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Prinz Charles in Bayern: Sieben Dinge, die Sie wissen sollten | BR24

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Archivbild: Prinz Charles 1995 in der Münchner Glyptothek

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Prinz Charles in Bayern: Sieben Dinge, die Sie wissen sollten

Staatsakt, Werbetour, Familienbesuch: Was macht der britische Kronprinz in Deutschland? Und was in Bayern? Welche Rolle spielt der Brexit - if it does? Und wie sprechen Sie den Prince of Wales korrekt an, wenn Sie ihm begegnen? BR24 klärt auf.

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Am Dienstag Berlin und die Kanzlerin. Dann Leipzig. Und zum krönenden Abschluss besucht Prinz Charles mit seiner Gattin Camilla am Donnerstag Bayern. Was ist da zu erwarten?

1. Zwischen Staatsakt und Bad in der Menge: Was Großbritanniens Prinzen nach Deutschland führt

Während Deutschland jenseits der Tagespolitik nur den Bundespräsidenten als offiziellen Repräsentanten und "One Man Show" auf Reisen schickt, ist für die Briten gleich eine ganze Großfamilie auf Achse. Nach Queen Elizabeth (2015) und Prinz William mit Gattin Kate (2017) sind 2019 mal wieder Prinz Charles (70) und Camilla, Herzogin von Cornwall (71), unterwegs, um die Kaltfront zwischen Insel und Kontinent anzuwärmen. Advantage: Great Britain - zumindest was die Besuchsfrequenz und die Chance auf hübsche Bilder betrifft.

Um politische Weichenstellungen geht es ausdrücklich nicht - auch wenn Prinz Charles natürlich Vertreter der Republik (Steinmeier, Söder) und der Wirtschaft trifft. Dafür gehören zum Besuchsprogramm neben dem obligatorischen "Bad in der Menge" - in Bayern diesmal am 9. Mai um 14.15 Uhr an der Residenz - meist auch Wechselduschen in der deutschen Realität.

"Der Prinz von Wales und die Herzogin von Cornwall möchten bei allen ihren Auslandsreisen möglichst viele Menschen treffen - gerade auch hier in Deutschland." Aus der Mitteilung der Britischen Botschaft

Auf seinen vergangenen Trips to Germany hat Charles - mal angekündigt, mal spontan - württembergische Metzger und Berliner Friseursalons besucht und im Ostberliner Plattenbau Rotkäppchensekt getrunken. 2019 trifft der Prinz einen oberbayerischen Biobauern, während Camilla Frauen besucht, die Opfer häuslicher Gewalt wurden. Weitere Begegnungen sind nicht ausgeschlossen.

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Sekt oder O-Saft? Prinz Charles zu Besuch auf dem Sofa von Familie Kunz in Berlin-Hellersdorf 1995

2. C + M + B: Charles - München - Bayern

Was war das für ein Auftrieb im Jahr 1965, als Charles' Eltern Elizabeth und Philipp als erste Vertreter des britischen Königshauses überhaupt München besuchten. Nicht nur die Königstreuen waren aus dem Häuschen: Zehntausende Münchner standen Spalier und schwenkten Transparente mit selbstgemalten Sprüchen ("Willkommen Elizabeth! Wo bleiben die Beatles?") 1.300 Trachtler paradierten, die Blaskapelle spielte gleich drei Hymnen - die britische, die deutsche und die bayerische.

20 Jahre nach Kriegsende war der Staatsbesuch in der früheren "Hauptstadt der Bewegung" eine heikle Mission. Der Fachausschuss für Umgangsformen des Tanzlehrerverbands wies vorsichtshalber daraufhin, dass Handküsse ebenso unangebracht seien wie "Heil"-Rufe. Am Ende ging formal wie menschlich alles glatt. Die Queen plauderte mit Paradereiterinnen, Ministerpräsident Goppel erzählte ihr über seine Enkel. Am Ende konnte der junge Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel - wie die Queen Jahrgang 1926 - den Erfolg der Mission feststellen:

"Die Bürger Münchens haben Eurer Majestät einen überaus herzlichen und warmen Empfang bereitet." Hans-Jochen Vogel (1965)

Auch Charles, den Thronfolger, brachten seine mehr als 30 Deutschlandbesuche seit 1962 immer wieder nach Bayern - Anknüpfungspunkte waren für den ausgewiesenen Naturfreund und Bierkenner Charles nicht schwer zu finden. Den wahrscheinlich nachhaltigsten Eindruck hinterließ 1987 seine gemeinsame Reise mit Prinzessin Diana, die ein ähnlich großes Medienecho hervorrief wie Queen Elizabeth 1965.

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November 1987: Charles und Lady Di besuchen München. Vor dem Mittagessen mit Franz von Bayern macht der Prince of Wales einige scherzhafte Bemerkungen in Deutsch zu den Ansprüchen des Hauses Wittelsbach auf den britischen Thron.

3. Unter Löwen: Bayerisch-britische Familienbande

Was den Freistaat und das Vereinigte Königreich verbindet: Beider Wappen sind viergeteilt und voller Löwen. Royale Familienbande spielen bei diesem Besuch jedoch eine untergeordnete Rolle.

Enge verwandschaftliche Beziehungen zwischen dem Königshaus und den Münchner Wittelsbachern gibt es nicht. Eher im Gegenteil: Dass Herzog Franz von Bayern ein Nachfahre des schottisch-englischen Hauses Stuart ist, das vor langer Zeit in England regierte - weshalb einige schottische Nationalisten Franz im Falle einer Abspaltung vom UK schon zu ihrem "King Francis II." machen wollten - stellt eine gewisse Herausforderung für den englischen Humor dar.

