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Uni-Vorlesung in Corona-Zeiten - mit Desinfektionsmittel, Papiertüchern und Abstand (Symbolbild).

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Präsenzprüfungen trotz Lockdown: Studenten in Sorge

Trotz des Corona-Lockdowns finden derzeit an Bayerns Hochschulen und Unis auch Präsenzprüfungen statt. Wie viele es sind, weiß das zuständige Ministerium nicht. Vor Ort setzt man auf penible Hygienekonzepte - einigen Studierenden ist trotzdem mulmig.

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Von
  • Maximilian Heim
  • Julia Rupprich
  • Christian Wagner

Studentenleben in Corona-Zeiten, das heißt derzeit: keine Partys, keine Kneipen, kaum persönlicher Austausch. Wegen der Pandemie finden auch die meisten Lehrveranstaltungen digital statt - schon das zweite Semester in Folge.

Aktuell stehen an Universitäten und Hochschulen die Prüfungen am Semesterende auf dem Plan - und das teilweise auch in Präsenz. Das sorgt für Kritik. Ein wiederkehrender Vorwurf: Klausuren und Examen vor Ort zu schreiben, sei angesichts des weitgehenden Lockdowns unverantwortlich.

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Social-Media-Posts zu Präsenzprüfungen, Februar 2021. (Die Uni Regensburg hat schriftliche Präsenzprüfungen bis vorerst 13. Februar ausgesetzt.)

Celine Schopper studiert in Erlangen Spanisch und Englisch auf Lehramt. Sie steht kurz vor ihrem Staatsexamen, Mitte Februar ist es so weit. Ablegen muss sie die Prüfung vor Ort, denn im Gegensatz zu anderen Prüfungen können Staatsexamen bisher nicht digital stattfinden. Damit hat Schopper kein Problem - sie stört aber, "dass man vier Stunden während der Klausur die Maske tragen muss. Und sollte man sich vor der Klausur noch infizieren, darf man den nächsten Examensversuch erst im Herbst schreiben."

Wie viele Prüfungen in Bayern derzeit vor Ort und mit vielen Menschen in einem Raum stattfinden, kann das bayerische Wissenschaftsministerium auf BR-Anfrage nicht mitteilen. "Die Organisation der Hochschulprüfungen liegt in der originären Eigenverantwortung der Hochschulen", teilt ein Ministeriumssprecher mit. Bei Präsenzprüfungen müsse aber "jederzeit lückenlos gewährleistet sein, dass alle geltenden Vorgaben und Empfehlungen zur Hygiene und zum Infektionsschutz für alle Prüfungsbeteiligten umgesetzt sind".

Maskenpflicht nur bei fehlendem Mindestabstand

Klar ist: Wenn Präsenzprüfungen stattfinden, muss der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Sofern das gewährleistet ist, müssen die Prüflinge am Platz laut dem Ministerium keinen Mund-Nasen-Schutz tragen. Kann der Mindestabstand nicht eingehalten werden, dann gilt grundsätzlich Maskenpflicht. Die Hochschulen können allerdings auch strengere Maßnahmen anordnen - wie etwa eine Maskenpflicht unabhängig vom Mindestabstand.

In Würzburg müssen wohl viele Studierende für ihre Prüfungen vor Ort sein. Ob digital oder in Präsenz - das hat die Universität den jeweiligen Fakultäten überlassen. Die könnten am besten einschätzen, welche Prüfungsformate für welche Fächer geeignet seien. Wie im Sommersemester will man Prüfungen dort auch in Veranstaltungshallen schreiben lassen. Bei einigen sorgen die Präsenzprüfungen dennoch für Unmut. Eine Würzburger Studentin sagte dem BR: "Es gibt viele Leute, die etwa ihre Oma pflegen." Diese würden sich "nie im Leben" in einen Raum mit 60 Leuten setzen - "von denen sie nicht wissen, wo die waren".

Ministerium: Keine Nachteile für verschobene Prüfungen

Wem derart mulmig ist, dem sollen nach dem Willen der Staatsregierung keine Nachteile entstehen - abgesehen vielleicht von der zusätzlichen Zeit. Wer aus Angst vor einer Infektion die Prüfung verschieben will, kann das nämlich tun. Das aktuelle Semester wird dann nicht angerechnet. Das betont auch Martin Daumiller, Psychologie-Dozent an der Universität Augsburg. Man habe schon seit Beginn des Sommersemesters geschaut, wo man "alternative Prüfungsformate" anbieten könne, sagt Daumiller.

Auch in Augsburg hat man sich für die Vor-Ort-Prüfungen viele Gedanken gemacht. "Wir haben die Prüfungen akribisch vorbereitet - mit umfassenden, verschärften Sicherheitsmaßnahmen", betont Daumiller. "Unter anderem haben wir akribische Hygienekonzepte, Maskenpflicht, viel Sicherheitspersonal, viele Abstände, exzellente Lüftungssysteme - und ganz klar geregelte Ablaufpläne, so dass Gruppenbildungen verhindert werden."

Digitale Prüfungen inzwischen auch möglich

Übrigens müssen längst nicht alle Studierenden derzeit klassisch vor Ort zur Prüfung erscheinen. Denn auch digitale Prüfungen unter Videoaufsicht sind seit dem vergangenen Jahr in Bayern möglich - schriftlich und mündlich. Allerdings ist die Teilnahme an solchen "elektronischen Fernprüfungen" freiwillig, wie das Ministerium betont. Die Hochschulen müssten deshalb sicherstellen, dass "eine termingleiche Präsenzprüfung als Alternative angeboten wird".

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Der Augsburger Uni-Dozent Martin Daumiller über Präsenzprüfungen

Unsere Instagram-Story zum dem Thema finden Sie hier.

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