BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Powerfrau und Pionierin: Ellen Ammann | BR24

© dpa/ picture alliance

Ellen Ammann

Per Mail sharen

    Powerfrau und Pionierin: Ellen Ammann

    Ellen Ammann gründete in München die erste katholische Bahnhofsmission in Deutschland und den Landesverband Bayern des Katholischen Deutschen Frauenbundes. Mit ihren Ideen war sie ihrer Zeit oft voraus – und hatte mit vielen Widerständen zu kämpfen.

    Per Mail sharen

    Ellen Ammann wurde vor 150 Jahren, am 1. Juli 1870, in Stockholm geboren. Sie war eine Frau, deren Engagement so vielseitig war, dass es mehrere dicke Bücher füllen könnte. Sie war eine Powerfrau und Pionieren, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Gesellschaft in Bayern entscheidend prägte.

    Soziales Engagement in der Wahlheimat

    Mit 20 Jahren kam die gebürtige Schwedin nach München, um den deutschen Orthopäden Ottmar Ammann zu heiraten. In ihrer neuen Heimat begann sie früh, sich sozial zu engagieren - ungewöhnlich für die damalige Zeit. Sie schuf Organisationen und Institutionen, die damals visionär waren und noch heute wichtige Aufgaben im gesellschaftlichen Leben wahrnehmen.

    Gründung des Landesverbands Bayern des Katholischen Deutschen Frauenbundes

    1904 gründete die gläubige Katholikin Ammann einen Zweigverein des Katholischen Deutschen Frauenbundes in München. In den nächsten Jahren folgten viele weitere bayerische Zweigvereine und 1911 schließlich der Bayerische Landesverband, dessen erste Vorsitzende Ellen Ammann bis zu ihrem Tod blieb.

    Heute ist Emilia Müller, Staatsministerin a.D., die Vorsitzende des Bayerischen Landesverbands. Seit 40 Jahren ist sie Mitglied des KDFB. "Politik für Frauen und für Gleichberechtigung war in meiner politischen Laufbahn immer ein zentraler Punkt", sagt Müller. Als Landesvorsitzende möchte sie Frauen dabei helfen, sich besser in der Gesellschaft zu positionieren und Chancen zu ergreifen, die es früher so nicht gab.

    Gründung eines Mädchenschutzvereins

    Ende des 19. Jahrhunderts war die Industrialisierung in vollem Gange. Tausende Menschen zogen auf der Suche nach Arbeit in die Städte. So auch nach München. Unter den Zuzüglern waren viele Mädchen und junge Frauen.

    Ellen Ammann wohnte mit ihrem Mann ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs. Sie war nah dran am Geschehen und wollte die Mädchen davor bewahren, in die Hände von Schleppern oder Zuhältern zu geraten. Deshalb gründete sie zusammen mit anderen engagierten Frauen den "Marianischen Mädchenschutzverein" und 1909 eine Frauenschule. Sie war der Überzeugung, dass Frauen für die Übernahme sozialer und caritativer Tätigkeiten professionell ausgebildet werden müssen.

    Auch die Gründung der ersten katholischen Bahnhofsmission in Deutschland geht auf die tatkräftige Schwedin zurück.

    Einzug in den Bayerischen Landtag

    1919 zog Ellen Ammann für die Bayerische Volkspartei in den Bayerischen Landtag ein. Sie war eine der ersten Frauen im Landtag. Auch in ihrer politischen Arbeit bewies sie Weitblick und großen Mut. 1923 war sie maßgeblich daran beteiligt, den Hitler-Putsch niederzuschlagen. Ammann gehörte dem Bayerischen Landtag bis zu ihrem Tod im Jahr 1932 an.