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Pro und Contra: Längere Öffnungszeiten in Bayern? | BR24

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Längere Ladenöffnungszeiten? Pro und Contra

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Pro und Contra: Längere Öffnungszeiten in Bayern?

Der Landtag diskutiert heute über die Frage, ob die Ladenöffnungszeiten in Bayern an Werktagen liberalisiert werden sollten. In anderen Bundesländern ist dies bereits der Fall. Was spricht dafür, was dagegen? Zwei BR-Autoren, zwei Meinungen.

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PRO: "Die 20-Uhr-Grenze ist nicht mehr zeitgemäß"

Niemand fordert, dass alle Läden in Bayern künftig werktags bis Mitternacht oder gar rund um die Uhr geöffnet sein müssen. Aber die aktuell geltende Grenze von 20 Uhr ist nicht mehr zeitgemäß. Denn viele Läden sind durch den Online-Handel unter Druck geraten. Durch längere Öffnungszeiten hätten sie bessere Chancen in diesem harten Konkurrenzkampf. Dazu kommt: In Städten wie München (aber auch anderswo) kommen viele Menschen erst spät aus dem Büro - längere Öffnungszeiten würden ihren Alltag deutlich erleichtern.

Kleinere Geschäfte kämen in zusätzliche Schwierigkeiten - das ist ein häufig gehörtes Argument gegen die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten. Richtig ist: Kein Inhaber würde gezwungen, länger zu öffnen - hätte aber die Möglichkeit dazu. Und wer als Kunde bisher schon lieber beim Metzger, Bäcker oder Gemüsehändler um die Ecke einkauft, würde das auch weiterhin tun und nicht plötzlich zum Discounter rennen.

Dass die Angestellten im Einzelhandel bei flexibleren Öffnungszeiten über Gebühr leiden würden, ist auch nicht gesagt. Denn zum einen gilt die gesetzliche Höchstarbeitszeit weiterhin. Und zum anderen könnten in Supermärkten zusätzliche Nebenjobs entstehen, etwa für Studierende.

Höchste Zeit also, auch in Bayern die Möglichkeit zu schaffen, dass Läden länger öffnen können. Warum nicht auf Zeit flexible Öffnungszeiten ermöglichen – und nach einem Jahr mit allen relevanten Beteiligten ergebnisoffen eine Bewertung vornehmen? Runde Tische sind schließlich derzeit das wohl am meisten angesagte Möbelstück der bayerischen Politik.

Autor: Maximilian Heim, BR Landespolitik

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Bayerns Ladenöffnungszeiten beschäftigen heute die Abgeordneten des Landtags bei der letzten Plenarsitzung vor den Ferien. Die FDP fordert klarere Regelungen und will, dass Läden länger als bis 20 Uhr geöffnet haben können.

CONTRA: "Schlecht für Verbraucher und Gesellschaft"

Viele Supermärkte in Bayern haben an sechs Tagen die Woche von 7 Uhr bis 20 Uhr geöffnet. Es mag, in seltenen Fällen, persönliche oder berufliche Umstände geben, die es unmöglich machen, in dieser Zeit einzukaufen. Für diese Menschen bieten Supermärkte, zum Teil auch auf dem Land, einen Lieferservice an. Allen anderen ist es zuzumuten, dass sie ihre Lebensmitteleinkäufe bis 20 Uhr erledigt haben. Für sonstige Einkäufe hat sich ohnehin zumindest zum Teil das Internet etabliert.

Welche Folgen hätte eine Flexibilisierung? Vor allem die Branchenriesen würden längere Öffnungszeiten anbieten. Da die Menschen in der Summe aber nicht mehr einkaufen, weil die Läden länger offen haben, würde das kleine Supermärkte noch mehr unter Druck setzen.

Und was bedeutet das für die Arbeitnehmer? Studierende freuen sich vielleicht über eine Spätschicht. Doch im Supermarkt arbeiten auch Menschen, die Familie haben, ältere Menschen, die Schichtarbeit belastet. Auch sie wären dann gezwungen, in Spätschichten zu arbeiten.

Es muss bei der bestehenden Regelung bleiben. Das klingt konservativ und das ist es auch. Es gibt nämlich wichtige Dinge zu erhalten: kleine Supermärkte, Ruhezeiten für Verbraucher und einigermaßen vertretbare Arbeitszeiten für diejenigen, die im Einzelhandel arbeiten.

Autorin: Eva Lell, BR Landespolitik