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Holz ist knapp, die Preise steigen. Doch wer profitiert davon?

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Profitieren Waldbesitzer von den hohen Holzpreisen?

Holz ist aktuell Mangelware. Viel bayerisches Holz geht in den Export nach Amerika und China. Zimmerer und Schreiner schlagen Alarm, sie klagen über Lieferengpässe und lange Wartezeiten. Der Preis für Schnittholz steigt. Doch wer profitiert davon?

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Von
  • Julia Haas

Während die Preise für Schnittholz stark gestiegen sind, bleibt bei den Waldbesitzern verhältnismäßig wenig hängen. Das kritisiert auch Waldbesitzer Peter Erhard aus Aindling im Landkreis Aichach-Friedberg. Der Preis für Frischholz, also Stämme direkt aus dem Wald, ist seit dem vergangenen Herbst gerade mal um zehn Euro gestiegen. Pro Festmeter gibt es aktuell 80 Euro.

Für Erhard ist das zu wenig. Im Verhältnis zu dem, was die Sägewerke für Schnittholz bekommen, sei das einfach kein guter Preis. Die Schere klaffe immer weiter auseinander. Er drängt darauf, dass die Sägeindustrie den Waldbesitzern weiter entgegenkommt. "Damit der Preis für alle passt", so Erhard.

Weniger Einschlag durch Preisschere

Wegen des Preises hat er in seinem Wald diesen Winter knapp 80 Prozent weniger eingeschlagen - wie viele Waldbesitzer. Die letzten Jahre war der Preis für Holz komplett im Keller, es war einfach viel zu viel Holz auf dem Markt.

Vor allem Schadholz - durch Trockenheit, den Borkenkäfer und Stürme. 50 Euro gab es in den vergangenen Jahren im Schnitt für den Festmeter Frischholz, für Käferholz oft nur 25 Euro. Die Waldbesitzer hoffen deshalb nun auf weitere Preissteigerungen.

Sägeindustrie fährt Gewinne ein

Den größten Profit macht gerade eindeutig die Sägeindustrie. Sie verdient gut am Export von verarbeitetem Schnittholz. Die Festmeterpreise liegen um ein Vielfaches über dem, was Waldbauer Erhard für sein Frischholz bekommt. Gleichzeitig verärgert der auch durch den Export entstehende Holzmangel die heimischen Zimmerer und Schreiner.

Längere Lieferzeiten bei den Sägern

Nicht weit weg von Erhard, in Unterbernbach, steht eines der Sägewerke der Pfeifer Group. Geschäftsführer Michael Pfeifer bestätigt, dass es derzeit bei Holzbau-Produkten zu längeren Lieferzeiten von etwa vier bis sechs Wochen kommt. Es müsse länger vorgeplant werden.

Viele Kunden hätten Panik, dass sie ihre Aufträge nicht erfüllen könnten - und bestellten vermehrt. Statt der üblichen drei Ladungen, werden dann oft gleich sechs bestellt, was die Situation ebenfalls erschwere.

Holzmarkt unter Druck

Auf dem Holzmarkt kommen gerade verschiedene Faktoren zusammen. In Deutschland und auch Tschechien haben die Waldbauern momentan wenig Interesse daran, nach den Jahren mit schlechten Preisen großflächig Holz einzuschlagen. Auch Winterstürme gab es kaum, es fiel also weniger Holz an. Der Bedarf zum Beispiel für Holzbau im Land ist aber gewachsen. Dazu kommt jetzt noch der vermehrte Export in die USA.

Export in die USA steigt

Pfeifer bestätigt, dass es einige Betriebe gebe, die viel mehr Holz in die USA verkauft hätten. Nicht aber der Sägebetrieb Pfeifer. "Wir verkaufen unsere Produkte vor allem in Deutschland", so der Geschäftsführer. Er schätzt, dass es auf dem Holzmarkt mindestens bis zum Sommer zu längeren Lieferzeiten kommen wird.

Holzbranche ist aufeinander angewiesen

Bernhard Breitsameter von der Waldbesitzervereinigung Aichach kennt die Lage der Waldbesitzer und Säger. Regionalität, hier gepflanzt, hier geschnitten, hier verbaut, sei derzeit ein allgemeines Ziel. Aber: Auch der Export sei wichtig.

"Wenn in einer Woche ein starker Sturm ist, dann sind wir um jeden Kubikmeter wieder froh, der in den Export geht, weil der einheimische Markt das Überangebot nicht aufnehmen kann." Es sei ein Miteinander: Sägewerke, Schreiner und Waldbesitzer säßen im selben Boot.

Preis unterliegt Schwankungen

Breitsameter vermutet, dass die guten Exportpreise auch wieder sinken und dann auch wieder mehr Holz im Inland bleiben wird. Und der Holzmarkt an sich sei auch immer Schwankungen unterworfen. Stürme und Borkenkäfer könnten sich auch dieses Jahr noch auf den Preis auswirken.

Wenn das aber nicht passiert und die Waldbesitzer mehr Frischholz aufarbeiten sollen, kann das wohl nur ein höherer Preis bewirken.

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Holz ist Mangelware. Viel bayerisches Holz geht in den Export nach Amerika und China, gleichzeitig haben die Waldbesitzer diesen Winter weniger eingeschlagen. Zimmerer und Schreiner schlagen Alarm, sie klagen über Lieferengpässe und Wartezeiten.

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