BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Projekt zum klimagerechten Waldumbau bei Landsberg gestartet | BR24

© BR / Florian Regensburger
Bildrechte: BR / Florian Regensburger

Die Dendrometer messen alle 30 Minuten den Umfang der Bäume im Mikrometerbereich.

1
Per Mail sharen

    Projekt zum klimagerechten Waldumbau bei Landsberg gestartet

    Nadelwälder könnten den immer wärmeren Sommern bald nicht mehr standhalten. Ein Forschungsprojekt bei Landsberg will nun zeigen, wie der Wald der Zukunft aussehen müsste. Die Ergebnisse sollen eine Blaupause für den Waldumbau in ganz Europa sein.

    1
    Per Mail sharen
    Von
    • Florian Regensburger

    Ein Team um Projektleiter Ludwig Pertl hat damit begonnen, Wachstumssensoren an Bäumen im Landkreis Landsberg anzubringen. Insgesamt 37 dieser sogenannten "Dendrometer" werden bis September an verschiedenen Baumarten, in mehreren Waldgebieten unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit, Daten sammeln.

    Baumumfang wird alle 30 Minuten gemessen

    Im 30-Minuten-Takt ermitteln die Geräte den genauen Umfang eines Baumstammes. Durch Messungen im Mikrometerbereich entsteht so ein sehr genaues Bild auch davon, zu welchen Tages- und Nachtzeiten die Bäume jeweils wachsen. Am Ende des von der EU geförderten Projekts "Future Forest" sollen Erkenntnisse stehen, welche Baumarten unter welchen Bedingungen jeweils am besten gedeihen.

    Nadelbäume weichen Laubbäumen

    Nadelbäume wie die Fichte haben in diesen Breiten keine große Zukunft mehr, ist Pertl, der 40 Jahre lang Förster war, überzeugt. Bei Scheuring, wo Pertls Team mehrere Sensoren in einem Auwald des Lechs angebracht hat, habe man in der Vergangenheit bereits zeigen können, dass Laubbäume wie die Esche oder der Spitzahorn bei steigenden Temperaturen deutlich besser gedeihen würden.

    Da sie mit rund 70 Zentimetern deutlich tiefer wurzelten als etwa die Fichte mit gerade mal 30 Zentimetern, könnten sie mehr Wasser aufnehmen und auch wieder verdunsten, was im Sommer für kühlere Luft sorge. Außerdem seien sie dadurch weniger anfällig für den Borkenkäfer und absorbierten zusätzlich mehr Feinstaub.

    Gemeinde Scheuring unterstützt Waldumbau

    Es gehe beim klimaangepassten Waldumbau auch um Lebensqualität für die Bevölkerung, sagte der Scheuringer Bürgermeister Konrad Maisterl (parteilos), der beim Ausbringen der Dendrometer ebenfalls dabei war. Auf den rund 80 Hektar Wald im Gemeindebesitz unterstütze Scheuring deshalb den Waldumbau in Richtung mehr Laubwald.

    Eine Milliarde neuer Regenwürmer

    Eine Schlüsselrolle dabei spielen laut Pertl der Waldboden – und die Regenwürmer. Sie kämen automatisch mit den Laubbäumen, sorgten für Auflockerung, Belüftung und Durchmischung des Bodens und damit für eine stärkere Schicht lebendigen Humusbodens. Von dieser könnten die Bäume in Trockenperioden deutlich länger zehren, als vom ausgezehrten Boden in vielen Nadelwäldern, auf die man in den vergangenen mehr als 100 Jahren in der Forstwirtschaft aus Ertragsgründen hauptsächlich gesetzt habe.

    Ziel sei es nun, mittelfristig rund eine Milliarde zusätzlicher Regenwürmer im Landkreis Landsberg anzusiedeln. 10.000 Hektar Wald sollen hier durch Aufforstungsmaßnahmen mit verschiedenen Laubhölzern in den nächsten drei Jahren im Rahmen von "Future Forest" an sich ändernde klimatische Bedingungen angepasst werden.

    Handbuch für den Waldumbau entsteht

    Im Dezember hatten der Landkreis, die Stadt Landsberg sowie die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf als Projektpartner einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet. Rund die Hälfte der Kosten von 1,5 Millionen Euro erhält die Region aus dem Förderprogramm LIFE der Europäischen Union.

    Die Ergebnisse aus dem Modellprojekt sollen in Form eines Handbuchs für Waldbesitzer, Behörden und Politik, EU-weit zur Verfügung gestellt werden - als Blaupause für einen robusten, nachhaltigen Wald, der in Zeiten immer heißerer Sommer bestehen kann.

    © BR / Florian Regensburger
    Bildrechte: BR / Florian Regensburger

    Gemeindearbeiter K. Neumair, Bürgermeister K. Maisterl, wissenschaftlicher Mitarbeiter D. Landerer und Projektleiter L. Pertl im Lechauwald.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!