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Präsenzprüfungen an Universitäten - Regelbetrieb trotz Lockdown? | BR24

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An der Universität Regensburg mussten 200 Studierende vor Weihnachten noch eine Klausur schreiben. Viele sind verärgert. Die Universitätsleitung verweist auf ihr Hygienekonzept.

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Präsenzprüfungen an Universitäten - Regelbetrieb trotz Lockdown?

An der Universität Regensburg mussten 200 Studierende vor Weihnachten noch eine Klausur schreiben. Viele sind verärgert. Die Universitätsleitung verweist auf ihr Hygienekonzept. Auch andere bayerische Universitäten lassen Studierende antreten.

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Von
  • Sebastian Grosser

In ganz Bayern sind die Schulen geschlossen, Klausuren finden nicht statt. Anders bei einigen bayerischen Universitäten: Sie führen teilweise Präsenzprüfungen durch. Unter anderem hat die Universität Regensburg rund 200 Medizinstudierende zwei Tage vor Weihnachten zu einer Klausur geladen - trotz des von der Bundesregierung verordneten strengen Lockdowns. Die Universitätsleitung begründet ihre Entscheidung mit dem Hygienekonzept, dass sich bisher als "durchweg wirkungsvoll" erwiesen und eine Ausbreitung des Coronavirus an der Universität Regensburg verhindert habe.

Unverständnis bei vielen Regensburger Studierenden

Marie, die ihren richtigen Namen nicht nennen will, ist eine der Regensburger Studierenden, die am Dienstag noch eine Prüfung in "mikroskopischer Anatomie" absolvieren musste. Die Prüfung ist relevant, um sich zum Physikum anmelden zu können. Die Anmeldung zum Physikum muss bis 10. Januar erfolgen. Marie will sich aber auch nicht mit dem Coronavirus anstecken. Sie und viele ihrer Kommilitonen sind daher verärgert, dass die Universität sich in ihrem Fall für eine Präsenz- statt für eine Online-Prüfung entschieden hat.

"Ich kann es beim besten Willen nicht nachvollziehen. Ich muss überlegen, mit wem aus meiner Familie ich mich an Weihnachten treffen darf, sitze aber zwei Tage vorher mit 200 Studenten in einer Klausur. Wir finden das ziemlich krass. Und irgendwie unverantwortlich." Marie, Regensburger Studentin

Infektionsschutzverordnung erlaubt Prüfungen in Präsenz

Die Universität Regensburg findet die Kritik übertrieben. Auf BR-Nachfrage verweist die Leitung auf die 11. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vom 15. Dezember 2020, die es erlaube, Prüfungen abzuhalten. Dort heißt es zwar unter Paragraph 21, dass keine Präsenzveranstaltungen stattfinden dürfen. Bei Prüfungen kann aber eine Ausnahme gemacht werden, sofern ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wird. "Die Universitätsleitung hätte diese dann mithilfe entsprechender Argumente nachträglich untersagen können. Dies stellt jedoch einen gänzlich anderen Kontext der Situation dar." Laut Universität Regensburg werden die Abstandsregeln gewahrt: Für die Prüfung wurden die Studierenden auf drei Hörsäle verteilt, darunter auch das Audimax mit 1.485 Plätzen.

Würzburg: 1.200 Studierende bei Präsenzprüfungen

Die Universität Regensburg macht da keine Ausnahme. Auch in anderen bayerischen Universitäten werden während des Lockdowns noch Präsenzprüfungen abgehalten: An der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg wurden im Lockdown bisher fünf Präsenzprüfungen durchgeführt. Rund 1.200 Studierende aus den Studiengängen der Medizin bis zu den Sozialwissenschaften waren zu den Prüfungen zugelassen, teilt die Würzburger Universität mit. Neben Abstandsregeln habe bei den Prüfungen auch Maskenpflicht gegolten.

