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Protestaktion in mehrere Städten
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Claudia Grimmer
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Protestaktion in mehrere Städten

Bundesweit haben am Wochenende Therapeuten, Logopäden und Podologen dagegen demonstriert, dass es für Patienten immer schwerer werde, an einen Behandlungstermin zu kommen. Der Grund: Es fehle am Personal. Nicht alle Leistungen wie Hausbesuche oder Lymphdrainage könnten noch ausreichend abgedeckt werden, so die Aktionsgruppe "Therapeuten am Limit".

Bayerische Therapeuten beteiligten sich am Protest

In Bayern formierte sich der Protest am Wochenende vor allem in den Städten München, Nürnberg, Augsburg, Bayreuth, Fürstenfeldbruck und Regensburg. Bundesweit wollten rund 9.000 Therapeuten mit der Kreideaktion auf ihre Probleme hinweisen. "Die Aktion war in Nürnberg und Fürth ein voller Erfolg. Ganz viele Menschen sind auf uns zugekommen und haben sich über die Situation der Therapeuten informiert", so Mirjam Hahn, selbst Ergotherapeutin in Fürth.

Patienten schreiben Karten an Jens Spahn

Nach der großen Resonanz sind bereits weitere Initiativen geplant. Ab heute läuft die "Aktion Rote Karte": Patienten sollen dabei Postkarten an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schreiben, um auf die Situation aufmerksam zu machen. Wie Mirjam Hahn aus ihrer Praxis berichtet, liegen die Wartezeiten für einen Termin bei ihr mittlerweile bei einem Jahr. "Verheerend ist das beispielsweise für Schlaganfallpatienten, die aus der Reha kommen. Für sie ist es eigentlich unverantwortlich, nicht sofort mit einer Therapie zu starten", so Hahn. Vor allem die Bürokratie habe extrem zugenommen, meint die Therapeutin. Früher habe sie für Abrechnungen und Patientenbriefe ein paar Stunden gebraucht. Heute seien es Tage.

Linke stellten Kleine Anfrage im Bundestag

Vor wenigen Tagen nahm die Bundesregierung Stellung zur "Sicherstellung der physiotherapeutischen Versorgung". Dabei verwies sie auf die anstehende Abkoppelung der Vergütungsvereinbarungen für Heilmittelleistungen, die eine Anhebung der Vergütungen um bis zu 30 Prozent erreichen sollen.

Grund für den Mangel

Ein vorzeitiger Berufsausstieg von Therapeuten spiele bei der jetzigen Situation eine große Rolle und auch das hohe Schulgeld für die Ausbildung, so die Aktionsgruppe "Therapeuten am Limit". Durchschnittlich 20.000 Euro kostet eine Ausbildung in den Heilberufen. "Zu den finanziellen Belastungen durch die Finanzierung der Ausbildung, kommen im Weiteren Kosten für Fortbildungen, die teilweise verpflichtend sind, um Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen überhaupt anbieten zu können“, heißt es in der Anfrage der Partei Die Linke an die Bundesregierung. Dies soll sich nun ändern - mit der Schaffung von Schulgeldfreiheit in den Gesundheitsfachberufen. Ein entsprechender Gesetzesvorschlag liegt den Ländern bereits vor.

Bayern liegt weit oben

Bei den Schülerzahlen gehört Bayern zu der Spitzengruppe. Während sie in Thüringen von rund 1.300 im Ausbildungsjahr 2009/2010 auf rund 660 Schüler im Jahr 2016/2017 sank, stieg sie im Freistaat im gleichen Zeitraum um rund 500. Allerdings schneidet der Freistaat bei der Versorgung mit Praxen offenbar nicht so gut ab: Laut Heil- und Heilsmittelbericht der Krankenkasse Barmer GEK steht Bayern ganz weit unten in der Rangliste. Im Freistaat liegt die Versorgung mit Therapeuten in einer Praxis auf dem vorletzten Platz im Vergleich der Bundesländer. Nur in Nordrhein-Westfalen ist sie noch schlechter. Die Erhebung der Krankenkasse geht dabei auf die Therapeuten zurück, die mit ihr abgerechnet haben.

Bundesweite Aktionsgruppe

Die #kreideaktion geht auf den Physiotherapeuten Heiko C. Schneider aus Frankfurt zurück. Er wandte sich bereits im März mit einem Brandbrief an das Bundesgesundheitsministerium. Darin machte er auf die unattraktiven Rahmenbedingungen von Therapeuten aufmerksam. Bei durchschnittlich 2.200 Euro brutto liege der Durchschnittsverdienst eines Therapeuten in Deutschland. Der Beruf sei durch zu viel Bürokratie und zu wenig Verdienst nicht mehr attraktiv.

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Claudia Grimmer

Sendung

Regionalnachrichten Franken vom 27.08.2018 - 14:00 Uhr