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Leere Tasche (Symbolbild)

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    Privatpleiten in Bayern steigen um 69 Prozent

    Nach einem Jahr Corona-Krise ist die Zahl der Privatinsolvenzen in Bayern sprunghaft gestiegen. Von Januar bis März meldeten 3.462 Verbraucher Insolvenz an, 69 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das liegt aber nicht nur an der Pandemie.

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    Von
    • BR24 Redaktion
    • Rüdiger Hennl

    Im ersten Quartal des Jahres mussten 3.462 Menschen im Freistaat Privatinsolvenz anmelden. Das waren 69 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Ländervergleich steht der Freistaat aber laut der Wirtschaftsauskunftei "Crifbürgel" mit 26 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner relativ gut da – gefolgt von den Hessen, Thüringern und Baden-Württembergern.

    Nördliche Bundesländer stärker betroffen

    "Die nördlichen Bundesländer sind auch im 1. Quartal 2021 stärker von Privatinsolvenzen betroffen als der Süden Deutschlands", teilte die Auskunftei mit. Am ungünstigsten sei die Lage in Bremen mit 76 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohnern, gefolgt von Hamburg und Niedersachsen.

    Der Anstieg der Privatinsolvenzen fiel in Bayern allerdings stärker aus als im Bundesgebiet insgesamt. Dort nahmen die die Privatpleiten im ersten Quartal um 56,6 Prozent auf 31.821 zu. Zuvor war die Zahl der Privatinsolvenzen in Deutschland zehn Jahre lang gesunken.

    Neben Corona auch Gesetzesreform als Ursache

    Den Zuwachs zu Jahresbeginn führte Crifbürgel-Geschäftsführer Frank Schlein vor allem darauf zurück, dass viele Betroffene eine Gesetzesreform abgewartet hätten: Verbraucher können jetzt einfacher schon nach drei statt bisher sechs Jahren von ihren Restschulden befreit werden. Die Verkürzung gilt rückwirkend auch für Insolvenzverfahren, die ab dem 1. Oktober 2020 beantragt wurden. "Da diese Reform ein großer Vorteil ist, haben viele Antragssteller auf den entsprechenden Beschluss des Bundestages gewartet", erläuterte Schlein.

    Zweite Pleitewelle erwartet

    Die Auskunftei erwartet aber auch für das Gesamtjahr 2021 eine Verdoppelung der Privatpleiten in Deutschland auf bis zu 110.000 Fälle. Für das zweite Halbjahr sei nämlich eine zweite Pleitewelle zu erwarten, die dann definitiv von der Corona-Krise verursacht sei und bis in das Jahr 2022 hineinreichen werde.

    Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie seien nicht nur für Beschäftigte im Niedriglohnbereich existenzbedrohend, sondern auch im mittleren Einkommensbereich zum Beispiel durch Kurzarbeit deutlich spürbar. Auf Dauer führe weniger Einkommen erst in die Überschuldung und dann in die Privatinsolvenz. Die Verbraucher machten vor allem Schulden bei Kreditinstituten, Versandhändlern, Versicherungen, Behörden, Vermietern, Energieversorgern und Telefongesellschaften.

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