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Neun Tote: Seniorenheim braucht dringend Hilfe | BR24

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Seniorenheim St. Nikolaus in Würzburg

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    Neun Tote: Seniorenheim braucht dringend Hilfe

    Der Tod von neun Menschen aus einem Würzburger Pflegeheim hat Politiker alarmiert. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz rief auf, endlich überzeugende Maßnahmen zum Schutz von Pflegebedürftigen gegen das Coronavirus einzuleiten.

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    Die Staatsregierung sagte Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel zu. Laut der leitenden Stiftungsdirektorin, die für die Altenpflegeeinrichtung verantwortlich ist, hätten alle Verstorbenen Vorerkrankungen gehabt und seien über 80 Jahre alt gewesen. Auf der Infektionsstation der Uniklinik Würzburg werden nach deren Angaben derzeit noch fünf Patienten aus dem Heim behandelt. Zehn weitere Bewohner des Heimes seien positiv getestet und bedürften umsichtiger Pflege. Der Stiftungsdirektorin zufolge sind zudem mehr als 20 Pflegekräfte nach einem positiven Test auf das neuartige Coronavirus in Quarantäne zu Hause.

    Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

    Infektionsquelle nach wie vor unbekannt

    Das Universitätsklinikum Würzburg teilte am Wochenende mit, die Infektionsquelle sei unbekannt. Weiter hieß es: "Die Infektionswelle hat die Altenpflegeeinrichtung getroffen, als Covid-19 in Deutschland noch eine Rarität war." Alle hygienisch notwendigen Maßnahmen würden ergriffen - aber der Kampf der Ärzte und des Pflegepersonals gegen die Krankheit sei in einem Pflegeheim noch weitaus schwieriger "als in den rund um die Uhr mit ärztlichem und pflegerischem Fachpersonal für Infektionskrankheiten ausgestatteten Kliniken."

    "Wir stehen bereit, wenn eine stationäre Behandlung notwendig wird, aber Hut ab vor dem Team des Pflegeheimes, das solche Leistungen erbringt, stets selbst auch bedroht von der Infektion, die aber bei Jüngeren meist nicht so schwer verläuft." Georg Ertl, Ärztlicher Direktor Uniklinik Würzburg

    Die Staatsregierung werde über die Regierung von Unterfranken über die Erkrankungsfälle in dem Pflegeheim informiert, erläuterte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Sonntag und sicherte Hilfe zu: "Sobald Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel zur Verfügung stehen, wird die Staatsregierung auch Pflegeheime bedenken." Die Heime selbst seien zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. "Heiminterne Hygieneschulungen müssen weiterhin aufrecht erhalten werden."

    Sanitätspersonal der Bundeswehr angefordert

    Die leitende Stiftungsdirektorin war am Sonntag zunächst nicht für Anfragen zu erreichen. Ein Sprecher der Stadt verwies für aktuelle Angaben ebenfalls an die Frau. Der Würzburger Oberbürgermeister Christian Schuchardt ist der Stiftungsratsvorsitzende. Der "Bild" sagte eine Spitalsprecherin, man warte dringend auf Schutzmasken und -kleidung sowie Covid-19-Tests. "Darüber hinaus wurde bereits Anfang der Woche zusätzliches Sanitätspersonal der Bundeswehr angefordert, um die personelle Situation im Haus zu verstärken. Wir hoffen, dass wir diese notwendige personelle und materielle Unterstützung schnellstmöglich erhalten."

    Keine Ermittlungen nach neun Todesfällen

    Nach dem Tod von neun Menschen aus einem Würzburger Pflegeheim durch eine Infektion mit dem neuen Coronavirus gibt es bisher keine Hinweise auf eine Straftat. "Es gibt aktuell keinen Grund, Ermittlungen zu führen", sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Unterfranken. Man sei mit der betroffenen Pflegeeinrichtung aber weiter in Kontakt - dies sei üblich, wenn Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung stürben.

    Auch die Staatsanwaltschaft Würzburg ist bislang in keinen durch das Virus verursachten Todesfall in ihrem Zuständigkeitsbereich eingebunden. "Nach hiesiger Kenntnis handelt es sich um Todesfälle aus medizinischer Ursache", teilte ein Behördensprecher der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. Anhaltspunkte für strafbares Verhalten Dritter oder Anzeigen gebe es bisher nicht.

    Besondere Schutzvorkehrungen

    Nach früheren Angaben des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gelten in dem Heim seit dem ersten Todesfall besondere Schutzvorkehrungen, wie etwa seit dem 12. März ein striktes Besuchsverbot. Die Bewohner würden isoliert und dürften ihre Zimmer nicht verlassen. Die Patientenräume würden von Pflegekräften nur in Schutzanzügen und mit Atemschutzmasken betreten. Auch Reinigungskräfte trügen Schutzkleidung. Weil infiziertes Personal in Quarantäne sei, würden Mitarbeiter aus anderen Einrichtungen des Heimträgers in dem Haus eingesetzt, heißt es von der Direktorin.

    Notfallplan im Fokus

    Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, sprach von einem "Weckruf" und mahnte: "Höchst bedenklich ist, dass infizierte Bewohner weiter im Pflegeheim bleiben können." Bund und Länder müssten in der Corona-Krise jetzt verstärkt die Pflege in den Blick nehmen. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sei gefordert. Der dpa sagte Brysch: "Es ist unverantwortlich, dass der Notfallplan zum Schutz der 800.000 Pflegebedürftigen und 764.000 Beschäftigten aus dem Jahr 2013 immer noch nicht angepasst wurde." Der Plan sei damals erstellt worden, um eine Grippewelle abzuwehren. Diese Menschen lebten auf engstem Raum in den 13.700 Pflegeheimen. Sie seien eine Hochrisikogruppe.

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