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Erlanger Polizist gründet Notfalldienst für Gehörlose | BR24

© BR/Tom Fleckenstein

Ein Polizist, der auch ehrenamtlicher Sanitäter ist, konnte einst bei einem Notfall mit seinen Kenntnissen der Gebärdensprache aushelfen. So kam ihm die Idee Retter entsprechend auszubilden. Bislang ist das Proekt einzigartig.

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Erlanger Polizist gründet Notfalldienst für Gehörlose

In Erlangen hat der Polizist, ehrenamtliche Rettungssanitäter und zweifache Familienvater Kai Bartholomeyczik einen gebärdensprachlichen Notfalldienst für Gehörlose ins Leben gerufen. Das ist bislang einmalig in Deutschland.

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"Es ist unbezahlbar, wenn man das Gefühl hat, man kann jemandem helfen", erklärt der zweifache Familienvater Kai Bartholomeyczik seine Idee. Sie könnte Schule machen und dann anderen weiterhelfen, hofft er, denn unsere Gesellschaft sei "noch nicht so wachgerüttelt für die Bedürfnisse gehörloser Menschen."

Hörende und Gehörlose - noch immer zwei verschiedene Welten

Hörende und Gehörlose – das sind tatsächlich immer noch zwei Welten. Kai Bartholomeyczik hat für sein Notfall-Projekt acht Ehrenamtliche gefunden, die mithelfen. Eine von ihnen ist Judit Nothdurft.

Die Mutter von zwei gehörlosen Söhnen beherrscht perfekt die Gebärdensprache und kennt die speziellen Sorgen und Nöte der Betroffenen. "Wenn ein Arzt, die Polizei oder die Feuerwehr gebraucht werden, dann sind das immer Stresssituationen", weiß sie. Und für Gehörlose sei es noch schwieriger, ohne Unterstützung mit Hörenden zu kommunizieren.

Hilfe von BRK und Feuerwehr

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) und die Feuerwehr Erlangen unterstützen den Notdienst, der bislang einmalig in Deutschland ist. Als Polizist auf Streife hat Kai Bartholomeyczik festgestellt, dass es Vorteile hat, wenn man die Gebärdensprache beherrscht. Vor 15 Jahren hat er deshalb begonnen, sie zu erlernen.

Gebärdendolmetscher als Brückenbauer

Damit baut er Brücken. Wie bei den Erste-Hilfe-Kursen, die er für Gehörlose und Hörende gibt. Christoph Riek ist von Geburt an gehörlos. Der Diplombiologe arbeitet an der Uni Erlangen und engagiert sich ehrenamtlich bei der Wasserwacht. Oft bräuchte er einen Gebärdendolmetscher. Doch davon gibt es – trotz gesetzlichem Anspruch - aber viel zu wenige.

"Die Welt der Hörenden kenne ich gar nicht, ohne Hörgeräte weiß ich nicht, wie es ist, wenn ein Vogel zwitschert oder wie sich eine Geige anhört. Aber ich vermisse es auch nicht, weil ich so aufgewachsen bin. Deswegen ist es für mich persönlich kein Handicap. Ein Handicap wird es, wenn ich mit anderen Menschen kommunizieren muss." Christoph Riek, von Geburt an gehörlos

Die gebärdensprachliche Notfallunterstützung von Kai Bartholomeyczik ist vom Bundesinnenministerium für den "Förderpreis helfende Hand für ehrenamtliches Engagement" nominiert worden.

Hier der komplette Beitrag aus dem Magazin mehr/wert im BR Fernsehen:

© BR

Rettungskräfte kommen, aber Gehörlose können die Helfer nicht verstehen - ein Horrorszenario: Kein einziger Rettungsdienst beherrscht die Gebärdensprache. Abhilfe kommt jetzt aus Mittelfranken.

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