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Bildrechte: Michael Busch

Klausurtagung digital: Der SPD-Landtagsabgeordnete Michael Busch im Homeoffice.

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    Politiker im Homeoffice: Digitale Klausurtagung - wie lief's?

    Bayerns Politiker starten ins neue Jahr und bestimmen ihren Kurs. Diesmal läuft viel digital und aus dem Homeoffice – auch die Klausurtagungen. Wie hat's geklappt? BR24 hat mit Landtagsabgeordneten verschiedener Fraktionen gesprochen.

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    Von
    • Julia Ruhs

    Der Jahres-Auftakt war für die bayerischen Landtagsabgeordneten anders als sonst: Die mehrtägigen Klausurtagungen der Fraktionen fanden nicht wie üblich in Präsenz statt, sondern in hybrider Form. Das heißt: In den vergangenen zwei Wochen tagte ein Teil der jeweiligen Fraktion im Landtag, viele andere Abgeordnete waren per Videokonferenz aus dem Homeoffice zugeschaltet. Die CSU-Landtagsfraktion verzichtete wegen der Corona-Pandemie ganz auf ihre Winterklausur. Die AfD wegen interner Streitereien ebenfalls.

    Konzentration und Disziplin – dann klappt die Online-Klausur

    Albert Duin, Landtagsabgeordneter der FDP, verbrachte die Tagung im Büro seiner Firma in München. Vor ihm aufgebaut waren gleich drei Computerbildschirme. Die Tagung online abzuhalten, habe prima funktioniert, sagt der 67-Jährige. "Es hängt vor allem davon ab, wie konzentriert und diszipliniert alle arbeiten." Und davon, ob alle eine zentrale Regel beachten, welche laute: Wer nicht dran ist mit Reden, macht das Mikro zu. Das war das Einzige, was nicht jeder sofort beherrscht habe.

    Tagung per Videokonferenz, Absprachen per Gruppenchat

    Wie andere Fraktionen auch tagte die FDP doppelgleisig: Die Videokonferenz lief per PC, die Kommunikation via Gruppenchat am Handy. Vertrauliche Gespräche fanden jetzt nicht beim Kaffee, sondern per Einzelchat statt.

    Persönlicher Austausch, Mimik und Gestik fehlen

    Auch wenn das alles überraschend gut geklappt habe: "Mir hat der persönliche Austausch mit den Abgeordneten gefehlt", sagt Duin. Schließlich kriege er viel an Mimik und Gestik auf digitalem Wege nicht mit. Deshalb sei es für ihn so wichtig, dass zumindest die Redner immer die Kamera angeschaltet haben, denn: "Emotionen sind wichtig. Die müssen rüberkommen, auch online." Für ihn der praktischste Vorteil des Homeoffice: Den Ton der Videokonferenz laut zu stellen, zuhören und sich gleichzeitig Kaffee zu machen – ohne etwas zu verpassen.

    Vorteile: Mal schnell frische Luft schnappen und Tee kochen

    Grünen-Politikerin Kerstin Celina aus Würzburg bedauert ebenfalls, dass der Austausch der Abgeordneten untereinander digital nicht ganz so einfach ist. "Natürlich fällt das gemeinsame Ratschen in der Kaffeepause weg. Trotzdem glaube ich, dass wir ja über Chats miteinander verbunden sind und in der großen Runde ausgiebig miteinander diskutieren können. Mir fehlt da nichts und ich kann meinen Kaffee auch im Homeoffice trinken und so sicher in Online-Zeiten tagen." Für die 52-Jährige hat die Online-Tagung auch Vorteile: In den kurzen Pausen geht sie mal schnell frische Luft schnappen und nutzt die Gelegenheit, sich gleich mit zwei Tassen Schwarztee auf einmal auszustatten.

    Zuhören bei Videokonferenzen anstrengender als normal

    Der bayerische SPD-Abgeordnete Michael Busch aus Coburg blieb für die SPD-Tagung ebenfalls im Homeoffice: "Ich mache das, was die Politik von so vielen verlangt – nämlich Homeoffice. Das bedeutet: Nicht im Zug nach München fahren, nicht umsteigen, nicht in der Tram fahren und so Kontakte vermeiden." Er zieht ein positives Fazit der SPD-Winterklausur: Technisch habe alles geklappt, Bild und Ton liefen reibungslos. Die Absprachen fanden via Threema statt, einem sicheren Kommunikationschat, um bei Wortmeldungen niemanden zu vergessen. Dennoch gesteht er ein: "Am Mittwoch war es schon ganz schön anstrengend. Von 9 Uhr früh bis abends um 19 Uhr angestrengt zuhören und dabei immer noch schauen, dass man einigermaßen gut im Bild ist." Für den 64-Jährigen sei das Zuhören am Bildschirm anstrengender als bei Präsenzveranstaltungen. "Ständig nur Videokonferenzen zu haben, fände ich schwierig", so Busch.

    Nicht nach München fahren zu müssen, entlastet und spart Zeit

    Für den Freie-Wähler-Abgeordneten Peter Bauer aus der Gemeinde Sachsen bei Ansbach war die diesjährige Winterklausur besonders ungewöhnlich. Er sitzt seit 2008 als Abgeordneter im Landtag – und ist damit von den vorgestellten vier Landtagsabgeordneten derjenige, der am längsten ein Mandat hat. Dieses Jahr war der 71-Jährige nur einen halben Tag im Landtag anwesend, den Rest verbrachte er im Homeoffice.

    Auch ihm fehlte der direkte Kontakt zu den Parteikollegen am meisten. "Es geht viel nonverbale Kommunikation verloren, das ist der Haupt-Nachteil", findet Bauer. Trotzdem sei eine digitale Veranstaltung eine Alternative, gerade für Abgeordnete wie ihn, die weiter weg von München wohnen. Nicht erst anreisen zu müssen, sei eine Entlastung und spare Zeit. Denn im Zug zu arbeiten und zu telefonieren sei nicht immer ohne Probleme möglich.

    Duin: Gute Endnutzung reicht nicht für Digitalisierung

    Das Fazit aller Abgeordneten: Die Online-Tagungen haben ziemlich gut geklappt. Bloß der persönliche Austausch fehlt allen. Dass die Klausurtagungen technisch so gut liefen, ist für FDP-Politiker Duin aber kein Grund, die deutsche Digitalisierung zu loben. "Wir sind zwar gute Endnutzer geworden, aber mit Digitalisierung hat das gar nichts zu tun. Wir nutzen Microsoft Teams oder Zoom, um zu kommunizieren. Aber letztendlich sind das alles amerikanische Plattformen, keine einzige ist europäisch." Von der Corona-Krise und dem digitalen Schub würden andere profitieren.

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