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Protest: Landwirte blockieren mehrere Aldi-Zentrallager | BR24

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Landwirte haben am Sonntag gegen die Preispolitik des Discounters Aldi demonstriert.

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Protest: Landwirte blockieren mehrere Aldi-Zentrallager

Landwirte haben in der Nacht auf Montag vor mehreren Aldi-Zentrallagern in Bayern gegen die Preispolitik des Discounters protestiert. Die größte Blockade-Aktion fand in Regenstauf im Landkreis Regensburg statt.

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Von
  • Marcel Kehrer
  • Annette Kugler
  • Norbert Steiche
  • Christine Kellermann

Rund 300 Landwirte aus der weiteren Umgebung sind in der Nacht auf Montag vor dem Aldi-Zentrallager in Regenstauf im Landkreis Regensburg vorgefahren. Mit ihren Traktoren verengten sie die Zufahrtsstraße zu dem Lager. Zudem stellten sie sich in einer Gruppe vor der Ausfahrt des Lagers auf.

Blockade-Aktion auch in Helmstadt und Geisenfeld

Auch in Geisenfeld im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm haben Landwirte in der Nacht vor dem dortigen Aldi-Zentrallager demonstriert. Laut Polizeipräsidium Oberbayern Nord waren dort rund 50 Personen mit 25 Traktoren. Sie blockierten zwischen 23.45 Uhr und 2.15 Uhr die Zufahrt zum Zentrallager am nördlichen Ortsrand. Die Demonstration sei friedlich verlaufen - ohne Zwischenfälle oder nächtliche Verkehrsbehinderungen, so ein Polizeisprecher.

Mit rund 80 Traktoren haben Landwirte aus Nordbayern und Baden-Württemberg bereits am Sonntagnachmittag das Aldi-Zentrallager in Helmstadt im Landkreis Würzburg blockiert. Mit der Aktion wollen die Landwirte erreichen, dass der Handel für ihre Milch-, Gemüse- oder Fleischprodukte kostendeckende Preise bezahlt.

40 Traktoren in Altenstadt (Iller)

In Schwaben protestierten am Sonntagabend Landwirte vor dem Zentrallager von Aldi in Altenstadt an der Iller (Landkreis Neu-Ulm). Nach Angaben der Polizei kamen hier rund 60 Personen und etwa 40 Traktoren zu einer Spontanversammmlung zusammen. Sie sorgten ab 16 Uhr für Verzögerungen bei der An- und Auslieferung.

Verantwortliche der Firma zeigten sich gesprächsbereit, so dass es zu einem Austausch mit den Landwirten kam. Im Lauf des Abends soll es zu einem Sit-In vor dem Tor des Zentrallagers gekommen sein. Gegen 1 Uhr in der Nacht zogen nach Polizeiangaben die letzten Protestteilnehmer ab.

Protest gegen Preispolitik des Handels

Mit der Protestaktion wollten die Landwirte nach eigenen Angaben gegen die Preispolitik des Discounters und den Umgang des Handels mit der Landwirtschaft demonstrieren. Sie warfen Aldi vor, einerseits die höchsten Standards zu verlangen, andererseits aber "billigstes Fleisch aus anderen Ländern" zu importieren, um die Preise zu drücken. Die Importe widersprächen auch dem Vorwurf an die Landwirtschaft, zu viel zu produzieren. Milchbauern würden immer neue Auflagen gemacht, die sie dann zu Weltmarktpreisen erfüllen sollten.

"Wir stehen mit dem Rücken an der Wand, es gibt immer nur leere Versprechungen." Landwirt bei der Protestaktion in Regenstauf

Die Landwirte forderten ein langfristiges Konzept, um die Zukunft der Landwirtschaft zu sichern. "Wenn ein Land sich nicht mehr selber versorgen kann, ist auch der Frieden gefährdet", mahnte eine Landwirtin aus dem Landkreis Cham.

Protestaktion in Regenstauf dauerte rund drei Stunden

Zu Gesprächen mit Vertretern von Aldi sei es nicht gekommen, kritisierten die Landwirte. Gegen drei Uhr bat die Polizei darum, die Protestaktion zu beenden. Sie dauerte rund drei Stunden und endete laut Polizei störungsfrei. Den Beamten zufolge waren etwa 300 Landwirte vor Ort.

Bereits seit Freitag haben Landwirte in Bayern mehrere Zentrallager vor Supermarktketten blockiert, um gegen die aus ihrer Sicht zu niedrigen Fleischpreise zu protestieren. In der vergangenen Woche hatte es ähnliche Proteste an Zentrallagern von Edeka gegeben, beispielsweise in Straubing und Gochsheim.

Aldi kündigt Gespräche mit Landwirten an

Aldi betonte in einer Mitteilung, man bekenne sich zu fairen Handelspraktiken im Umgang mit Lieferanten, Herstellern und Landwirten. Das Unternehmen sagte zu, zeitnah mit Bauernvertretern Gespräche zu führen. Dies könne die Idee eines "FairTrades für die heimische Landwirtschaft" sein, genauso wie die Förderung der deutschen Landwirtschaft durch flächendeckende, angemessene Bezahlung bei höheren Qualitätsstandards.

"Dazu sollten alle Beteiligten der Wertschöpfungskette an den Tisch geholt werden, um einen für die Landwirtschaft positiven Strukturwandel konstruktiv und partnerschaftlich zu begleiten", sagte Jens Ritschel, Verwaltungsrat bei Aldi Süd. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) habe zugesagt, diese Gespräche zu organisieren und zu moderieren.

Markus Dicker, Verwaltungsratsbevollmächtigter von ALDI Nord, betonte, seine Firma unterstützte "aus vollster Überzeugung den Vorschlag des Bundeslandwirtschaftsministeriums für einen freiwilligen Verhaltenskodex für die gesamte Wertschöpfungskette - vom Landwirt über die verarbeitende Industrie bis zum Handel." Aldi werde sich an der inhaltlichen Ausgestaltung eines solchen Kodex aktiv beteiligen.

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