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Politaktivisten Pussy Riot performen in Schweinfurt | BR24

© Wolfram Hanke BR

Politaktivisten Pussy Riot performen in Schweinfurt

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Politaktivisten Pussy Riot performen in Schweinfurt

Gestern stand Pussy Riot auf der Bühne im Schweinfurter Stattbahnhof. Das russische Protest-Kollektiv wurde vor sieben Jahren berühmt, weil drei Mitglieder nach einer Aktion in einer orthodoxen Kirche in Moskau zu Haftstrafen verurteilt wurden.

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In Schweinfurt performt die Gruppe das Stück „Riot Days“, das nacherzählt, was damals passiert ist. Auf der Bühne zwei Frauen und zwei Männer. Mit bunten Strumpfmasken über dem Kopf. Aus dem Keyboard dröhnt elektronische Musik. Immer wieder kommen Trompete oder Schlagzeug zum Einsatz. Im Hintergrund laufen dokumentarische Videos von den Vorfällen im Jahr 2012.

"Wir erzählen die Geschichte von der ersten Protestaktion von Pussy Riot, bei der ich damals dabei war bis zum letzten Morgen im Gefängnis, wo ich zwei Jahre verbracht habe. Es sind keine Memoiren, es ist keine Dokumentation, es ist eine Art Manifest. Das Beste, was wir alle aus dem Protest in unserem Land mitgenommen haben. Unsere ganz eigene Erfahrung, die wir gemacht haben." Aktivistin Maria Alyokhina

Das sogenannte "Punk Gebet" in der Christ-Erlöser-Kathedrale von Moskau und seine Folgen hat vor sieben Jahren weltweit für Aufsehen gesorgt. Drei Polit-Aktivistinnen wurden verhaftet und von einem Gericht zu zwei Jahren Haft im Arbeitslager verurteilt. Und das nur, weil sie gegen die Allianz von orthodoxer Kirche und Staatschef Wladimir Putin protestiert hatten. "Es ist ein unsichtbarer Krieg, den Wladimir Putin gegen sein eigenes Volk gestartet hat", sagt Maria Alyokhina. "Mit einer riesigen sozialen Krise und großer Armut. Er betreibt sowjetische Propaganda gegen Menschen, die für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte stehen. Wenn Du in Russland von diesen Werten sprichst, bezeichnen sie Dich als Staatsfeind oder feindlicher Agent oder US-Spion."

Wilde Bühnenshow

Die Performance ist drastisch und konfrontativ. Pussy Riot schreien und springen wild über die Bühne, bespritzen das Publikum mit Wasser oder recken einfach nur die Fäuste in die Luft. Das alles auf Russisch, die deutsche Übersetzung läuft im Hintergrund auf einer Leinwand kombiniert mit den originalen Videoaufnahmen. Basis für "Riot Days" ist das gleichnamige Buch von Maria Alyokhina. Darin schildert sie die Verfolgung durch die russischen Behörden, die Zustände im Arbeitslager und die Erlösung durch die Entlassung. Mit der Performance war das Protest-Kollektiv schon weltweit auf Tour.

Keine Angst vor staatlicher Verfolgung und Gefängnis

Der Kampf von Pussy Riot gegen Unterdrückung und für Meinungsfreiheit geht weiter. Trotz Gefängnisstrafe haben die russischen Aktivisten keine Angst vor weiteren Repressalien. "Ich habe keine Angst davor, wieder ins Gefängnis zu müssen. Sie verhaften uns immer wieder. Wir machen immer wieder Guerilla-Aktionen auf der Straße", erzählt Maria Alyokhina im Interview. "Mir wurde zum Beispiel ein Reiseverbot erteilt. Ich durfte ein Jahr lang nicht die russische Grenze übertreten. Diese Strafe endete erst im April. Ich musste also immer Mittel und Wege finden, auf Tour zu gehen. Und immer wenn ich zurückgekommen bin, haben schon zehn zwölf Mann auf mich beim Flughafen gewartet, die mich zu gemeinnütziger Arbeit zwingen wollten."

Aktionen bei Olympia und Fußball-WM

Immer wieder sind Mitglieder von Pussy Riot nach ihrer Haftentlassung mit Protestaktionen aufgefallen. Bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi, als sie von einer Kosaken-Miliz mit Peitschen angegriffen wurden oder beim Finale der Fußball-WM in Moskau, als vier Aktivisten verkleidet in Polizeiuniformen aufs Spielfeld rannten. "Leute gehen ins Gefängnis für politische Posts im Internet, für Tweets, für alle Mögliche. Pussy Riot sind berühmt geworden, weil wir mit die ersten waren, die für ihre politische Haltung und politische Aktionen unterdrückt wurden", sagt Maria. "Jetzt braucht man nicht einmal eine politische Aktion zu starten. Wenn sie Dich ins Gefängnis stecken wollen, weil ihnen Deine Aktivitäten nicht gefallen, finden sie ganz leicht einen Grund."

Solidarität mit politischen Gefangenen

Mit dem Verkauf von T-Shirts und Büchern sammeln Pussy Riot Geld für andere politische Gefangene. Für ihren Protest wurde die Gruppe inzwischen schon mehrfach ausgezeichnet. Mit dem Lennon-Ono-Friedenspreis, dem Václav-Havel-Menschenrechtspreis oder dem Hannah-Arendt-Preis der Stadt Bremen. Im März gehen die russischen Aktivisten auf große Amerika-Tour.

© BR

Gestern stand Pussy Riot auf der Bühne im Schweinfurter Stattbahnhof. Das russische Protest-Kollektiv wurde berühmt, weil drei Mitglieder nach einer Aktion in einer Kirche in Moskau zu Haftstrafen verurteilt wurden.