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Postfilialen in kleinen Orten droht das Aus | BR24

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In Orten die weniger als 2.000 Einwohner haben, ist die Post nicht dazu verpflichtet Filialen zu betreiben.

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Postfilialen in kleinen Orten droht das Aus

Immer mehr Poststellen müssen schließen – auch im schwäbischen Obergriesbach gibt es jetzt keine Filiale mehr. Die Gemeinde erreicht die notwendige Mindest-Einwohnerzahl nicht mehr. Auch andere bayerische Orte könnten davon betroffen sein.

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Das kleine Lebensmittelgeschäft von Birgit Ostermayr ist eigentlich ziemlich gut sortiert. Von Nudeln über Konservendosen bis hin zu Milch, Süßwaren und Zeitschriften finden die Kunden hier alles für den täglichen Bedarf. Aber trotzdem fehlt seit kurzem etwas: Die Poststelle inklusive Postbankschalter ist seit Anfang Oktober weg. Am Boden neben der Kasse steht noch das abgeschraubte gelbe Metallschild mit dem schwarzen Posthorn drauf als stummer Zeuge der Vergangenheit. Die Deutsche Post hatte Birgit Ostermayr kurzfristig gekündigt.

Sie bedauert das: "Ich habe gern für die Post gearbeitet, hab‘ auch gern mit dem Papier gearbeitet, ich habe ja noch alles mit Formularen gemacht, weil ich keinen Computer hatte. Mir hat das alles immer Spaß gemacht, ich hatte alles im Kopf, was die Leute brauchen für ihre Pakete und das geht jetzt schon ab."

Postkundin: "Für mich ist das furchtbar"

Bisher konnten die Kunden hier auch Briefe und Pakete aufgegeben, Geld abheben und Briefmarken kaufen. Dafür müssen sie jetzt woanders hin. Obergriesbach hat keine Post mehr. Und das ist offenbar für viele ziemlich umständlich: "Ich komm' ja fast jeden Tag her zum Einkaufen, dann habe ich meine Post mitgenommen und fertig", erzählt Gabi Neukäufer. "Jetzt muss ich nach Dasing oder Aichach fahren, um meine Post wegzubringen."

Johann Riblinger, ein weiterer Kunde, sieht das ähnlich: "Für mich ist das ganz schlecht, weil ich jetzt ohne Auto praktisch aufgeschmissen bin." Ursula Marchart wohnt in der Nachbarschaft und meint: "Für mich ist das furchtbar, weil ich hier immer alles kombinieren konnte - auch gerade die Banksachen. Ich finde das wirklich gemein, dass man die Filiale hier dicht gemacht hat."

Postfilialen nur in Orten mit mehr als 2.000 Einwohnern

Die Obergriesbacher haben für Ihre Post gekämpft: Sie haben eine Sammlung mit über 700 Unterschriften bei der Bundesnetzagentur eingereicht - umsonst. Der Grund: die Gemeinde ist zu klein. Die sogenannte Postuniversaldienstleistungsverordnung schreibt der ehemals staatlichen Behörde unter anderem vor, dass sie nur in Gemeinden mit über 2.000 Einwohnern eine Filiale betreiben muss. In Obergriesbach leben laut Landesamt für Statistik aktuell 1.954 Menschen - 46 zu wenig.

Das weiß auch die Deutsche Post DHL Group und antwortet auf BR-Anfrage schriftlich: "Für Obergriesbach treffen die Voraussetzungen nicht zu, das heißt, dass wir hier nicht zum Betrieb einer Filiale verpflichtet sind, da die gesetzlichen Vorgaben bzw. unsere Selbstverpflichtung nur für selbständige Gemeinden und Ortsteile mit mehr als 2.000 Einwohnern eine stationäre Poststelle erfordern. Und so prüfen wir – wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen auch – regelmäßig in allen Geschäftsbereichen Kosten und Nutzen und nehmen ggf. entsprechende Anpassungen vor."

20 Jahre alte Verordnung soll überarbeitet werden

Das ist eigentlich nicht verwunderlich. Denn die ehemalige Bundespost ist mittlerweile ein international aufgestellter Konzern mit globalem Anspruch. Der Gewinn lag im vergangenen Jahr bei 3,2 Milliarden Euro und soll bis 2022 auf mindestens 5,3 Milliarden steigen. Gleichzeitig will die deutsche Post DHL Group bis 2025 rund zwei Milliarden in Digitalisierung investieren, heißt es in einem Strategiepapier. Die Verteiler-Routen sollen optimiert und technische Abläufe verbessert werden. Außerdem will der Logistikkonzern verstärkt auf Roboter setzten.

Was das alles für die Versorgung der Bevölkerung auf dem Land bedeutet, da bleibt das Unternehmen eher vage. Man werde seinen Verpflichtungen aus der Postuniversaldienstleistungsverordnung auch in Bayern selbstverständlich nachkommen, erklärt ein Sprecher. Allerdings soll die rund 20 Jahre alte Verordnung demnächst überarbeitet werden. Hinter den Kulissen wird bereits verhandelt. Bei einer Anfrage der Linksfraktion im Bundestag kam heraus, dass die Zahl der Postfilialen bundesweit seit dem Jahr 2000 von rund 13.600 auf rund 12.700 gesunken ist.

Mehr als 700 Gemeinden in Bayern könnten betroffen sein

Die Richtung ist also eindeutig und zeigt sich auch am Beispiel von Obergriesbach. Zum ersten Mal seit 1875, seitdem das königlich bayerischen Oberpostamt dort eine Filiale eröffnete, steht die schwäbische Gemeinde ohne Annahmestelle für Briefe und Pakete da. Jede Gemeinde unter 2.000 Einwohnern aber mit einer Postfiliale, muss damit rechnen, dass ihr dasselbe Schicksal bevorsteht. Nach Auskunft des statistischen Landesamtes haben derzeit 736 Gemeinden in Bayern weniger als 2.000 Einwohner.

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In Obergriesbach gibt es seit Anfang Oktober keine Postfiliale mehr. Die Gemeinde hat die notwendige Mindest-Einwohnerzahl nicht mehr, deshalb hat sich die Deutsche-Post-DHL-Group zurückgezogen. Ein Schicksal, das vielleicht auch anderen Orten droht.