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"Problem-Hund" durch Corona: Fränkische Tierheime schlagen Alarm | BR24

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Im Lockdown haben sich viele Menschen einen Hund zugelegt. So ein Vierbeiner muss erzogen werden. Aber Hundeschulen können nur Online-Unterricht anbieten und beim Tierheim Nürnberg laufen bereits jetzt vermehrt Anfragen zur Abgabe der Hunde ein.

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"Problem-Hund" durch Corona: Fränkische Tierheime schlagen Alarm

Seit Wochen mehren sich die Anfragen von Besitzern junger Hunde, die ihre Tiere gerne im Tierheim abgeben möchten, weil sie mit ihnen nicht mehr zurechtkommen. Welpen-Schule und professionelles Hundetraining sind coronabedingt derzeit nicht erlaubt.

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Von
  • Patricia Reichel

Im Lockdown haben sich viele einen Hund angeschafft, oft auch einen jungen. Jetzt kommen sie mit ihren Vierbeinern nicht zurecht, können sie aber auch nicht trainieren, weil auch die Hundeschulen geschlossen sind. Die Leidtragenden sind dann häufig die Hunde, die ins Tierheim abgegeben werden sollen. Diese Erfahrungen teilen auch das Tierheim und eine Hundeschule in Nürnberg.

Online-Hundetraining als Notlösung

Hundetrainerin Angela Koch von der Advo-Canis Hundeschule in Nürnberg ist verärgert. Viele, die sich im Lockdown einen jungen Hund angeschafft haben, bräuchten dringend ihre Hilfe bei der Erziehung. Doch die darf derzeit nur online stattfinden. Per Handy-Video macht sie den Hundebesitzern Übungen und Kommandos vor, die diese dann nachmachen müssen. Eine Notlösung, die das direkte Training nicht ersetzen kann. Denn Welpenschule, Gruppen- oder Einzeltraining mit Hundetrainer sind selbst im Freien während Corona verboten. Die Folgen seien gravierend so die Hundetrainerin.

Eine Generation von "Problem-Hunden“

Wenn Welpen in der sogenannten "Beißphase" sind, brauchen sie Kontakt zu anderen Hunden. Denn gerade im Spiel lernen junge Hunde ganz natürlich ihren Beißdrang zu kontrollieren, weil der andere Hund Rückmeldung gibt, wenn er zum Beispiel nicht ins Ohr gebissen werden will.

"Wenn Welpen, wie jetzt im Lockdown, so gar nichts erleben dürfen mit anderen Hunden und es kein Gruppen- oder Einzeltraining gibt, ziehen wir uns – ich sag's mal vorsichtig – eine Generation von Problemhunden heran. Ich erlebe zunehmend junge, zum Teil sehr aggressive Hunde." Angela Koch, Advo-Canis Hundeschule Nürnberg.

Schon jetzt betreut Angela Koch Hunde aus dem ersten Lockdown, die schon wieder abgegeben wurden, weil die Besitzer völlig überfordert waren mit der Erziehung.

Trauriger Trend: Tierheimen droht "Rückgabe-Welle"

Viele Menschen haben sich im Lockdown den Traum vom eigenen Hund erfüllt. Das Nürnberger Tierheim rechnet mit einer "Rückgabe-Welle" in den kommenden Monaten. Schon jetzt gibt es die ersten Anfragen von überforderten Hundebesitzern, die ihre Tiere dorthin abgeben möchten. Viele hätten sich Hunderassen zugelegt, die für Ersthundebesitzer gar nicht geeignet seien, so Tanja Schnabel, Leiterin des Nürnberger Tierheims.

"Wir haben die Befürchtung, dass da wirklich viele, viele Hunde mit massiven Verhaltensproblemen zurückkommen, die man dann alle erstmal wieder so hintrainieren müsste, damit sie überhaupt vermittelbar sind." Tanja Schnabel, Leiterin Nürnberger Tierheim

Hundeschulen gelten als Schulen

Für Hunde und Halter mit Problemen hofft Hundetrainerin Angela Koch bald wieder "echtes" Hundetraining im Freien anbieten zu dürfen. Hundeschulen würden in Corona-Zeiten behandelt wie Schulen. Unterricht für Hunde, egal ob in der Gruppe oder einzeln, ist derzeit nur online erlaubt. Hundetrainer und Tierheime fordern schon lange die Lockerung dieser starren Regelung. So manches traurige Hunde-Schicksal ließe sich mit professioneller Hilfe und Training wohl vermeiden.

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