Bamberg und Bayreuth: Dezentrale Prüfungen

An der Universität Bamberg haben während des Lockdowns bisher zwar keine größeren, zentral organisierten Prüfungen stattgefunden. Kleinere Prüfungen, die von den Lehrstühlen organsiert wurden, habe es hingegen gegeben. Die Lehrstühle würden dabei die Verantwortung tragen, dass die Infektionsschutzmaßnahmen eingehalten werden, so eine Pressesprecherin der Universität Bamberg. Wie viele Studenten zu Prüfungen antreten mussten, sei nicht zu ermitteln.

Ähnlich die Situation an der Universität Bayreuth: Seit 1. Dezember hat es keine größeren Prüfungen mehr gegeben, auch wenn diese laut Vizepräsident Prof. Martin Huber unter Beachtung der Infektionsschutzmaßnahmen erlaubt seien.

"Die Universität Bayreuth hat als staatliche Universität die Verpflichtung, den Regelbetrieb einer Universität auch im Lockdown aufrecht zu erhalten. Zum Regelbetrieb gehören Prüfungen. Die Universität Bayreuth führt deshalb auch im Lockdown Prüfungen in Präsenz durch.“ Prof. Martin Huber, Vizepräsident Universität Bayreuth

Sollte es zu Prüfungen mit einer Teilnehmerzahl im dreistelligen Bereich kommen, will die Universität Bayreuth die Prüflinge auf mehrere Hörsäle verteilen – ähnlich wie in Regensburg.

München: LMU ist zu

Der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU) sind keine Prüfungen während des Lockdowns bekannt. Das sei "unwahrscheinlich“, da derzeit alle Gebäude geschlossen seien. Präsenzveranstaltungen, zum Beispiel in den medizinischen Studiengängen, werden nur auf freiwilliger Basis durchgeführt. Wie an vielen anderen Universitäten beginnt ein Großteil der Prüfungen erst gegen Ende des Wintersemesters. Es bleibe aber abzuwarten, wie sich die Lage bis dahin entwickle, so eine Pressesprecherin der LMU.

An der Universität Passau und an der Katholischen Universität Eichstätt sind die Einrichtungen ebenfalls seit 16. Dezember geschlossen. Präsenzprüfungen haben es keine gegeben, heißt es von den Pressesprechern.

Erlangen-Nürnberg: Fristverlängerung statt Prüfung

An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) finden bis 10. Januar keine Präsenzprüfungen statt. Ausnahmen seien nur bei Einzelprüfungen möglich. Die FAU appelliert in einem Schreiben an Studenten wie Lehrende genau zu prüfen, ob und wie die Prüfungen abzuhalten seien und gegebenenfalls auf "elektronische Prüfungen“ zu setzen. Da auch die Bibliotheken geschlossen sind, hat die FAU die Abgabe für Abschlussarbeiten um 28 Tage verlängert. Gleiches gilt für die Bearbeitungszeit. Universitätspräsident Prof. Joachim Hornegger sieht alle in der Verantwortung.

"Gerade in den kommenden Wochen gilt es weiter, auf andere zu achten und füreinander da zu sein. Der Zusammenhalt, die wir alle an der FAU in diesem Jahr erlebt haben, erfüllt mich mit Stolz und mit Hoffnung darauf, dass wir irgendwann im nächsten Jahr zurückblicken und sagen können: Wir haben die Corona-Pandemie gemeinsam durchgestanden.“ Prof. Joachim Hornegger, Präsident Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Regensburg: Keine Online-Prüfungen bisher möglich

Marie aus Regensburg hätte ihre Prüfung gerne online absolviert, um die Gefahr einer Infektion im Hörsaal oder auf dem Hin- und Rückweg ausschließen zu können. Allerdings würde sich ihr Professor dagegen sträuben, eine Online-Klausur abzuhalten, so die Studentin. Auch die Universitätsleitung verweist darauf, dass Online-Prüfungen derzeit nicht stattfinden. "Aktuell wird daran gearbeitet, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, um rechtskonform solche Prüfungen durchführen zu können.“

Solange appelliert die Universität an die Studenten, bei auftretenden Symptomen nicht zu den Prüfungen anzutreten. Nachteile sind nicht zu befürchten, betont die Universitätsleitung, sofern die Studenten sich bis zum 10. Januar zum Physikum angemeldet haben.

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