Bildrechte: BR / Susanne Pfaller

Blick auf das bestohlene Museum in Manching.

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Goldschatz gestohlen - was bisher bekannt ist

Goldschatz gestohlen - was bisher bekannt ist

Die Goldschatzdiebe von Manching haben wohl noch eine zweite Vitrine aufgebrochen und drei weitere, deutlich größere Münzen gestohlen. Experten befürchten, der Goldmünzschatz könnte eingeschmolzen werden.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wurde bei dem Einbruch ins Manchinger Museum, bei dem einer der bedeutendsten keltischen Goldschätze gestohlen wurde, auch noch eine zweite Vitrine aufgebrochen. Dabei wurden drei weitere, deutlich größere Münzen gestohlen. Ob sie auch aus Gold bestehen, wie schwer und von welchem Wert sie sind, war zunächst unklar. Der BR sendet um 14 Uhr live von der Pressekonferenz mit Vertretern des Landeskriminalamts und des Kelten-Römer-Museums ein BR24live: "Goldschatz aus Museum in Manching gestohlen - was wir bisher wissen."

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Aufgrund der durchtrennten Glasfaserkabel hat auch eine Bank in Manching heute geschlossen.

Die Ermittler davon aus, dass man es mit organisierter Kriminalität zu tun habe. Bayerns Kunstminister Blume erklärte im Interview mit dem BR, die Täter hätten einen hohen Grad an krimineller Energie gezeigt und zuvor fast ganz Manching lahm gelegt. In der Nacht des Diebstahls waren dort Glasfaserkabel durchtrennt worden, so dass 13.000 Haushalte keine Internet- und keine Telefonverbindung mehr haben. Durch die Sabotage habe es zudem keinen Alarm bei der Polizei gegeben. Nach Angaben der Telekom sollen die betroffenen Haushalte und Unternehmen voraussichtlich am Donnerstag wieder alle mit Telefon und Internet versorgt sein.

Kunstminister Blume: Großer kulturhistorischer Schaden

Blume sagte weiter, durch den Diebstahl der 480 keltischen Goldmünzen sei vor allem ein großer kulturhistorischer Schaden entstanden. Die Ermittler des Bayerischen Landeskriminalamtes haben inzwischen Kontakt zu Strafverfolgungsbehörden in Berlin und Dresden aufgenommen. Sie erhoffen sich Hinweise zu dem Vorgehen der Täter bei vergleichbaren Diebstählen wie im Bode-Museum und im Grünen Gewölbe.

Experten befürchten Vernichtung der Goldmünzen

Die Diebe des Manchinger Goldschatzes können die keltischen Münzen nach Einschätzung der Polizei wohl nur schwer verkaufen. Es sei zu befürchten, dass sie die keltischen Münzen einschmelzen und für den Goldwert veräußern, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts am Mittwochmorgen. Der Verkauf solcher Kulturgüter sei "sehr speziell". Der reine Materialwert der Goldmünzen liegt nur bei etwa 217.000 Euro.

Die zusammen rund vier Kilogramm schweren Münzen aus dem ersten Jahrhundert vor Christus waren in der Nacht zum Dienstag aus dem Kelten-Römer-Museum Manching bei Ingolstadt entwendet worden. In der Vitrine befanden sich 483 Goldmünzen. Der Wert der mehr als 2.000 Jahre alten Stücke wird auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Der reine Goldwert dürfte allerdings deutlich geringer sein. Sie waren vor 23 Jahren von einem Grabungsteam in Manching gefunden worden.

Sammlungsdirektor: "Ich könnte heulen"

"Ich könnte heulen", sagte der leitende Sammlungsdirektor der Archäologischen Staatssammlung München, Rupert Gebhard, der "Süddeutschen Zeitung". Der Goldschatz sei ein "einmaliges Dokument". Die Forschung zum Handelsnetz der Kelten sei noch nicht abgeschlossen gewesen, der Verlust für die Wissenschaft immens. Zudem teilt auch er die Befürchtung der Polizei, dass die Münzen möglicherweise eingeschmolzen werden: "Meine große Sorge ist, dass es nur um den Goldwert geht", sagte er.

Einbruch in den frühen Morgenstunden

"Der Einbruch muss in den frühen Morgenstunden stattgefunden haben", hatte ein LKA-Sprecher am Dienstagabend gesagt. "Es war klassisch, wie man es sich in einem schlechten Film vorstellt." Am Dienstagmorgen hätten die Mitarbeiter des Museums dann festgestellt, dass der Goldschatz fehlt. Erst danach wurde die Polizei alarmiert, die ersten Einsatzkräfte waren laut LKA gegen 9.45 Uhr vor Ort. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Einbruch über Stunden unentdeckt blieb. Dadurch kamen Ermittlungen und Fahndung erst verhältnismäßig spät in Gang.

"Das Museum ist eigentlich ein Hochsicherheitstrakt. Aber alle Verbindungen zur Polizei wurden gekappt", sagte der 1. Bürgermeister von Manching, Herbert Nerb, der "Süddeutsche Zeitung". Der Diebstahl sei "eine komplette Katastrophe" für den Ort. "Das ist unser Schatz!"

Insgesamt arbeiten Dutzende Ermittler an dem Fall. Zum näheren Stand der Ermittlungen wollte sich der Sprecher noch nicht äußern. Die Polizei ist zudem im Austausch mit ihren Kollegen in Dresden und Berlin, wo es in den vergangenen Jahren ebenfalls große Einbrüche in Museen gegeben hatte.

Museumsleiter überprüft Sicherheitskonzept

Verschiedene Museumsleiter sind über den Goldschatz-Diebstahl schockiert. So soll jetzt im Römer-Museum "Quintana" im niederbayerischen Künzing das Sicherheitskonzept überarbeitet werden: "Wir schauen uns das jetzt an und prüfen, was wir machen können", so Leiter Roman Weindl. Er sagt aber auch: "Man kann sich vor Einbrüchen nur sehr schwer schützen – 100 Prozent sicher sein kann man nicht." Der Leiter des Gäubodenmuseums in Straubing, Günther Moosbauer, teilt die Einschätzung.

Beide Museumsleiter fürchten, dass derartige Museums-Diebstähle dazu führen könnten, dass Original-Schätze Tresoren verschwinden und in Vitrinen nur noch Replikate gezeigt werden. "Das ist aber nicht der Sinn: Unsere Kultur soll den Menschen ja nahegebracht werden", betont Günther Moosbauer. Sie gehen davon aus, dass die gestohlenen Goldmünzen aus Manching eingeschmolzen werden könnten. Damit gehe Kulturgut verloren, so Moosbauer.

"Den Leuten geht es dabei nur um den materiellen Wert, uns geht’s um den kulturellen Wert." Roman Weindl, Römer-Museum Qhintana

Der Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

Mit Informationen von dpa

Im Video: Die Pressekonferenz zum Goldschatz-Diebstahl mit LKA und Museumsleiter

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Frank Mächler

Der Goldschatz von Manching: Der größte keltische Goldfund des 20. Jahrhunderts wurde 1999 gefunden.

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