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Bildrechte: pa/dpa/Christian Charisius

Die offizielle Zahl antisemitischer Straftaten in Bayern steigt. Auch 2020 erfasste die Polizei viele Delikte: volksverhetzende Äußerungen, Bedrohungen, sogar Fälle von Körperverletzung. Fast immer sind die Fälle rechtsextremistisch motiviert.

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Polizei registriert mehr judenfeindliche Straftaten in Bayern

Die offizielle Zahl antisemitischer Straftaten in Bayern steigt. Auch 2020 erfasste die Polizei viele Delikte: volksverhetzende Äußerungen, Bedrohungen, sogar Fälle von Körperverletzung. Fast immer sind die Fälle rechtsextremistisch motiviert.

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Von
  • Maximilian Heim

Judenfeindliche Kommentare im Internet, Verschwörungsmythen zu Corona, Beleidigungen und Gewalt: Antisemitismus hat verschiedene Ausprägungen. Im vergangenen Jahr hat die Polizei in Bayern 353 antisemitische Delikte registriert. Davon fällt der größte Teil in die Kategorie Volksverhetzung, dazu kommen unter anderem Beleidigungen, Bedrohungen oder das Verwenden bestimmter Kennzeichen. In acht Fällen kam es sogar zu Körperverletzung oder gefährlicher Körperverletzung - alle Täter handelten dabei aus rechtsextremistischen Motiven.

Die Zahlen stammen vom bayerischen Innenministerium, als Antwort auf eine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Markus Rinderspacher. Die Statistik zeigt auch: Was für alle acht Gewalttaten gilt, gilt auch für die allermeisten anderen judenfeindlichen Delikte - sie waren rechtsextremistisch motiviert. 96 Prozent der Straftaten listen die Ermittler unter "Politisch motivierte Kriminalität - rechts".

Rinderspacher: "Alarmierend hohe Zahl"

"Hass und Hetze führen in Bayern zu einer alarmierend hohen Zahl von antisemitischen Straftaten", sagt Rinderspacher. Der Freistaat müsse alles daran setzen, die judenfeindlichen Verbrechen aufzuklären und weitere Straftaten durch präventive Maßnahmen zu verhindern, beispielsweise durch mehr politische Bildung für Schüler und Erwachsene. Eine seiner Fragen kann das Innenministerium nicht beantworten: Wie viele Tatverdächtige 2020 wegen antisemitischer Straftaten festgenommen wurden - dafür sei keine statistische Auswertung möglich.

Verglichen mit 2018 hat sich die offizielle Zahl antisemitischer Straftaten in Bayern im vergangenen Jahr deutlich erhöht - und zwar von 219 auf 353 Delikte. Ein möglicher Grund für den Anstieg der registrierten Fälle in Bayern ist ein neuer Leitfaden für Staatsanwälte, den es seit Mai 2020 gibt. Er soll dabei helfen, antisemitisch motivierte Straftaten noch besser zu erkennen - nicht zuletzt im Internet. Dennoch gibt es weiterhin auch eine Dunkelziffer, wie etwa der Zentralrat der Juden in Deutschland regelmäßig betont.

Bundesweit mindestens 2275 judenfeindliche Straftaten

Auch bundesweit nahm die Zahl judenfeindlicher Delikte zuletzt zu. In ganz Deutschland registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 2275 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Linken-Anfrage hervorgeht.

Wegen Nachmeldungen dürfte diese Zahl noch steigen. Für Entsetzen sorgte im vergangenen Oktober die Attacke auf einen jüdischen Studenten vor einer Synagoge in Hamburg.

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