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Polizei sieht Suchaufrufe in sozialen Medien kritisch | BR24

© BR/Veronika Scheidl

Suchaufrufe über soziale Medien: Für die Polizei Fluch und Segen zugleich

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Polizei sieht Suchaufrufe in sozialen Medien kritisch

Soziale Medien wie Facebook und Twitter werden von Privatpersonen genutzt, um Vermisstenmeldungen zu posten und zu teilen. Für das Polizeipräsidium Schwaben Nord sind solche Suchmeldungen Fluch und Segen zugleich.

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Es sind zwei ganz aktuelle Fälle: Zwei Kinder wurden in Bobingen vermisst. Ein Teilnehmer des Hörnerlaufs im Oberallgäu kam nicht im Ziel an und wurde auch als vermisst gemeldet. Alle tauchten wohlbehalten wieder auf. Und in beiden Fällen gab es private Suchmeldungen via Facebook. Die Polizei sieht diese Suchaufrufe kritisch.

Im Netz wird viel spekuliert

Für das Polizeipräsidium Schwaben Nord seien diese Suchmeldungen via Facebook und Co. Fluch und Segen zugleich, sagt Polizeisprecher Siegfried Hartmann dem BR. "Das Gute ist, dass über Facebook viele Menschen dank des Teilens eines Posts schnell erreicht werden", sagt Hartmann. Das Kontraproduktive dabei aber seien die Kommentare unter einem solchen Post. Unter denen befänden sich oftmals Spekulationen über den Verbleib von Personen. Nicht alles, was in den sozialen Medien kolportiert werde, stimme auch, sagt Hartmann.

"Man muss die Polizei in Ruhe arbeiten lassen"

Oft stellten User auch die polizeiliche Arbeit in Frage - so auch im Fall der vermissten Kinder in Bobingen. Hier hätten User der Polizei unter anderem Vorwürfe gemacht, warum die Beamten denn keine Suchhunde einsetze. "Das war in diesem Fall einfach nicht möglich, weil es gar keinen Anhaltspunkt gegeben hat, von wo aus wir die Hunde hätten ansetzen können", erklärt Polizeisprecher Hartmann.

Es stehe jedem User frei, Suchmeldungen zu posten, das sei heutzutage fast schon Standard. Aber man müsse die Polizei in Ruhe arbeiten lassen. "Wir als Polizei tragen nicht jede einzelne Erkenntnis an die Öffentlichkeit. Wir hatten im Fall Bobingen bereits mehr Kenntnisse, konnten diese aber aus guten Gründen nicht herausgeben. Das hatte mit dem Wohl der Kinder zu tun," sagt Hartmann.

Wann gilt jemand als vermisst?

Als vermisst gelte jemand, wenn sie oder er sich aus dem gewohnten Lebensumfeld entfernt hat oder es Anhaltspunkte auf einen möglichen Suizidversuch gibt. Bei vermissten Kindern oder Senioren, die eventuell auf Medikamente angewiesen sind, reagiere man natürlich schneller. Auch hänge es von der Jahreszeit und dem Wetter ab: An kalten Wintertagen müsse man natürlich ebenfalls schneller aktiv werden.

Polizei sucht manchmal auch selbst über soziale Medien

Dass die Polizei selbst auch eine Vermisstensuche über die sozialen Medien herausgibt, sei stark einzelfallabhängig, sagt Hartmann. Allzu häufig käme es nicht vor. Das Social Media Team des Polizeipräsidiums Schwaben Nord dürfe aus Datenschutzgründen vieles nicht sofort posten. Im Fall Bobingen informierte das Team via Twitter, dass die Suchaktion beendet sei.

"Lieber einmal zu viel als gar nicht"

Polizeisprecher Siegfried Hartmann sagt, dass besser lieber einmal zu viel gesucht wird als gar nicht. Bei Sucheinsätzen von Polizei und anderen Organisationen bleibe der oder die Gesuchte auch nicht auf den Kosten sitzen. "Wenn Gefahr für Leib und Leben und berechtigte Sorgen um eine Person bestehen, dann ist das Polizeiaufgabe." Anders sei das natürlich, wenn absichtlich der Notruf missbraucht werde.