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Porzellanikon: Ausstellung zur Kulturhauptstadt-Bewerbung | BR24

© BR/Axmann

Wolfgang Schilling plant eine Sonderausstellung über den Niedergang der Porzellanindustrie.

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    Porzellanikon: Ausstellung zur Kulturhauptstadt-Bewerbung

    Der Landkreis Wunsiedel begleitet die Bewerbung Nürnbergs zur Kulturhauptstadt 2025 mit unterschiedlichen Projekten. Das staatliche Museum Porzellanikon geht in der geplanten Ausstellung "Schleudergang" dem Zusammenbruch der Porzellanindustrie nach.

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    Kaolin, Quarz und Feldspat sind die Rohstoffe, die es für die Porzellan Herstellung braucht. Mit diesen drei Zutaten und Carolus Magnus Hutschenreuther beginnt 1814 in Hohenberg an der Eger im Landkreis Wunsiedel ein Stück Industriekultur und Geschichte in Oberfranken. Ein Stück Geschichte, das sich auswirkt auf Deutschland, das Gütesiegel "Made in Germany" und die ganze Region.

    "Das ist eine Industrie, die aus der Region gelebt hat. Das bedeutet, die Rohstoffe sind von hier gekommen. Porzellan ist für die Identität wichtig. Es ist immer noch das Wichtigste, was diese Region ausmacht." Wolfgang Schilling, stellvertretender Direktor Porzellanikon

    Selb: Das Zentrum der Porzellanindustrie

    Porzellan prägt das Leben in Region und auch das Ortsbild. In kleinen Orten wie Schönwald standen plötzlich sechsstöckige Fabriken, in die morgens 2.000 Arbeiter strömten. Selb wird mit Hutschenreuther und Rosenthal zum Zentrum der Porzellanindustrie. "Alles hat sich auf diese Fabriken bezogen, alles hat sich um diesen Arbeitgeber gedreht – es gab kaum Orte hier drum herum, die nicht in irgendeiner Weise von der Porzellanindustrie gelebt haben", so Wolfgang Schilling, stellvertretender Direktor des Porzellanikons.

    Vom Boom zum totalen Zusammenbruch

    Teilweise rauchten 150 Grundöfen rund um Selb. Die Wäsche auf der Leine wurde schwarz und rauchig, wenn der Wind aus der falschen Richtung kam. Vom Rauchen und Dampfen, vom Glasieren und Brennen, von Dekor Design und kreativen Künstlern, die nach Selb kamen, von der Bauhaus und Glamour ging es in den 1990 Jahren plötzlich zum totalen Zusammenbruch. "Da waren Menschen betroffen, die über Generationen, über Jahrzehnte hinweg in der Porzellanindustrie gearbeitet haben. Da waren ganze Familien betroffen", erzählt Kurator Wolfgang Schilling weiter. "Schulen mussten verkleinert werden, Geschäfte wurden geschlossen, es gab Wegzug. Die ganze Infrastruktur wurde mehr oder weniger zusammengedampft."

    Ausstellung Schleudergang: Der Niedergang des Porzellanzeitalters

    Wie die Region mit diesem Einschnitt zurechtkam und -kommt, das will die Ausstellung "Schleudergang" erfahrbar machen. Hierfür werden viele Interviews geführt mit unterschiedliche Persönlichkeiten, die den Niedergang des Porzellanzeitalters erlebt haben, was er persönlich mit ihnen gemacht hat und wie es dann weiterging.

    Arbeiter der Porzellanindustrie kommen zu Wort

    Die Ausstellung erzählt vom Arbeiter über den Designer, von Politikern und Familien, bei denen ganze Generationen in der Porzellanindustrie gearbeitet haben. Das Konzept der Ausstellung sieht vor, die "kleinen Leute" zu Wort kommen zu lassen. Es ist ein großes "Oral-History Recherche-Projekt", das nebenbei die politischen und europäischen Bezüge zeigt. Es geht um Emotionen und um die ureigene Geschichte.

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