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Post in Bayern: Weniger Briefe, mehr Pakete, viele Beschwerden | BR24

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Mehr Pakete, weniger Briefe - und immer mehr Beschwerden über falsch zugestellte oder verloren gegangene Sendungen. Das sind die Entwicklungen bei der Post in Bayern.

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Post in Bayern: Weniger Briefe, mehr Pakete, viele Beschwerden

Mehr Pakete, weniger Briefe - und immer mehr Beschwerden über falsch zugestellte oder verloren gegangene Sendungen. Das sind die Entwicklungen bei Postdienstleistern in Bayern.

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Die Zahl der Briefsendungen nimmt zwar jährlich um rund zwei Prozent ab. Doch dieser Rückgang ist im Vergleich zu anderen Ländern Europas noch moderat, heißt es im Jahresbericht 2018 der Bundesnetzagentur. Den Löwenanteil macht die Werbung aus - sowie geschäftliche und behördliche Post. Denn Unterschriften zählen in Deutschland häufig nur auf Papier.

Briefe auf Papier werden seltener

Die Privatpost hingegen beträgt bei den Briefen nur ganze zwei Prozent - das sind bundesweit täglich immerhin noch gut eine Millionen Stück. Wer unzufrieden ist mit der Gelben Post, der hat als Privatkunde allerdings so gut wie keine Alternative:

"Wenn sie Privatkundengeschäft anbieten würden, müssten sie ja flächendeckend Briefkästen aufstellen. Das ist ziemlich aufwendig und teuer – und das können sie nur in Ausnahmefällen in einigen Städten leisten. Was die Privaten aber tun ist, dass sie Geschäftspost einsammeln, und diese bei der Deutschen Post AG abgeben, dafür Rabatte erhalten. Und das ist der Vorteil für die Geschäftskunden, wenn sie mit denen zusammenarbeiten.“ Klaus Gettwart, Vorstand Anwenderverband Kommunikation (DVPT)

Die alternativen Postunternehmen schaffen gerade mal einen Umsatz-Anteil von 15 Prozent am deutschen Brief-Markt.

Paketdienste suchen Fahrer

Bei den Paketdiensten kommt die Konkurrenz der Post-Tochter DHL auf immerhin über 30 Prozent. Dank zunehmender Internet-Bestellungen und Retouren wächst der Paketmarkt so sehr, dass die Unternehmen in vielen Regionen bereits Fahrer suchen.

Die Beschwerden der Kunden haben sich in den letzten zwei Jahren allerdings verdreifacht. Weit über 1.000 Mal wurde allein in Bayern im letzten Jahr die Eingabestelle der Bundesnetzagentur wegen Postsendungen beschäftigt, heißt es im Jahresbericht. Klaus Gettwart sieht als Hauptgründe:

"Dass Briefe zu lange unterwegs sind. Falschzustellungen sind ein Thema – auch bei Paketen. Verlorengegangene Sendungen speziell bei Briefen. Zustellungen erfolgen nicht bei der betreffenden Person, sondern werden auf den Balkon geworfen oder in den Vorgarten gelegt. Man muss sagen, dass ein enormer Preisdruck gerade im Paketmarkt herrscht und dass die Löhne dort sehr gering sind. Und das drückt natürlich in Summe auch die Qualität.“ Klaus Gettwart, Vorstand Anwenderverband Kommunikation (DVPT)

Künftig Preisaufschläge für Zustellung zur Wohnung?

Die letzten Meter zum Kunden sind für die Paketdienste wegen der persönlichen Zusteller besonders teuer. Hier könnte es künftig Preisaufschläge geben, meint Gettwart:

"Das kann beispielsweise auch eine Spätzustellung gegen Aufpreis sein. Das gibt’s auch in anderen Ländern, dass man sagt: Ich arbeite – und gegen 20 Uhr soll dann das Paket kommen. Und dafür bin ich dann auch bereit, mehr zu bezahlen.“ Klaus Gettwart, Vorstand Anwenderverband Kommunikation (DVPT)

Nach einer Umfrage von Pricewaterhouse Coopers wäre die Hälfte der Deutschen sogar bereit, für die verlässliche Paketzustellung zur Haustür mehr zu zahlen. Ein DHL-Sprecher hat dies gegenüber dem BR dementiert. Sein Unternehmen setzt aber zum Beispiel auf den drastischen Ausbau von Packstationen - plus 3.000 auf bundesweit 7.000 in den nächsten zwei Jahren. An diesen Stationen müssen die Kunden ihr Paket selbst abholen.

Zustell-Roboter und Paket-Drohnen

Alternativen zum menschlichen Zusteller sind längst im Test: Hermes probiert in Hamburg Roboter als Lieferanten aus, die autonom durch die Straßen rollen. DHL hat schon Pakete per Drohne mit Medikamenten auf Nordseeinseln geschickt oder zur Winkelmoosalm in den Bayerischen Alpen. Jeder Flug braucht bisher eine behördliche Genehmigung.

Kommt die Kofferraumzustellung per App?

Erfolgreich getestet hat das Unternehmen die Kofferraumzustellung: Hier bekommt der Paketbote für Sekunden einen Code auf sein Handy, mit dem er den Kofferraum des Kunden öffnen kann. Er legt das Paket hinein, klappt zu und der Kofferraum ist wieder verschlossen. Voraussetzung: Der Autohersteller baut diese Technik künftig mit ein.