleck e.V. erhielt im vergangenen Frühjahr einen Drohbrief mit scharfer Munition, versehen mit dem Datum eines großen Festes, das der Verein am 4. April 2020 geplant hatte. Die Vereinsvorsitzende sagte vor Gericht, sie hätte ein sehr mulmiges Gefühl gehabt. Das geplante Fest musste dann aber ohnehin wegen der Pandemie abgesagt werden. "Da war ich ganz froh darüber", so die Vereinsvorsitzende vor Gericht.

    Sie hatte außer der Polizei kaum jemandem im Verein von dem Drohbrief erzählt. Sie wollte der Angst und dem Schrecken, der mit der Drohung verbreitet werden sollte, keinen Raum geben. Viele Flüchtlinge, die der Verein betreut, seien bereits durch die Bedrohung der Moscheegemeinde stark verunsichert gewesen. Erst als die mutmaßliche Rechtsterroristin Susanne G. im September 2020 festgenommen wurde, erfuhren die Öffentlichkeit und die Vereinsmitglieder von dem Drohschreiben.

    Susanne G. plante offenbar Anschlag

    Der Generalbundesanwalt ist sich sicher, dass Susanne G. die Drohschreiben verfasst hat. Er geht davon aus, dass die 55-jährige Frau bei ihrer Festnahme kurz davor war, einen Anschlag zu begehen. Ihr Auto war damals vollgepackt mit Utensilien zum Bombenbau. Die Moschee in Röthenbach an der Pegnitz hatte sie vorher genauso ausspioniert, wie Polizeidienststellen und andere Objekte.

    Am Donnerstag waren in dem Prozess zwei Lokalpolitiker als Zeugen geladen, die ebenfalls mutmaßlich von Susanne G. bedroht worden sind. Für das Verfahren gegen Susanne G. sind 20 Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll im August gesprochen werden.

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