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Archivbild: Gustl Mollath
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BR24 Redaktion
Johanna Kempter
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Archivbild: Gustl Mollath

Mollath, eines der bekanntesten Justizopfer Deutschlands, fordert knapp 1,8 Millionen Euro Schadenersatz, weil er 2.747 Tage teilweise zu Unrecht in einer Psychiatrie untergebracht war. Nach Gerichtsangaben hat der Freistaat bereits 70.000 Euro gezahlt und will es dabei belassen.

Die Schadenersatzforderung Mollaths setzt sich zusammen aus dem materiellen Schaden – dazu gehören etwa der Verlust durch entgangenes Einkommen und der Entzug von Mollaths Haus in Nürnberg – und dem immateriellen Schaden. In der Klageschrift werden hierfür etwa der siebeneinhalbjährige Freiheitsentzug sowie die seelischen Qualen, die Mollath während der Zeit in der Psychiatrie erlitten hat, angeführt.

Erstes Angebot des Freistaats abgelehnt

Sowohl Mollath als auch sein Anwalt Braun hatten die Hoffnung gehabt, dass es doch noch zu einer außergerichtlichen Einigung mit der Staatsregierung kommt. Das hatten beide Seiten bereits versucht. Laut Mollath war ihm dabei eine Entschädigungszahlung von 170.000 Euro angeboten worden. Diese Summe lehnte er aber ab.

"Man kann nicht erwarten, dass man sich mit einem Butterbrot im Verhältnis zu dem, was tatsächlich verlustig gegangen ist, abspeisen lässt." Gustl Mollath

Er habe keinen Spaß daran, Gerichtsverfahren bestreiten zu müssen oder dort eine Rolle zu spielen. Aber er wolle sich dem Problem stellen, auch wenn es sehr schwer sei.

2.747 Tage zu Unrecht in der geschlossenen Psychiatrie

Mollath stand 2006 wegen Körperverletzungsvorwürfen seiner Frau vor Gericht. Das Landgericht Nürnberg-Fürth sprach ihn zwar wegen Schuldunfähigkeit frei. Er wurde aber in die Psychiatrie eingewiesen, weil ihm ein Gutachter Wahnvorstellungen und Gemeingefährlichkeit attestierte. Nach mehr als sieben Jahren durfte er 2013 nach einem Wiederaufnahmeverfahren die Psychiatrie verlassen. Ein Jahr später wurde er freigesprochen.