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Premiere: Erster Großelterntag in Bayern | BR24

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Oft wohnen die Großeltern einfach viel zu weit weg, um sich um die Enkelkinder zu kümmern. Immer mehr junge Familien holen sich deshalb Hilfe und Unterstützung von außen - in Form von Leih- oder Wunschgroßeltern.

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Premiere: Erster Großelterntag in Bayern

Als erstes Bundesland hat die bayerische Staatsregierung am Sonntag zu Ehren der Omas und Opas den Großelterntag gefeiert. Der Vorschlag kam von Ministerpräsident Markus Söder.

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Bei einem Fest für geladene Familien in einem Seitenflügel von Schloss Nymphenburg sagte Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU), Omas und Opas leisteten unter anderem einen wesentlichen Beitrag bei der Vermittlung von gesellschaftlichen Werten. In einigen Familien ginge es ohne die Hilfe der Großeltern gar nicht, den Alltag zu meistern.

Der erste Großelterntag geht zurück auf eine Initiative des Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). Er ließ es sich nicht nehmen, die Botschaft als Erster auf Twitter zu verkünden: "Wertschätzung für unsere Großeltern: Bayern führt deutschlandweit den ersten Großelterntag ein", schrieb er.

Vorreiter in anderen Ländern

Nach dem traditionellen Muttertag im Mai und dem Vatertag an Christi Himmelfahrt schließt der Großelterntag nun also die Reihe der familiären Ehrentage. In anderen Ländern wird der Großelterntag schon länger groß gefeiert. 1978 rief US-Präsident Jimmy Carter den ersten Großelterntag in den USA aus. In Spanien, Portugal, Polen, Frankreich und der Schweiz gibt es entweder Großelterntage oder getrennte Oma- und Opa-Tage. Und jetzt eben auch in Bayern.

Enge Beziehung

Tatsächlich sind Opas und Omas eine wichtige Stütze in vielen Familien. Und das geht weit über Geld, Schokolade oder Geschenke für die Enkel hinaus. Die 21 Millionen Großeltern in Deutschland wenden fast vier Milliarden Stunden für ihre Enkelkinder auf. Das hat Andreas Reindl vom Portal "grosseltern.de" errechnet.

Darüber hinaus spielen Großeltern eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Werten. Sie sind für die Enkel Vertraute außerhalb des üblichen Leistungsdrucks. Sie bieten Hilfestellung und Erfahrungen aus einer anderen Lebensperspektive. Laut einer Studie des Deutschen Jugend-Instituts fühlen sich 91 Prozent der Großeltern ihren Enkelkindern im Alter zwischen null und 16 Jahren eng oder sogar sehr eng verbunden. Das Fazit: Großeltern spielen eine überaus wichtige Rolle im Leben von Kindern.

Im Trend: Wunsch-Großeltern

Dabei müssen das nicht zwangsläufig die leiblichen Großeltern sein. In Zeiten von Patchwork-Familien gibt es auch immer mehr soziale Großeltern, also Stief-Omas und Stief-Opas. Das Familiengefüge ist im Fluss, Bindungen unterliegen einem Wandel. Obwohl es in Deutschland so viele Senioren gibt, wie schon lange nicht mehr, können etliche junge Familien nicht auf die Unterstützung ihrer leiblichen Großeltern zurückgreifen, weil diese schlichtweg nicht in der Nähe wohnen.

In solchen Fällen helfen Ehrenamts-Initiativen wie zum Beispiel der Nürnberger Verein "Wunschgroßeltern stiften Zukunft". Der hat für sein Engagement schon viele Preise erhalten - darunter auch den Ehrenamtspreis der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Ziel des Vereins ist es, Alt und Jung zusammenzubringen, erklärt die Vorsitzende Bärbel Sturm: "Kinder sollen mit der älteren Generation etwas zu tun haben, von ihren Werten und ihrer Lebenserfahrung profitieren."

Oma-Glück per Speeddating

Bärbel Sturm ist selbst Wunsch-Oma. Sie ist sich sicher, dass eine solche Beziehung für beide Seiten bereichernd ist - für das Kind und für den älteren Menschen. Finden können sich die Paarungen bei Speeddatings, die etwa einmal im Monat stattfinden. Bei diesen Treffen spielen die Kinder in der Mitte, für die Eltern und potenziellen Wunschgroßeltern gibt es Informationen. Man lernt sich kennen. Stimmt die Chemie zwischen allen Beteiligten, kann sich daraus eine neue Großeltern-Kind-Beziehung entwickeln.

"Wunsch-Großeltern finden sich nicht so leicht. Man geht eine langfristige Verpflichtung ein, es gibt nicht nur Freuden, sondern vielleicht auch mal Probleme. Aber darüber kann man sprechen. Unser unschlagbarer Vorteil ist, dass bei den Wunsch-Großeltern das lustvolle Miteinander der Generationen im Vordergrund steht und Geld keine Rolle spielt. Wir helfen und unterstützen, sicher, aber wir sind kein Ersatz für Leih-Omas oder die Kinderbetreuung", sagt Bärbel Sturm.

Mehr Familien als Wunsch-Großeltern

Das bestätigt auch Mechthild Scholz vom Mehrgenerationenhaus Nürnberger Land, das sich in Trägerschaft des Caritasverbandes im Nürnberger Land und der Stadt Röthenbach befindet. "Die Erfahrung mit den Wunschgroßeltern ist, dass die Leute, die es gerne machen würden, sehr engagierte Personen sind. Allerdings ist es für viele Leute nicht so einfach, sich für dieses Projekt zu entscheiden. Denn sie bekommen einen sehr großen Einblick in die Familie und sind dann auch privat mit dieser Familie verbunden. Das möchten nicht alle Leute. Deshalb ist das nicht ein Ehrenamt, das für jeden passt, sondern ein sehr spezielles, ein sehr anspruchsvolles Ehrenamt."

Seit mehr als elf Jahren gibt es das Projekt "Wunsch-Großeltern" bereits im Mehrgenerationenhaus, das von verschiedensten Institutionen wie zum Beispiel dem Bündnis für Familie des Landkreises und dem Kreisseniorenbeirat unterstützt wird. Aktuell sind 40 Senioren im Landkreis Nürnberger Land Wunsch-Großeltern. Viel zu wenige, wissen die Organisatoren. "Wir haben immer wartende Familien, die wir nicht sofort bedienen können und die ich dann vertrösten muss", erläutert Mechthild Scholz. Es gibt keinen Pool, aus dem man eine Wunsch-Oma oder einen Wunsch-Opa zaubern kann. Für jede Familie muss extra jemand gefunden werden. Eine große Herausforderung.

"Großeltern dürfen keine Lückenbüßer sein". Ulrike Mascher, Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK

Vollkommen kritiklos wird der Großelterntag nicht hingenommen. Die Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, hatte schon nach dem Kabinettsbeschluss betont: "Großeltern dürfen keine Lückenbüßer für fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten oder mangelnde finanzielle Ausstattung von Familien sein." Omas und Opas seien aber etwas Wunderbares, sie verdienten alle Anerkennung.

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Die Bayerische Staatsregierung hat einen Tag zu Ehren der Großeltern festgelegt. Tina Scheller aus Burgpreppach (Lkr. Haßberge) findet das richtig, denn ohne ihre Eltern wäre ihr Berufsalltag deutlich anstrengender.