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Weiße Wölfe Terrorcrew, verpixelte Menschen, mutmaßlich rechtsextrem
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Autoren

Heiner Gremer
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Weiße Wölfe Terrorcrew, verpixelte Menschen, mutmaßlich rechtsextrem

Unter großen Sicherheitsvorkehrungen hat heute vor dem Bamberger Landgericht der Prozess gegen vier mutmaßliche Rechtsextremisten begonnen. Sie sollen Mitglieder der inzwischen verbotenen rechtsextremen Gruppe "Weiße Wölfe Terrorcrew" gewesen sein und gezielt Ängste vor Anschlägen auf eine Flüchtlingsunterkunft in Bamberg geschürt haben.

Vier mutmaßliche Rechtsextreme in Bamberg vor Gericht

Den drei Männern und einer Frau im Alter von 24 bis 39 Jahren wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung, gefährliche Körperverletzung, der Umgang mit explosionsgefährlichen Stoffen und die Störung des öffentlichen Friedens vorgeworfen. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen bis zu fünf Jahre Haft.

Nur zwei Angeklagte machten Angaben

Nur zwei der Angeklagten machten heute vor Gericht Angaben. Ein Angeklagter schwieg, und die angeklagte Frau äußerte sich nur zu persönlichen Details. Die Männer bestritten, einen Anschlag geplant zu haben. Die 90 Kilo Pyrotechnik aus Italien und Polen habe er für Silvester bestellt, sagte einer der Männer aus. Er habe damit nichts Verbotenes vorgehabt. Anschläge mit Rohrbomben habe er nicht geplant.

Ein Angeklagter distanzierte sich von rechter Gruppierung

Außerdem, so der Mann weiter, sei er Mitglied der Sektion Bayern-Franken der "Weißen Wölfe Terrorcrew" gewesen. Die Gruppe habe er aber für eine Fangruppe der Rechtsrock-Band "Weiße Wölfe" gehalten. Nach seiner Festnahme im Oktober 2015 habe er sich von allen rechten Gruppierungen distanziert – er sei sogar ausgetreten. Die drei Opfer einer Schlägerei, an der er beteiligt gewesen sei, habe er finanziell entschädigt.

Angeklagter: "Von Pyrotechnik habe ich nichts gewusst"

Der ebenfalls angeklagte Sektionsleiter der "Weißen Wölfe Terrorcrew" gab an, nichts von Pyrotechnik gewusst zu haben. Es sei nie ein Sprengstoffanschlag geplant gewesen. Zu der ihm vorgeworfenen Körperverletzung gab er an, er habe lediglich seine ebenfalls angeklagte Frau schützen wollen. Sie sei in diese Schlägerei verwickelt gewesen. Der Großteil seiner bei der Polizei gemachten Aussagen sei ohnehin falsch. Die Polizisten hätten ihm versprochen, er könne wieder gehen, wenn er alles so bestätige.

Großes Medieninteresse zum Prozessauftakt

Das Medieninteresse an dem Prozess ist in diesen Tagen groß. Vergangene Woche waren in Sachsen und Bayern sieben mutmaßliche Mitglieder der rechtsterroristischen Gruppe "Revolution Chemnitz" festgenommen worden. Sie sollen bewaffnete Angriffe auf Ausländer, Politiker und Journalisten ins Auge gefasst haben. Laut Bundesanwaltschaft wollte die Gruppe am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, zuschlagen.

Staatsanwaltschaft: Angriff auf Asylunterkunft geplant

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, sich als Mitglieder im Führungszirkel der Sektion Bayern-Franken der "Weißen Wölfe Terrorcrew" radikalisiert zu haben. Ihr Ziel sei es gewesen, politisch linke Menschen und Gruppierungen sowie Ausländer zu bekämpfen. Zwei Angeklagte sollen gegenüber einem Wachmann mit einem Angriff auf eine Bamberger Asylunterkunft gedroht haben.

Sie nahmen dabei laut Anklage Bezug auf die Ereignisse in Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) im August 1992: Anwohner und Neonazis hatten damals unter dem Applaus Tausender Schaulustiger die Zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende und ein Wohnheim für vietnamesische Arbeiter angegriffen und teils in Brand gesetzt. Den Angeklagten sei es darauf angekommen, Ängste vor einem Angriff und insbesondere vor einem Brandanschlag zu schüren, trug Staatsanwalt André Libischer heute vor.

Prozess gegen mögliche Rechtsextreme wird lange dauern

Für den Prozess sind bis Ende Januar 2019 weitere 26 Verhandlungstage angesetzt. Weil nur zwei der Angeklagten Angaben machen, könnte es ein Indizienprozess werden.