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Prinzip "Bruderhahn": Eine Alternative zum Kükentöten | BR24

© picture-alliance/dpa

Beim "Bruderhahn"-Prinzip dürfen männliche Küken neben den weiblichen Küken mit aufwachsen.

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Prinzip "Bruderhahn": Eine Alternative zum Kükentöten

Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet heute, ob das Töten von männlichen Küken weiterhin erlaubt sein soll. Dabei gibt es schon Alternativen: Beim "Bruderhahn"-Konzept dürfen männliche Hühnchen mit aufwachsen. Ein Landshuter Bio-Hof macht es vor.

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Jährlich werden in Deutschland rund 45 Millionen männliche Küken nach der Geburt getötet. Dabei gibt es mehrere Alternativen.

Da ist zunächst die althergebrachte - das sogenannte "Zweinutzungshuhn", bei dem der Gockel nicht gleich getötet, sondern aufgezogen wird, bis er eines Tages als Brathähnchen auf dem Teller landet. Das wäre der bevorzugte Weg der Tierschützer.

Weil das nicht für alle Tiere möglich ist, kommt die zweite Methode ins Spiel: Mithilfe zweier bereits erprobter Verfahren kann das Geschlecht ermittelt werden, bevor das Küken aus dem Ei schlüpft. Statt des männlichen Kükens wird dann der männliche Embryo getötet.

Ein Mittelweg zwischen Wirtschaftlichkeit und Tierwohl ist das "Bruderhahn"-Konzept. Das heißt: Männliche Küken dürfen mit aufwachsen - allerdings auch nur bis zum Alter von etwa 17 Wochen. Dann werden auch die Bruderhähne geschlachtet.

Normalerweise leben Gockel nur wenige Sekunden

Auf einem Bio-Hof in Pfarrkofen bei Landshut wird das Konzept bereits gelebt - und zwar schon seit sieben Jahren, erzählt Landwirt Grosser:

"Hier in diesem Kükenaufzucht-Stall dürfen männliche und weibliche Küken gemeinsam groß werden und haben hier ein wunderbares Leben. Und wenn sie groß genug sind, dann werden sie geschlachtet." Franz Grosser, Bio-Landwirt

Normalerweise ereilt das männliche Küken der Tod wesentlich früher. Sie werden vergast, wenige Stunden nachdem sie aus dem Ei geschlüpft sind. Der Grund: Als Gockel würden sie nicht genug Fleisch ansetzen. Ihre Aufzucht lohnt sich daher für die Mastbetriebe nicht.

Auch den männlichen Küken ein Leben geben

Für den Bio-Landwirt ist die gemeinsame Aufzucht nach dem "Bruderhahn"-Prinzip jedoch selbstverständlich.

"In unserer arbeitsteiligen Welt habe ich den Auftrag von dem Kunden, mit den Tieren gut umzugehen. Das ist ein wunderbares Gefühl, wenn ich weiß, dass von diesen Hühnern die Brüder ein schönes Leben gehabt haben. Da kann ich dann mit Genuss ein Frühstücksei essen." Franz Grosser, Bio-Landwirt

Kritik von Tierschutzorganisaton Peta

Die Tierschutzorganisation Peta nennt das Projekt allerdings eine "Verbrauchertäuschung". Der Tod der Tiere werde lediglich kurz hinausgezögert. Zum Teil würden die Bruderhähne bereits nach neun Wochen im Schlachthof landen, heißt es dort.

Kükentöten aus Kostengründen

Der Bio-Hof in Pfarrkofen ist einer der wenigen Mastbetriebe in Bayern, die auf das Kükentöten verzichten. Dass andere Bauern das tun, will Grosser aber nicht verurteilen.

"Die Industrialisierung hat bei den Geflügelhaltern Einzug genommen. Dann war das einfach ein Kostendruck. Die Bauern und die Landwirtschaft mussten sparen, sparen und immer billiger produzieren. Und dann ist es ganz normal, dass der Bauer das, was nicht wirtschaftlich ist, weglässt." Franz Grosser, Bio-Landwirt

Vier Cent pro Ei für die Bruderhähne

Für die zusätzliche Aufzucht der männlichen Küken braucht es mehr Platz, mehr Futter. Gewinne macht der Grosserhof damit nicht. Den Großteil der Kosten bezahle der Verbraucher, sagt Grosser. Das müsse seiner Meinung auch so sein - nur dann hätte das Projekt langfristig eine Chance.

Pro Ei muss der Kunde drei bis vier Cent mehr zahlen als bei konventionellen Eiern. Die Hennen finanzieren damit das Weiterleben ihrer Brüder. Für den Verbraucher wird das auf den Eierkartons ersichtlich - hier steht groß: "Schwester-Eier".

Am Ende landen Gockel wie Hennen auf dem Tisch. Aber man weiß: Die männlichen Küken durften bis zu 17 Wochen lang leben - und nicht nur wenige Sekunden.

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