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Extinction Rebellion-Aktivist in der Siemens-Zentrale in München

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    Protest: Umwelt-Aktivist klebt sich an Siemens-Konzernzentrale

    Gegen die Beteiligung von Siemens an einem umstrittenen Steinkohleprojekt in Australien hat heute ein Aktivist der Klimaschutzgruppe "Extinction Rebellion" protestiert. Er klebte sich kurzerhand an die Firmenzentrale.

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    Von
    • Giordana Marsilio

    Die Hand klebt am Glasfenster im Foyer der Siemens-Zentrale in der Münchner Innenstadt. Neben der Hand ein Schild. Darauf steht: "friedlich festgeklebt". Die Hand gehört Thomas Nier, Aktivist der Klimaschutzghruppe "Extinction Rebellion". Sein Vorhaben: Drei Stunden dort angeklebt bleiben. Seine Motivation beschreibt der 38-jährige Aktivist so: "Wir wollen nicht gegen etwas protestieren, sondern für etwas, für die Umwelt."

    Ziel der Aktivistinnen: Handeln, bevor es zu spät ist

    Eigentlich sollte die Protestaktion um 11.59 Uhr starten. "Das symbolisiert die eine Minute, die wir noch haben, etwas zu unternehmen, bevor es zu spät ist", erklärt Thomas Nier. Denn genau das ist der Standpunkt von "Extinction Rebellion": Die Erderhitzung komme auf uns zu, aber wir können noch etwas tun und handeln, denn "wenn es schon zu spät für die Umwelt wäre, wäre ich kein Aktivist", sagt Nier entschlossen.

    Klimaschutz in Bayern: Um welchen Preis? Darüber diskutiert die Münchner Runde am Mittwoch, 12. Mai, um 20:15 Uhr im BR Fernsehen und auch live auf br24.de. Als Gäste werden unter anderem der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber und die Extinction Rebellion-Aktivistin Annemarie Botzki dabei sein.

    Aktion wird live im Internet übertragen

    Letztendlich beginnt die Aktion mit etwas Verspätung erst um kurz nach 12 Uhr, als Thomas Nier das Siemens-Gebäude betritt und seine linke Hand mit Sekundenkleber an eine Fensterscheibe klebt. Die Protestaktion wird per Live-Stream auf der Facebook-Seite von "Extinction Rebellion Deutschland" übertragen. Der Titel des Streams: "Glue on TV". Während der Übertragung erläutert der Aktivist die Beweggründe seiner Aktion: Die Geschäfte der Siemens AG mit der indischen Adani-Group bei einer Steinkohlemine in Australien.

    Kritik an den Geschäften von Siemens

    2019 gab Siemens bekannt, die Signaltechnik für eine Zugstrecke zu liefern, über die Kohle von der Carmichael-Mine bis zum Hafen transportiert werden soll. Die Mine im australischen Galilee-Becken ist eine der größten Steinkohleminen der Welt. Bereits Anfang 2020 gab es deshalb massive Proteste von Klimaschutzgruppen gegen die Beteiligung von Siemens an dem Projekt zum Abbau fossiler Energieträger.

    "Extinction Rebellion" ist zudem der Meinung, die Adani-Group und von ihr beauftragte Subunternehmen hätten gegen Umweltauflagen verstoßen. Diese Verstöße böten der Siemens AG nun eine Rechtsgrundlage, um aus dem Vertrag mit Adani auszusteigen. Dies hatte der damalige Siemens-CEO Joe Kaeser 2020 in einem Statement behauptet. Extinction Rebellion fordert nun von Siemens, sich öffentlich zu den mutmaßlichen Umweltverstößen von Adani zu äußern und das Projekt zu beenden.

    Siemens hält an Projekt fest

    Noch während die Protestaktion im Foyer der Zentrale läuft, erreicht den BR eine Stellungnahme der Konzern-Pressestelle. Demnach habe man die möglichen Umweltverstöße von Adani bereits geprüft und sei zu dem Schluss gekommen, dass "diese Angelegenheit für Siemens keine rechtliche Grundlage für einen Rückzug aus dem Projekt darstellt".

    Ob diese Stellungnahme "Extinction Rebellion" reichen wird, bleibt zu bezweifeln. Eher sind wohl weitere Protestaktionen zu erwarten. Siemens ist immer wieder das Ziel von Protestaktionen von Klima- und Umweltschützern und geht deshalb mittlerweile relativ gelassen mit Protestierern um: "Solange man friedlich protestiert und niemanden stört, dulden wir das. Anders wäre es, wenn Protestierende Menschen angreifen oder den Betrieb stören würden, aber das ist hier ja nicht der Fall", so ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes.

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