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Priester, Kirchenmusiker, Papstbruder: Trauer um Georg Ratzinger | BR24

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Georg Ratzinger ist tot. Der Kirchenmusiker und ältere Bruder des emeritierten Papstes Benedikt des 16. starb mit 96 Jahren in Regensburg. Vor knapp zwei Wochen hatte Benedikt seinen Bruder noch ein letztes Mal besucht.

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Priester, Kirchenmusiker, Papstbruder: Trauer um Georg Ratzinger

Georg Ratzinger ist tot. Der langjährige Leiter der Regensburger Domspatzen ist heute im Alter von 96 Jahren in Regensburg gestorben. Sein Bruder, der emeritierte Papst Benedikt XVI., hat ihn auf seinem letzten Weg begleitet.

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"Ein Schüler der 5. Klasse begleitete prächtig die deutschen Singmessen und die lateinische Choralmesse." So steht es in der Aschauer Pfarrchronik, mit Datum vom 20. Dezember 1934. Der Name des Schülers steht nicht dabei. Er hätte den Kirchgängern in der oberbayerischen Gemeinde damals vermutlich auch nicht viel gesagt. Heute steht der Name für einen Kirchenmusiker, der 30 Jahre lang Leiter der weltberühmten Regensburger Domspatzen war: Georg Ratzinger, der drei Jahre ältere Bruder von Joseph Ratzinger, dem emeritierten Papst Benedikt XVI.

Georg Ratzinger widmete sich der Kirchenmusik

Die beiden Brüder begeisterten sich schon in jungen Jahren für den Dienst am Altar. "Ich werde mal Kardinal", sagte der junge Joseph zum Aschauer Pfarrer. Und Georg? Dem schenkte der Vater ein Harmonium – eben jenes Instrument, mit dem der Zehnjährige fortan so "prächtig" in der Kirche spielte. Damit war die Grundlage für Georg Ratzingers Laufbahn als Kirchenmusiker gelegt.

Domkapellmeister am Regensburger Dom

1946 traten die Ratzinger-Brüder ins Priesterseminar des Erzbistums München und Freising ein. 1951 wurden sie zu Priestern geweiht. Während der drei Jahre jüngere Joseph die Welt der Bücher für sich entdeckte, widmete sich Georg neben der Theologie der Musik. Er studierte Kirchenmusik an der Musikhochschule München und wurde 1957 Chordirektor in Traunstein. Am 1. Februar 1964 wurde er Domkapellmeister am Regensburger Dom und Leiter der Regensburger Domspatzen. Als solcher hat er den Chorklang geändert, was ihm mancher Zeitgenosse übel nahm. Die romantischen Färbungen nahmen ab zugunsten eines unverwechselbar transparenten Chorklangs, mit dem die Domspatzen berühmt werden sollten.

Dem Domkapellmeister gelang es, den Knabenchor mit seiner über tausendjährigen Tradition zu künstlerischen Höhen zu führen und in aller Welt bekannt zu machen. Konzertreisen führten die Domspatzen unter anderem in die USA, nach Japan, Skandinavien, Kanada, Taiwan, Irland, Ungarn, Polen. Außerdem gab es jährlich eine ausgedehnte Konzerttournee durch Deutschland. Viele erfolgreiche Platteneinspielungen und Fernsehauftritte kamen hinzu.

Georg Ratzinger gab Ohrfeigen zu

Erfolge und Auftritte an prominenter Stelle erfordern Disziplin – und die forderte Georg Ratzinger auch ein. Er war streng mit "seinen Buben", wie er sie nannte. Viele ehemalige Schüler verbinden positive Erinnerungen mit Ratzinger, auch wenn sein Jähzorn bisweilen gefürchtet war.

2017 kam der Abschlussbericht eines unabhängigen Gutachters über Missbrauch und Gewalt bei den Domspatzen zu dem Schluss, dass mindestens 500 Jungen zwischen 1945 und 1992 körperliche Gewalt erfahren haben und 67 Opfer sexueller Gewalt wurden. Georg Ratzinger hat laut Bericht körperliche Gewalt angewendet. Er selbst hatte bereits 2010 eingeräumt, bei Chorproben Ohrfeigen verteilt zu haben. Er bestritt dagegen, von sexuellen Missbräuchen gewusst zu haben.

1994 war seine Zeit als Leiter der Regensburger Domspatzen zu Ende. Der Kirchenmusik aber blieb er treu – als Kanonikus im Regensburger Kollegiatsstift St. Johann.

Bruder Joseph Ratzinger wurde 2005 zum Papst gewählt. In den Folgejahren musste deshalb der ältere, zuletzt fast vollständig erblindete Georg den jüngeren Bruder in Rom besuchen. Georg und Joseph Ratzinger blieben einander eng verbunden.

Am 18. Juni 2020 kehrte der emeritierte Papst Benedikt XVI. im hohen Alter von 93 Jahren erstmals nach seinem Rücktritt überraschend nach Deutschland zurück um von seinem Bruder Abschied zu nehmen. Am heutigen Mittwoch ist Georg Ratzinger im Alter von 96 Jahren in Regensburg gestorben.

Regensburger OB kondoliert Benedikt XVI. zum Tod seines Bruders Georg Ratzinger

Die Regensburger Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer hat dem emeritierten Papst Benedikt XVI. ihr Beileid zum Tod seines Bruders Georg Ratzinger ausgesprochen. Regensburg werde Georg Ratzinger nicht vergessen, der ja lange Jahre das Gesicht der Domspatzen gewesen sei, sagte Maltz-Schwarzfischer dem BR. Es freue sie vor diesem Hintergrund erneut, dass Benedikt XVI. seine private Reise nach Regensburg vor Kurzem machen konnte und noch einmal die Gelegenheit hatte, Zeit mit seinem Bruder Georg zu verbringen.

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BR-Reporter Grosser: Regensburg trauert