BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Portal für Impftermine: Große Nachfrage, einige Hindernisse | BR24

© BR

Fast 100 Impfzentren in Bayern warten weiter auf einen vollen Betrieb. Wer in Bayern wohnt, kann ab heute auf einer neuen Webseite einen Impftermin beantragen. Das soll helfen, dass niemand beim Impfen vergessen wird.

8
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Portal für Impftermine: Große Nachfrage, einige Hindernisse

Impfwillige können sich jetzt online für eine spätere Terminvergabe registrieren - erstmal sollen das aber nur die priorisierten Gruppen tun. Doch vielen über 80-Jährigen und ihren Angehörigen bereitet das Portal Kopfzerbrechen.

8
Per Mail sharen
Von
  • Simon Plentinger
  • Christina Metallinos
  • Katharina Pfadenhauer

Peter Kraus aus München ist verunsichert. Der 80-Jährige hat noch nichts gehört, wann und wo seine Corona-Impfung stattfinden soll. "Ich habe gedacht, das wird einem per Post zugeschickt. Ich habe kein Handy und bin auch nicht online zu erreichen." Seine Internet-Affinität bezeichnet er selbst als "null Komma null". Er besitzt auch keine eigene E-Mail-Adresse.

So dürfte es einigen Menschen in dieser Altersgruppe in Bayern gehen. Sie sollen priorisiert als erste geimpft werden. Doch sich online für eine Impfung zu registrieren ist für Kraus keine Option: "Weil ich das nicht kann und keine Möglichkeit dazu habe. Ich weiß, wenn ich ehrlich bin, gar nicht genau was das ist."

Online registrieren – später Impftermin bekommen

Am Montag ist in Bayern das Online-Portal BayIMCO gestartet – es steht für: "Bayerisches Impfmanagement gegen Corona". Damit lässt sich nicht mehr nur telefonisch oder direkt bei den Impfzentren einen Termin ausmachen, sondern auch zentral im Netz. Unter www.impfzentren.bayern sollen sich Impfwillige registrieren. Mit eigener E-Mail und Passwort können sie einen Account anlegen. Daraufhin müssen die Nutzer einige persönliche Fragen beantworten.

Eine schnelle Registrierung führt aber nicht unbedingt zu einem schnellen Impftermin. Laut Gesundheitsministerium läuft die Vergabe weiter streng nach der Priorisierung der Gruppen in der Bevölkerung. Darum werden bei der Registrierung etwa das Alter und Risikofaktoren wie Vorerkrankungen abgefragt – oder ob man beispielsweise in der Pflege, im Schulwesen oder Einzelhandel arbeitet. Laut dem Sprecher der Taskforce Coronapandemie, Marcus da Gloria Martins, wird dann innerhalb des Systems überprüft werden, ob jemand tatsächlich zu den priorisierten Gruppen gehört. Ist das der Fall, kann später ein Impftermin vorgeschlagen werden.

Vorerst sollen sich nur Risikogruppen anmelden

Die Nachfrage ist jedenfalls groß: Dem Bayerischen Rundfunk berichteten mehrere Menschen, die sich online anmelden wollten, dass die Plattform zeitweise nicht erreichbar war. Anscheinend war das System überlastet. Der neue Gesundheitsminister Klaus Holetschek berichtete in der Rundschau im BR Fernsehen, in den ersten Stunden nach Freischaltung des Portals hätten sich bereits gut 130.000 Menschen registriert.

Da zunächst nur die priorisierten Gruppen geimpft werden, bittet Holetschek darum, dass sich zunächst nur Mitglieder der Prioritätengruppen 1 und 2 anmelden. Also etwa Menschen über 70, Vorerkrankte, oder Mitarbeiter in medizinischen Einrichtungen. Wer nicht dazu gehört, soll sich im Moment noch nicht anmelden. Wer sich dennoch anmeldet, verursacht zusätzlichen Aufwand. Denn jeder Fall werde geprüft, heißt es vom Gesundheitsministerium. Falsche Angaben führten zwar vielleicht zu einem Termin – aber noch lange nicht zu einer Impfung. Denn laut dem Sprecher der Taskforce Coronapandemie wird spätestens vor Ort noch einmal überprüft, ob die Impfwilligen tatsächlich die Kriterien erfüllen.

© BR

Gut 120.000 Menschen in Bayern haben die erste Corona-Impfung bereits erhalten. Weit mehr haben sich am ersten Tag des digitalen Impfportals angemeldet. Im Rundschau-Interview erläutert Gesundheitsminister Holetschek, CSU, die nächsten Schritte.

Nur eine Registrierung pro E-Mailadresse

Doch gerade viele ältere Menschen, wie Peter Kraus, dürfte die Registrierung vor Probleme stellen. Wenn sie, wie der 80-Jährige, selbst keine E-Mailadresse haben oder sich nicht genug im Internet auskennen, versuchen möglicherweise ihre Angehörigen, das für die zu erledigen. Doch das stellt die Verwandten vor weitere Herausforderungen: Eine BR24-Userin aus München berichtet, sie wollte ihre über 80-jährigen Eltern im Impfportal anmelden. Pro E-Mailadresse lässt sich aber nur eine Person registrieren. "Das war dann meine Mutter. Wir haben im Familienchat geklärt, wer meinen Vater registriert“, so die Userin. Das habe dann ihre Nichte übernommen, die zwei E-Mailadressen besitzt. Es könne doch nicht sein, meint sie, dass man die Eltern und sich selbst nicht unter einer Mailadresse registrieren kann. "Dafür müssen die Leute jetzt neue Mailkonten aufmachen. Ein unsinniger Aufwand!“

Der Grund dafür, eine Registrierung an eine einzelne Mailadresse zu koppeln, ist laut Gesundheitsministerium, dass man digital mit den Registrierten auch in Kontakt treten möchte, etwa für Rückfragen und eben auch um einen möglichen Impftermin mitzuteilen. Bei Familienmailadressen oder mehreren Registrierten pro Adresse wäre das so leicht nicht möglich. Das bedeutet aber im Umkehrschluss auch: Wer eine extra E-Mailadresse für die Registrierung von älteren Verwandten anlegt oder etwa eine Zweit-Mailadresse verwendet, muss diese auch regelmäßig abrufen. Nur so können Rückfragen auch beantwortet und ein Impftermin mitgeteilt werden.

Terminvergabe weiter abhängig von Impfstoff-Lieferungen

Wann tatsächlich Impftermine über das Portal vergeben werden, ist derzeit noch unklar. Ob Termine vergeben werden können, hängt laut Ministerpräsident Markus Söder nach wie vor davon ab, ob Impfstoff vorhanden ist. Dem BR sagte Söder: "Es wird in Bayern jetzt geimpft, was geht. Mein Eindruck ist, dass es jetzt ganz gut läuft. Aber es hängt in den nächsten Wochen entscheidend davon ab, dass wir mehr Impfstoff bekommen."

Impf-Termine werden laut Gesundheitsministerium neben der neuen Möglichkeit im Internet auch weiterhin telefonisch, zum Beispiel in den regionalen Impfzentren, oder über die bundesweite Zentralnummer 116 117 vergeben. Laut dem Vorsitzenden des Bayerischen Landkreistags, Christian Bernreiter (CSU) müssen sich diejenigen, die sich bereits auf einem solchen Weg für eine Impfung haben vormerken lassen, nicht zusätzlich online über das Portal BayIMCO registrieren.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!