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Der "Urlaub dahoam" wird für einige bayerische Gebiete zum echten Problem: Der Tagestourismus ufere aus, wie Olaf von Löwis, Landrat von Miesbach, in einer SMS an Markus Söder schreibt - und diesen um Hilfe bittet.

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Polizei will Ausflugsverkehr in Oberbayern stärker kontrollieren

Während des Corona-Lockdowns zieht es gerade viele Ausflügler in die Berge. Die Folge: lange Staus und Regionen, die um Hilfe rufen. Lokal will die Polizei mehr kontrollieren. Gibt es bald auch höhere Strafen und eine Straßensperrung am Spitzingsee?

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Von
  • Andreas Halbig
  • Melanie Marks
  • BR24 Redaktion

Olaf von Löwis hat seinem Unmut Luft gemacht. "Bei uns ufert der Tagestourismus aus", hat der Landrat von Miesbach in einer SMS an Markus Söder und Ilse Aigner geschrieben und den Ministerpräsidenten und die Landtagspräsidentin um Hilfe gebeten. Es brenne wirklich, so von Löwis.

Anlass war der Andrang am Wochenende. Bilder von überfüllten Parkplätzen und Ausflügler, die gar nicht erst so weit kamen: Dreieinhalb Kilometer staute sich der Verkehr am Spitzingsattel. Landrat Olaf von Löwis wünscht sich Unterstützung von Seiten der Staatsregierung, sprich: an Stelle von Appellen strikte Regeln für die Ausgangsbeschränkung.

Furcht vor Überlastung des Krankenhauses

Er verstehe ja, dass jeder bei schönem Wetter in die Natur wolle. Aber man stecke nun mal mitten in einer weltweiten Pandemie. Und da befürchte er, dass das örtliche Krankenhaus überlastet werde, wenn zu den an Corona Erkrankten auch noch mögliche Unfälle von Tagestouristen kämen. "Wir müssen schauen, dass unser Krankenhaus leistungsfähig bleibt, wir müssen uns auf die Corona-Erkrankten konzentrieren und deren Behandlung", so von Löwis.

Ähnliche Sorgen wie den Miesbacher Landrat treiben auch den stellvertretenden Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, Jörg Müller, um. Gerade am vergangenen Sonntag seien viele Besucher in das Schutzgebiet gekommen. Autos hätten nicht nur Rettungswege blockiert, einzelne Besucher seien auch kreuz und quer durch das Kerngebiet des Nationalparks gelaufen, was empfindliche Tierarten wie das Auerhuhn in ihrer Winterruhe störe.

Strafen zu niedrig

Die Strafen, mit denen das geahndet werden kann, seien zu niedrig: "Es wäre jedenfalls wünschenswert, dass es eine Höhe kriegt, dass man sagt: jawoll, also zu den Preisen überleg ich es mir wirklich, ob ich die Regeln einfach so bewusst missachte", meint Jörg Müller. Auch er hätte gerne eine bayernweite Regelung des Ausflugsgeschehens.

Auf Nachfrage des BR lehnte Innenminister Joachim Herrmann solche Wünsche jedoch ab. "Wir appellieren natürlich an alle Bürgerinnen und Bürger, auch bei ihren Ausflügen die Abstände zu wahren und zu vermeiden, dass es da zu größeren Ansammlungen kommt," sagte er dem BR. Auf der anderen Seite gelte aber das Recht auf freien Genuss der Natur und man habe jetzt nicht vor, weitere Beschränkungen zu erlassen.

Polizei will Ausflugsverkehr stärker kontrollieren

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd will jedoch den Ausflugsverkehr verstärkt kontrollieren und die geltenden Strafen konsequent zur Anwendung bringen. Das hat es am Nachmittag in einer Pressemitteilung bekannt gegeben. Gerade an schönen Dezembertagen habe man einen "erhöhten Ausflugsverkehr" in den Bergregionen festgestellt, so heißt es in der Mitteilung. Zeitweise habe dieser zu kilometerlangen Staus auf den Zufahrtstraßen geführt.

Um die Verkehrssicherheit aufrecht zu erhalten, soll deswegen verstärkt kontrolliert werden. Die Bayerische Bereitschaftspolizei unterstützt dabei. Verstöße sollen konsequent bestraft werden, etwa mit Bußgeldern oder einer Anzeige. Außerdem appelliert das Polizeipräsidium an die Menschen, zu Hause zu bleiben, oder die Regeln im Straßenverkehr und für den Parkraum zu beachten.

Tourismus-Hotspots müssen alleine klarkommen

Dem Nationalpark Bayerischer Wald bleibt also um den Jahreswechsel herum nur, mehr Ranger rauszuschicken, um die Besucher an die Regeln zu erinnern. Miesbachs Landrat Olaf von Löwis lässt jetzt rechtlich prüfen, ob es möglich ist, die Zufahrtsstraße zum Spitzingsattel zu sperren.

Die Region Tegernsee-Schliersee beschreibt in ihrem aktuellen Ausflugsticker noch eine andere Lösung. Es sei denkbar einfach, diesem Problem Einhalt zu gebieten: Man müsse auf Wintersport und auf Ausflüge in die touristischen Hotspots verzichten und wohnortnah Erholung suchen. Spazieren gehen, laufen gehen, Radfahren sei möglich, niemand müsse zu Hause sitzen und nichts tun, nur eben auf Bergtouren solle man gerade verzichten.

Region Tegernsee-Schliersee: "Wenn es sich staut - umkehren"

Wen es doch hinauszieht, der solle umkehren, wenn es sich staut. Eine 3,5 Kilometer lange Stauschlange zum Spitzingsattel solle ein ausreichend deutlicher Hinweis auf Überfüllung sein.

Wer umkehren müsse, sollte Alternativen parat haben: Wanderschuhe einpacken und spazieren gehen, das sei ein lohnendes Ersatzprogramm. Ansonsten gelte wie immer und überall: Abstand zu anderen Menschen halten - Menschengruppen meiden. Maske tragen, wenn es voll wird, für sich und für die anderen. Es gehe darum, risikoarm unterwegs zu sein und zur Not auf das Skifahren oder Rodeln zu verzichten.

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Nach dem Ansturm von Ausflüglern am Wochenende liegen die Nerven in vielen Gemeinden blank, es gab sogar einen Brandbrief an Regierungschef Söder. Innenminister Herrmann sieht jedoch keinen Handlungsbedarf.

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