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Symbolbild Homeschooling

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    Präsident des Lehrerverbandes: Sitzenbleiben nicht abschaffen

    Heinz-Peter Meidinger, der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, hat sich trotz Corona-Pandemie gegen einen Verzicht auf das Sitzenbleiben in diesem Schuljahr ausgesprochen. Gleichzeitig verteidigt er den Fernunterricht über Videoschalte.

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    Von
    • BR24 Redaktion

    Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und ehemalige Schulleiter des Robert-Koch-Gymnasiums Deggendorf, Heinz-Peter Meidinger, ist nicht dafür, aufgrund der Corona-Pandemie das Sitzenbleiben in der Schule auszusetzen.

    Freiwilliges Zusatzjahr sinnvoller?

    In der "Passauer Neuen Presse" äußerte er Skepsis: "Auch ich bin dafür, dass unsere Kinder und Jugendlichen nicht zu Verlierern der Pandemie werden dürfen. Ob es aber sinnvoll ist, wenn auch dieses Jahr wieder, wie schon im letzten Jahr, alle Schülerinnen und Schüler weitgehend unabhängig von den Leistungen in die nächste Jahrgangsstufe vorrücken, obwohl ein Teil davon keine Chance hat, den Anschluss zu schaffen, das bezweifle ich." Der Lehrerverbandspräsident kam auf seinen früheren Vorschlag eines Extra-Jahres zurück: "Wahrscheinlich werden wir einem Teil der Schüler auch mehr Zeit einräumen müssen, also die Chance auf ein freiwilliges Zusatzjahr."

    Abschlüsse müssen vergleichbar sein

    Meidinger sprach sich klar gegen ein "Not-Abitur" ohne Prüfungen aus. Von dem entsprechenden Vorstoß der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) und dem Niedersächsischen Schulleiterverband halte er "gar nichts", sagte er. "Wenn man das macht, passiert ja genau das, was wir alle nicht wollen, nämlich, dass wir Corona-Jahrgänge bekommen, deren Abschlusszeugnisse nicht vergleichbar und auch nicht so viel wert sind wie bisherige Abschlüsse, wofür man Prüfungen bestehen musste." Der Lehrerverbandspräsident hält es noch für möglich, das Schuljahr "ordentlich zu Ende zu bringen".

    Abschlussprüfungen notfalls nach hinten verschieben

    Bis zu den Weihnachtsferien habe es fast durchgängig Präsenzunterricht gegeben, sodass er durchaus Chancen für eine ausreichende Prüfungsvorbereitung sehe, wenn hoffentlich ab Februar vorrangig die Abschlussjahrgänge wieder an die Schulen geholt werden könnten. Auch eine Verschiebung sei denkbar: "Es gibt auch noch andere Stellschrauben, an denen wir drehen könnten, etwa die Abschlussprüfungen nochmals nach hinten zu verschieben", sagte Meidinger.

    Homeschooling und Fernunterricht nicht so schlecht wie ihr Ruf

    Gleichzeitig verteidigt der ehemalige Gymnasialdirektor Homeschooling und Fernunterricht. Videokonferenzen sind in der Pandemie zum Alltag geworden. Warum finden sie also nicht auch standardmäßig im Fernunterricht statt, damit Lehrer und Schüler in Kontakt bleiben? Das sei nicht die freie Entscheidung der einzelnen Lehrkraft, sagte Meidinger. Voraussetzung sei, dass die Schule eine entsprechende Lizenz für Software habe und dass der notwendige Datenschutz gewährleistet sei. "Es ist also nicht zulässig, dass eine Lehrkraft beispielsweise von zu Hause aus die Schülerinnen und Schüler zu einer Zoom-Sitzung einlädt." Und bei den staatlichen Lernplattformen gebe es meistens kein wirklich funktionsfähiges Videosystem.

    Feedback und Arbeitsblätter weiter wichtig

    Man müsse sich auch von dem Gedanken freimachen, dass allein oder sogar in erster Linie die digitale Übertragung von Unterricht in Videokonferenzsystemen automatisch die effektivste Unterrichtsform sei, sagt der Lehrerverbandspräsident. "Eine bloße Übertragung einer Unterrichtsstunde per Video ohne intensive Feedback-Kultur ist wenig effektiv. Ein intensiver Austausch über E-Mail mit Arbeitsblättern und Schülerbeiträgen kann durchaus wirksam und erfolgreich sein."

    Bessere Situation als im Frühjahr

    Meidinger warnt auch vor Pauschalurteilen über den Fernunterricht. Angesichts von mehr als zehn Millionen Schülern und 40.000 Schulen dürfe bei durchaus im Einzelfall berechtigten Klagen nicht ein Eindruck entstehen, der nicht repräsentativ sei. "Mein Eindruck ist, dass es insgesamt besser läuft als im Frühjahr, auch weil inzwischen viele, aber leider bei weitem noch nicht alle, Leihgeräte an Kinder ausgegeben worden sind, die bislang zuhause keinen tastaturfähigen Computer nutzen konnten.

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