Substanzieller sind die englisch-fränkischen Bande. Das Haus Windsor trug bis 1917 den Titel "Sachsen-Coburg und Gotha". Charles ist der Urururgroßenkel von Albert, dem früh verstorbenen Coburger Gatten von Königin Victoria (1819-1901). Der Erste Weltkrieg und mehr noch die NS-Begeisterung von Carl-Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha ließen die Sympathien merklich abkühlen. Dass Albert und Victoria in diesem Jahr beide ihren 200. Geburtstag feiern, weshalb die Coburger ein Festprogramm auf die Beine stellen und sogar ein würdiges A&V-Doppelgängerpaar gewählt haben, wurde von der Queen zwar anerkennend zur Kenntnis genommen - bisher jedoch nicht mit einer Stippvisite geadelt.

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Das Wappen des United Kingdom am Buckingham Palace

4. Im Schlagschatten des Brexit: Die Wirtschaftsbeziehungen

Dass Prinz Charles sich zum Brexit äußert, steht nicht zu erwarten: Tagespolitik ist traditionell nicht Gegenstand royaler Visiten. Gleichwohl werden die Wirtschaftsbeziehungen Thema sein. Schließlich waren die Briten, bevor sie 2016 für den Austritt aus der EU stimmten, mit 8,2 Prozent noch der drittgrößte Exportmarkt für Bayerns Wirtschaft gewesen. Konkret geplant ist ein Treffen des Kronprinzen mit Vertretern von Siemens.

Dass nicht nur Branchenriesen wie Siemens, BMW & Co. auf der Insel vertreten sind, dafür liefert das Königshaus selbst gute Belege. So stammt der Motor für das Prunkschiff der Queen aus Gilching in Oberbayern, etliches Möbelfurnier im Buckingham Palace aus dem unterfränkischen Karlstadt und der vorletzte Weihnachtsbaum des Königshauses aus Coburg.

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Baum aus Bayern, Kugeln aus Thüringen: Der Weihnachtsbaum vor Schloss Windsor 2017

5. "Prince Royal Forever": Das Jobprofil eines Thronfolgers

Ein bisschen sonderbar ist das schon: In einem Alter, in dem seine Landsleute schon fünf Jahre ihre Rente genießen, wartet der Prinz noch immer darauf, dass jene Stelle frei wird, auf die er sich seit seiner Geburt vorbereitet hat. Allerdings ist auch Kronprinz ein Full Time Job.

Zusätzlich zu seiner Existenz als Waldbesitzer und Landwirt, dessen Güter nach BBC-Berechnungen jährlich 30 Millionen Pfund einbringen, nimmt Charles jedes Jahr Hunderte von Terminen für das Königshaus wahr. Sein "Prince's Trust" kümmert sich darum, Jugendliche in schwierigen Umständen durch die Schule und in einen Beruf zu bringen. Der britischen Presse gilt Charles als "härtester Arbeiter im Buckingham Palace". Andererseits verfügt er über zahlreiche Helfer, die ihm den Alltag erleichtern. Angeblich lässt Charles sogar seine Schnürsenkel bügeln.

6. Und wann kommt King Charles III. nach Bayern?

Damit ist in absehbarer Zeit nicht zu rechnen. Die Königin hat eine eiserne Konstitution und einen vorbildlich disziplinierten Lebenswandel (zu dem neben regelmäßigen Medizin-Checks und langen Spaziergängen auch das tägliche Glas Gerstenwasser gehört). Doch auch Nebenerwerbslandwirt Charles lebt gesund und trägt die robusten Gene seiner Eltern Elizabeth (93) und Philipp (97) in sich - es ist also alles andere als unwahrscheinlich, dass er seine Mutter überlebt. Und dann wäre der Prince Royal König.

In der Thronfolge steht er auf Platz eins - vor seinem erstgeborenen Sohn Prinz William, den Enkeln Charlotte, George und Louis und seinem zweiten Sohn Harry. Der britische Autor Mike Bartlett hat bereits 2014 in einem Theaterstück, das auch Vorlage für eine TV-Serie wurde, imaginiert, wie das so werden könnte mit einem "King Charles III.". Charles wird darin als Verteidiger der Demokratie gegen ein unfähiges Unterhaus gezeichnet.

Dass Charles auf seine Thronansprüche verzichten könnte, steht vorerst nicht zu erwarten. Überliefert sind allerdings Überlegungen, statt als Charles III. als George VII. zu regieren. Der Grund: Mit vorangegangenen Karls hat das Königshaus wenig Glück gehabt. Charles I. wurde geköpft, Charles II. machte vor allem durch Frauengeschichten von sich reden.

7. Grüß Gott, Herr Windsor? Die korrekte Anrede - und der vollständige Titel

Sollten Sie dem Prinzen über den Weg laufen: "Your Royal Highness" wäre eine korrekte Anrede. Der vollständige Titel lautet übrigens:

"His Royal Highness The Prince Charles Philip Arthur George, Prince of Wales, Duke of Cornwall and Earl of Chester, Duke of Rothesay, Earl of Carrick, Baron of Renfrew, Lord of the Isles, Prince and Great Steward of Scotland, Knight Companion of the Most Noble Order of the Garter, Knight of the Most Ancient and Most Noble Order of the Thistle, Great Master and First and Principal Knight Grand Cross of the Most Honourable Order of the Bath, Member of the Order of Merit, Knight of the Order of Australia, Companion of the Queen’s Service Order, Member of Her Majesty’s Most Honourable Privy Council, Aide-de-camp to Her Majesty"

Aber dafür ist der Besuch dann doch zu kurz.

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Welcome to Bavaria, You Royal Highness!

Von
  • Michael Kubitza
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