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Rassismus-Diskussion: Coburger Mohr als Marke? | BR24

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BR-Korrespondent Richard Krill erklärt in Sendung "Mittags in Franken" auf Bayern1, was es mit dem Patent des Coburger Mohren auf sich hat. Das Foto zeigt Antragsteller Detlef Beil.

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Rassismus-Diskussion: Coburger Mohr als Marke?

Das Coburger Stadtwappen sorgt weiter für Diskussionen. Inzwischen haben zwei Privatpersonen eine überarbeitete Version des Coburger Mohren angefertigt – und das Symbol beim Patentamt angemeldet. Die Stadt zeigt sich überrascht.

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Zwei Privatleute in Coburg haben eine überarbeitete Version des Coburger Mohren im Stadtwappen und den Begriff "Coburger Mohr" als Bild- und Wortmarke beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldet.

Angemeldetes Patent: Stadt Coburg nicht informiert

Von diesem Vorgehen habe die Stadt Coburg allerdings nichts gewusst, sagte Stadtsprecher Louay Yassin dem BR. Die beiden Antragssteller, Detlef Beil und Stefan Gruber, haben bei der Vorstellung ihres Entwurfs auch die Gründe für die Markeneintragung erläutert. Man habe sich in den letzten Wochen maßlos über die Diskussion über den Coburger Mohr als Stadtwappen geärgert, sagte Beil im Gespräch mit dem BR.

Coburger Bürger fühlen sich verunsichert

Viele Coburger hätten sich beschuldigt gefühlt, latent rassistisch zu sein. Das habe zu einer Verunsicherung geführt, ergänzte Gruber. Deshalb habe man sich dazu entschieden, die Kritik einer Online-Petition an der stereotypen Darstellungsweise des Coburger Mohr aufzunehmen und eine modernere Version zu entwerfen.

Moderne Version hat dünnere Lippen und kleineren Ohrring

Diese Version habe etwas dünnere Lippen, einen kleineren Ohrring und eine weniger hohe Stirn. Dazu sei das Gesicht feiner gezeichnet. Man wolle den Coburgern eine moderne Version des Wappens zur Verfügung stellen. Das geschehe ohne kommerzielle Hintergedanken, sagte Beil, der eine Werbeagentur betreibt. Vereine, Institutionen, Gewerbetreibende oder auch die Stadt Coburg könnten das Logo bei Bedarf kostenlos übernehmen.

Patent ist noch nicht bestätigt

Die Eintragung der Bild- und Wortmarke ist noch nicht bestätigt. Auf BR-Anfrage heißt es von Louay Yassin, Pressesprecher der Stadt Coburg, da man über die Präsentation nicht informiert wurde, könne die Stadt Coburg natürlich keine Stellung beziehen. Das Stadtwappen sei rechtlich geschützt. Ob in diesem Fall Rechte der Stadt Coburg tangiert würden, müsse bei Bedarf eine rechtliche Prüfung klären.

Tod von George Floyd stößt Rassismus-Debatte an

Auslöser für die Debatte um den Coburger Mohren war der Tod von George Floyd. Die Ermordung des US-Amerikaners hat weltweit zu Protesten und einer breiten Rassismus-Debatte geführt. Neben Diskussionen um Straßennamen, in denen die von vielen als abwertend empfundene Bezeichnung "Mohr" vorkommt, stand in Oberfranken neben der Bayreuther Mohrenapotheke auch das Stadtwappen von Coburg, der sogenannte "Coburger Mohr", auf dem Prüfstand.

Wappen zeigt Afrikaner nach alten Vorstellungen

Dieses Stadtwappen zeigt ein Abbild, wie man sich in grauer Vorzeit im Mittelalter nicht nur in Coburg einen Afrikaner vorstellte: krauses Haar, volle Lippen und großer Ohrschmuck. Seit mehr als 100 Jahren trägt die Stadt ihren Coburger Mohren im Stadtwappen. Er ist der legendäre Schutzpatron der Stadt: Im dritten Jahrhundert, zur Zeit des Römischen Reichs, war Mauritius General einer ägyptischen Legion. Mit dieser wurde er in die Schweiz gerufen, um einen Aufstand zu unterdrücken. Als er den römischen Göttern huldigen sollte, weigerten er und seine Männer sich, da sie Christen waren – und Mauritius wurde enthauptet. So wurde er fortan als Märtyrer verehrt – auch in Coburg.

Petition will Änderung des Coburger Stadtwappens

Aber so wie im Wappen dargestellt, kann Mauritius kaum ausgesehen haben. Allein schon, weil er aus Mauretanien stammte, also aus dem nordwestlichen Afrika. Diese vollkommen falsche Darstellung stört Juliane Reuther, die deshalb eine Petition zur Änderung des Wappens gestartet hat, besonders. Reuther will den Mohren gar nicht aus dem Wappen entfernen. Sie fordert aber eine authentische Darstellung.

"Man kann davon ausgehen, dass die Künstler des Mittelalters gesagt haben: Okay, Mauritius ist aus Afrika, deswegen stellen wir ihn als diesen Stereotyp dar, obwohl der Mann selbst wahrscheinlich überhaupt nicht so ausgesehen hat. Ich frage mich, warum kann man sich von diesem Bildnis dann nicht trennen?" Juliane Reuther, Initiatorin der Petition gegen den Coburger Mohren

Petition: Das Wort Mohr wirkt diskriminierend

Das Wappen symbolisiere einen Mauren, also einen Mann aus der früheren nordafrikanischen Region Mauretanien, auf den das mittelhochdeutsche Wort "Mor" schließlich zurückgehe. So heißt es in der Beschreibung der Petition.

Die Kritik gilt dabei nicht nur der Darstellung, sondern auch dem Begriff: "Das Wort Mohr wird von schwarzen Menschen als eine Art Pendant zum N-Wort erfahren. Es wirkt diskriminierend, traumatisierend und erniedrigend. Das Wort 'Mohr' war nie neutral. Es ging immer auf zwei Worte zurück: Aus dem Griechischen 'Moros', was so viel wie 'töricht' und 'dumm' bedeutet und aus dem Lateinischen 'Maurus', was so viel wie 'afrikanisch', 'schwarz' oder 'dunkel' bedeutet."

Coburger Politiker sieht kein Rassismus-Problem

Die Petition sammelte binnen weniger Tage mehr als 2.000 Unterschriften – stieß aber auch auf Kritik. Coburgers Zweiter Bürgermeister, Hans Herbert-Hartan (CSU), zeigte für die Rassismus-Bedenken wenig Verständnis.

"Was man da hineininterpretieren möchte, ist mit völlig schleierhaft. Im Gegenteil: Wenn ein farbiger Mensch der Schutzpatron einer Stadt ist, dann ist das ja eine Ehre und keine Diskriminierung. Insofern halte ich das für völlig sinnbefreit." Hans Herbert-Hartan (CSU), Zweiter Bürgermeister von Coburg

Gegenpetition plädiert für Erhalt des Coburger Mohren

Neben der Gegenstimme aus dem Rathaus formierte sich wenig später auch eine Gegenpetition, die sich für den Erhalt des Coburger Mohren starkmachte. Für den Initiatoren der Petition wäre es ein schlechter Umgang, wenn dieses historische Zeichen verschwinden würde, erklärte er im Gespräch mit dem BR.

"Angenommen, die Stadt Coburg hätte ein anderes Wappen und würde es heutzutage in einen Mohren ändern, fände ich das falsch." Tobias Schmidt, Initiator der Petition zum Erhalt des Coburger Stadtwappens

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