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Viele Corona-Patienten leiden an Spätfolgen. Bei Cornelia Raithel aus Münchberg spielte drei Monate nach Ausbruch von Covid-19 der Blutdruck verrückt. Sie bekam eine Lungenentzündung. Im Internet tauschen sich Betroffene des Post-Covid-Syndroms aus.

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Post-Covid-Syndrom: Betroffene schildern mehr als 100 Symptome

Viele Corona-Patienten leiden an Spätfolgen. Bei Cornelia Raithel aus Münchberg spielte drei Monate nach Ausbruch von Covid-19 der Blutdruck verrückt. Sie bekam eine Lungenentzündung. Im Internet tauschen sich Betroffene des Post-Covid-Syndroms aus.

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Von
  • Ulrike Lefherz

Bei vielen Corona-Patienten ist nach einer überstandenen Infektion nicht alles erledigt. Sie sind noch monatelang körperlich schwach, leiden unter Konzentrationsschwierigkeiten, Herzrasen, Gedächtnisproblemen. Ärzte sprechen vom Post-Covid-Syndrom. Bei der 36-jährigen Heilerziehungspflegerin Cornelia Raithel aus Münchberg im Landkreis Hof spielte der Blutdruck verrückt – allerdings erst zwei Monate nach der überstandenen Corona-Infektion.

Heilerziehungspflegerin kann erst nach Wochen wieder arbeiten

Cornelia Raithel arbeitet in einer Kinderkrippe. Im März 2020 infizierte sie sich mit dem Coronavirus. Fast vier Wochen lag sie mit hohem Fieber und Durchfall zu Hause im Bett, erst nach sechs Wochen konnte sie wieder zur Arbeit gehen. Doch weitere sechs Wochen später kam die Krankheit zurück. Sie litt sie unter extremer Müdigkeit, es entwickelte sich ein Pfeifen in der Lunge, der Blutdruck ging rauf und runter.

Ärzte stellen eine "kalte Lungenentzündung" fest

Die Ärztinnen vor Ort betreuen Raithel sehr aufmerksam, kontrollieren die Lunge, verschreiben Antibiotikum und schicken sie, als gar nichts hilft, schließlich ins Krankenhaus. Weitere Corona-Tests sind negativ. Die Ärzte im Krankenhaus diagnostizieren eine "kalte Lungenentzündung": eine Lungenentzündung ohne Fieber. Eine Woche lang liegt die 36-Jährige Ende Juni 2020 im Krankenhaus.

Extrem hoher und extrem niedriger Blutdruck festgestellt

Im Krankenhaus spielt Raithels Blutdruck verrückt. Beim Aufsetzen im Bett beginnt sie zu zittern, das Umdrehen gelingt nur mit Mühe. Innerhalb weniger Minuten wechselt der Blutdruck zwischen extrem hoch und extrem niedrig, erzählt Raithel. Dabei seien Befunde von EKG und Herz-Ultraschall völlig unauffällig gewesen. Fieberhaft suchen Ärztinnen und Ärzte nach den Ursachen für die Symptome. Sie diagnostizieren schließlich ein Post-Covid-Syndrom.

Cornelia schließt sich einer Online-Selbsthilfegruppe an

Raithel trainiert sich nach der wochenlangen erneuten Schwäche wieder Kraft an, geht regelmäßig zum Schwimmen. Ab August kann sie wieder zur Arbeit gehen. Doch verstopfte Nebenhöhlen und Asthma plagen sie weiterhin. Raithel hat sich nun einer der ersten Online-Selbsthilfegruppen in Bayern angeschlossen.

Immer mehr Betroffene mit Post-Covid-Syndrom

Raithel stieß auf eine Facebook-Gruppe, in der sich Betroffene des Post-Covid-Syndroms zusammengeschlossen haben und austauschen. Rund 60 Prozent von ihnen sind nach Angaben der Initiative jünger als 45 Jahre. Mehr als 2.000 Betroffene haben sich bisher dort gemeldet, täglich kämen zehn bis 20 hinzu, so die Initiative. 45 Prozent der Langzeitbetroffenen könnten nicht mehr Vollzeit arbeiten, rund 22 Prozent seien komplett arbeitsunfähig. Auf einer Webseite informiert die Gruppe über Erfahrungen mit Diagnosen, Reha-Einrichtungen und bereits laufenden Forschungen.

Konzentrationsschwierigkeiten, Herzrasen, Gedächtnisprobleme

Wie sich das Post-Covid-Syndrom äußert, ist noch weitgehend unbekannt. Die Facebook-Gruppe Langzeitbeschwerden berichtet von etwa 100 verschiedenen Symptomen, die von den rund 2.000 Betroffenen geschildert werden. Gemeinsam haben viele Herz-Kreislauf-Probleme oder Einschränkungen des Nerven-oder Immunsystems. Konzentrationsschwierigkeiten, Herzrasen, Gedächtnisprobleme können Symptome des Post-Covid-Symptoms sein. Jeder Verlauf sei anders, heißt es. Viele der Beschwerden seien bislang nicht ausreichend im Zusammenhang mit Covid-19 erforscht.

Betroffene fordern Nachbetreuung in klinischen Ambulanzen

Die Betroffenen wollen eine Anerkennung des Post-Covid-Syndroms als Krankheit. Sie fordern die Einrichtung von klinischen Ambulanzen, die sich auf die Nachbetreuung von Langzeit-Erkrankten spezialisieren. Es müsse noch mehr wissenschaftliche Studien geben, die das Post-Covid-Syndrom erforschen, so die Initiative "C19 Langzeitbeschwerden".

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Bei Cornelia Raithel spielte drei Monate nach Ausbruch von Covid-19 der Blutdruck verrückt. In Online-Gruppen tauschen sich Betroffene aus.

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