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Das Rotkehlchen gehört zu den bekanntesten heimischen Vogelarten
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Berit Breitsamer
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Das Rotkehlchen gehört zu den bekanntesten heimischen Vogelarten

Die Arbeitsgruppe BISA („Biodiversität im Schulalltag“) will das wachsende Unwissen der Schüler nicht hinnehmen und hat ein Konzept entwickelt, ihnen den Zugang zur Vogelwelt zu erleichtern. Die Idee ist ganz einfach:

Biolehrer Thomas Gerl vom Ludwig-Thoma-Gymnasium in Prien am Chiemsee fängt am liebsten mit einem kleinen Test an. Wie viele seiner Sechstklässler erkennen den Vogel auf dem Foto? Die dürfen stehen bleiben. Zuerst eine Stockente, die kennen tatsächlich alle. Dann: eine Graugans. Und schon sitzen sie alle, bis auf einen. Und bei den nächsten Vogelfotos sieht es auch nicht besser aus.

Vogelarten sterben aus und keiner merkt es

Philip und Ida geht‘s da wie den meisten: Nur noch fünf der bekanntesten 15 heimischen Vogelarten kennen Schüler im Durchschnitt, hat Biolehrer Thomas Gerl in einer aktuellen Studie für die Ludwig-Maximilians-Universität München herausgefunden. Angesichts des voranschreitenden Artenschwundes ein Riesenproblem, sagt Gerl.

„Wenn niemand mehr da ist, der die Vögel erkennt, dann würde man das gar nicht mehr merken, dass die Arten verschwinden von unserer Erde.“ Biologielehrer Thomas Gerl, Prien

Für das Projekt "Biodiversität im Schulalltag" hat Gerl deshalb ein Unterrichtskonzept erarbeitet - zusammen mit seinem Lehrer-Kollegen Johannes Almer.

„Es ist ganz wichtig, dass die Schüler das selber erfahren, selber sehen, wo sie leben und was es zu erhalten und zu schützen gibt bei uns.“ Biologielehrer Johannes Almer

... und dann raus an den Chiemsee: Enten suchen

Nach dem Test also noch ein wenig Vogel-Theorie und dann: Raus aus dem Klassenzimmer ans Chiemsee-Ufer. Nick und Vitus starren mit Ferngläsern aufs Wasser. Vor sich ein Faltblatt mit Wasservogelarten, die sie suchen sollen: „Ja, da hinten, ganz da hinten. Geil. richtig geil. Kreuzt du Kolbenente an?“

Fünf Mädchen haben unterdessen eine Ente mit schwarzem Kopf und weißen Flügeln entdeckt: „Reiherente, weiblich!“ Richtig spannend wird das hier, findet Max:

„Weil man auch den Drang hat, dass man immer neue Bilder und neue Vögel findet und dann ankreuzt. Und es ist aufregend, wie sich die bewegen.“ Max, Sechstklässler am Ludwig-Thoma-Gymnasium in Prien

Wie viel sich die Schüler bis nächste Woche merken können, weiß Thomas Gerl natürlich auch nicht. Aber wenn sie langfristig ein Huhn von einer Ente an der Schnabelform unterscheiden könnten, sei er zufrieden, sagt er.

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Berit Breitsamer

Sendung

Mittags in Oberbayern vom 18.01.2019 - 12:05 Uhr