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Eine junge Frau bedient ein Smartphone

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    Polizei-Kampagne gegen Gewalt und Pornos auf Schüler-Handys

    Gewaltvideos, volksverhetzende Inhalte und Kinderpornos auf Schüler-Handys nehmen zu. Für 2020 meldet die Polizei bayernweit mehr als 4.000 Straftaten allein bei der Verbreitung pornografischer Schriften. Das ist mehr als verdoppelt so viel wie 2019.

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    Von
    • Katrin Bohlmann

    Lucie – so nennen wir sie – chillt auf dem Sofa und surft mit ihrem Handy im World Wide Web. Plötzlich ploppt ein Video auf. Die 15-Jährige sieht Frauen, die gequält, vergewaltigt und getötet werden. So schnell kann Lucie gar nicht reagieren, um das schockierende Video wegzuklicken. Die furchtbaren Bilder haben sich nun in ihren Kopf eingebrannt. Aus Scham erzählt Lucie aber weder ihren Eltern noch ihren Freundinnen, was sie gerade erlebt hat.

    Gewaltvideos im Netz: Oft sind Täter selbst noch jugendlich

    Ein anderer Fall: Paul – auch hier ist der Name fiktiv – hat von seinem Kumpel ein vermeintlich "cooles" Video mit gewaltverherrlichenden Bildern geschickt bekommen. Auch der 16-Jährige findet das Video "faszinierend" und leitet es in seiner Klassenchatgruppe weiter. Dass er dadurch eine Straftat begangen hat, ist ihm nicht bewusst. Dabei ist in Deutschland die Gewaltdarstellung laut § 131 des Strafgesetzbuches (StGB) ein Vergehen, das mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe geahndet wird.

    Zahl der Verbreitung pornographischer Schriften mehr als verdoppelt

    So wie Lucie und auch Paul geht es vielen Kindern und Jugendlichen. Oft sind Mädchen und junge Frauen die Opfer. Und nicht selten sind die Täter selbst noch jugendlich. Unbedarft sind sie im Netz unterwegs, bekommen Gewaltvideos, pornographische Bilder oder volksverhetzende Geschichten. Leichtfertig leiten und posten sie strafbare Inhalte weiter. Viele Vorfälle im Cyberraum werden immer noch nicht angezeigt. Die Polizei geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Von den gravierenden negativen Folgen für Opfer und Betroffene abgesehen, ist vielen Schülern und Eltern offenbar die mögliche Strafbarkeit in diesem Zusammenhang gar nicht bewusst, so das bayerische Landeskriminalamt.

    Allein für 2020 meldet die Polizei im Freistaat 4.093 Straftaten allein bei der Verbreitung pornographischer Schriften. Das ist ein Plus von rund 57 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das häufigste Tatmedium: das Handy.

    "DEIN Smartphone – DEINE Entscheidung": Präventionskampagne der Polizei

    Das Bayerische Landeskriminalamt (BLKA) hat jetzt eine Präventionskampagne für Schüler, Eltern und Lehrer entwickelt. Der Titel: "DEIN Smartphone – DEINE Entscheidung". Neben Informationen für Mütter und Väter in Form von Elternbriefen sowie Elternabenden umfasst die Kampagne einen Unterricht durch Polizeiexperten, bei dem die Lehrinhalte gemeinsam mit den Schülerinnen und Schüler erarbeitet werden. Die Polizei will damit zeigen, wie Jugendliche, Eltern und Lehrer mit strafbaren Bildern und Filmen umgehen und wie sie die Kinder bzw. sich selbst schützen sollten. Zusammen mit Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) stellt BLKA-Präsident Harald Pickert die Kampagne heute vor.

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