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Polizisten auf Fahrrädern - warum so viele dafür sind | BR24

© Hermann Scholz/BR

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) fordert mehr Fahrradpolizisten für Bayern. Er erhofft sich davon mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Auch die Polizei selbst sieht Vorteile - allerdings andere als der Fahrradclub.

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Polizisten auf Fahrrädern - warum so viele dafür sind

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) fordert mehr Fahrradpolizisten für Bayern. Er erhofft sich davon mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Auch die Polizei selbst sieht Vorteile - allerdings andere als der Fahrradclub.

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In Bayern sollte es künftig mehr Radl-Polizeistreifen geben, so lautet die Forderung des Fahrradclubs. Dem ADFC zufolge würden die Beamten auf dem Zweirad eine Vorbildfunktion für andere Verkehrsteilnehmer bieten, in der Stadt schneller vorankommen und bei Entscheidungen mehr auf die Sicht von Radlern achten.

"Da findet bei den Polizisten ein Perspektivwechsel statt. Sie sehen alles nicht nur aus der Windschutzscheibenperspektive, sondern fahren selbst auf den Fahrradwegen herum, und merken dann, wie unangenehm es ist, wenn man ständig absteigen muss oder sich in den fließenden Verkehr einfädeln müsste." Bernadette Felsch, Landesvorsitzende ADFC Bayern

Präsidien entscheiden selbst, ob sie Polizisten aufs Rad schicken

Bereits im Jahr 2016 stellten die Grünen im Landtag einen Antrag auf mehr Polizei-Fahrradstreifen. Mehr als 50 Prozent aller Polizeiinspektionen hatten zu diesem Zeitpunkt Dienstfahrräder.

Inspektionen in München, Erlangen und Passau testeten dann 2017 Uniformen für Radlpolizisten. In manchen Regionen wie Unterfranken nutzt man die Radlstaffeln bei der Polizei nur bei bestimmten Anlässen. In anderen bayerischen Städten wie Augsburg und Passau gehören die Radlstreifen bereits zum Alltag.

Das Innenministerium steht dem Polizeibeamten auf dem Fahrrad grundsätzlich positiv gegenüber, will es aber den einzelnen Polizeipräsidien überlassen, ob und wie viele Polizisten auf dem Radl unterwegs sein sollen.

Passau: Positive Erfahrungen mit der Radlstreife

Erfahrungen mit Polizisten auf Fahrrädern hat zum Beispiel die Polizeiinspektion Passau. Dort nutzt man seit zwei Jahren regelmäßig Fahrräder, um Streife zu fahren: Im Schnitt sind vier Beamte zwei- bis dreimal pro Woche auf dem Radl unterwegs. Die Beamten sind begeistert von den Möglichkeiten, die sie mit dem Fahrrad haben – aber weniger deshalb, weil sie den Verkehr sicherer machen; sie berichten, dass sie mit dem Radl einfach wendig und flink sind und an Orte kommen, die ihnen mit dem Auto nicht zugänglich sind. Zum Beispiel auf den Wiesen am Innufer.

Drogendealer auf frischer Tat ertappt

Tagsüber sonnen sich dort Studenten - abends aber kommt die Drogenszene hierher, die nächste Straße mit möglichen Polizeiautos ist fern, hier fühlt sie sich sicher. Ein Fehler: Schon öfter haben Ertappte ihre Drogen in den Inn gekippt oder panisch von sich geworfen, wenn unerwartet die Polizisten auf dem Fahrrad hinter ihnen aufgetaucht sind, berichten Beamte aus Passau.

"Das ist das Schöne dran - weil die rechnen nicht damit, dass wir auf Zweirädern, also auf normalen Zweirädern, auf nicht motorisierten Zweirädern heranfahren und kontrollieren. Wir sind nicht gleich sichtbar für sie. Und das ist natürlich ein großer Vorteil für uns." Alexandra Lachhammer, Polizeiinspektion Passau

Polizisten in Passau mit e-Bikes unterwegs

Alexandra Lachhammer sagt auch: Die Passauer Bürger würden sehr positiv auf die Radlpolizei reagieren – denn die Polizisten seien zugänglich, ansprechbar, das Gespräch sei viel leichter, als wenn man nur mit dem Auto Streife fahre.

Und noch etwas: Die Bewegung sei eine schöne Abwechslung zur Büroarbeit. Die Passauer Polizisten nutzen übrigens Pedelecs – der elektrische Hilfsmotor ist im hügeligen Passau durchaus praktisch.

Berlin macht es vor

Den Erfolg, den Radlstreifen mit sich bringen, zeigt das Beispiel Berlin. Laut einer Untersuchung der Unfallforscher der Deutschen Versicherer hat sich seit dem Einsatz der Radlpolizisten die Verkehrssituation deutlich gebessert: Die Zahl schwerer Unfälle nahm ab, da verstärkt an Unfallschwerpunkten kontrolliert wurde, Fahrradfahrer beachteten die Verkehrsregeln mehr und es gab mehr Strafzettel für Falschparker auf Radwegen.

Fahrradkurier lobt Vorschlag des ADFC

Stefan Kerscher ist seit 1997 Fahrradkurier in München. Ihm zufolge gibt es immer mehr Radfahrer in der Stadt, während die Infrastruktur hinterherhinkt. Das führe zu einer steigenden Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr. Kerscher unterstützt daher die Forderung des ADFC.

"Die Erfahrungen, die ich damit gemacht habe, sind eigentlich - möchte man nicht glauben als Fahrradkurier - eher positiver Art, weil die Polizisten aus der Fahrradperspektive für Ordnung im Straßenverkehr sorgen. Schon allein durch ihr bloßes Dasein oder die Drohung, dass sie irgendwo da sind, fahren die Leute schon ein bisschen disziplinierter." Stefan Kerscher, Fahrradkurier
© BR

Fahrradkurier Stefan Kerscher ist sich sicher, dass Fahrradpolizisten die aktuelle Verkehrslage verbessern könnten.

Ausrüstung bis Frühling 2020

Der nächste Schritt liegt nun in den Händen des Bayerischen Innenministeriums. Dort soll bis Frühling nächsten Jahres Ausrüstung und Funktionskleidung für die Radlpolizei ausgesucht werden.

© BR

In einigen Städten in Bayern sind sie schon seit einiger Zeit unterwegs: Polizisten auf Fahrrädern. Was ist dabei ihr spezielles Aufgabengebiet, was können Radlpolizisten, was andere nicht können?