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Deggendorfs Landrat Christian Bernreiter
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Deggendorfs Landrat Christian Bernreiter

Nachdem das Bayerische Kabinett jetzt beschlossen hat, den Bau möglicher Flutpolder doch nicht zu begraben, sieht sich Deggendorfs Landrat Christian Bernreiter bestätigt. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk sagte Bernreiter:

"Grundsätzlich hält man an der Polderstrategie fest, das ist auch Ausdruck im Koalitionsvertrag, ich habe mir auch sagen lassen, dass Polder sehr wohl etwas bringen. Ich habe von Anfang an gesagt, dass man sich an Fakten orientieren soll, an der Sachfrage und daraus keine politische Frage machen soll. Darum begrüße ich es außerordentlich, dass alles noch einmal intensiv angeschaut wird." Christian Bernreiter, Landrat Deggendorf

Forderung: Neue Hochwassergutachten veröffentlichen

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) hatte heute verkündet, man müsse Bayern überall hochwasserfest machen. Deggendorfs Landrat Bernreiter fordert, dass jetzt die Ergebnisse der neuen Hochwassergutachten veröffentlicht werden. Für ihn ist die Entscheidung heute jedoch kein "Sieg" in der Auseinandersetzung mit Wirtschaftsminister Aiwanger (Freie Wähler), der den Bau der Polder ablehnt.

Auf der Suche nach geeigneten Polderflächen

Für Bernreiter steht nach eigener Aussage die Sachfrage im Vordergrund. Während des verheerenden Hochwassers 2013 hätte die Flutung der Polderflächen Wirkung gezeigt. Damals waren aber in den betroffenen Flächen noch Gebäude gestanden, weswegen es jetzt wichtig sei, geeignete, unbebaute Gebiete zu finden.

Polder sind größere Flächen in der Nähe von Gewässern. Im Falle eines Hochwassers können diese Gebiete gezielt geflutet werden. Bebaute Gegenden flussabwärts können so vor dem Hochwasser geschützt werden.  

Drei Polder im Landkreis Regensburg wieder im Gespräch

Auch der von den Freien Wählern im Koalitionsvertrag durchgesetzte Baustopp für drei Polder an der Donau in Bertoldsheim (Lkr. Neuburg-Schrobenhausen) und Eltheim/Wörthof im Landkreis Regensburg ist nun wieder in der Diskussion. Es soll nun "vertiefte Untersuchungen" dazu geben, wie das Kabinett heute beschlossen hat.

Landrätin Tanja Schweiger will Streichung der Polder

Die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler) will dennoch die Streichung der Polder durchsetzen. Der Raum um Regensburg habe bereits viele Belastungen, zum Beispiel den Donauausbau und die Staustufe Geisling, "aushalten müssen". Sie sagte wörtlich dem Bayerischen Rundfunk: "Polder wären freilich irgendwo für irgendwen eine Hilfe. Aber es kann doch nicht zu Lasten einer Region gehen, die schon viel mehr hat aushalten müssen als alle anderen."

Das erwarte sich Schweiger auch von einer verantwortungsvollen Politik.

"Und nicht zu sagen, im Landkreis Regensburg gibt es ein paar, die wehren sich. Man muss mal sagen, die haben seit 30 Jahren einen Donauausbau, die haben eine Staustufe - das war alles in Niederbayern nicht zumutbar. In Niederbayern gab es ohne Gutachten eine Entscheidung von Horst Seehofer, nachdem Haindling ein Lied gesungen hatte, wie schön die frei fließende Donau ist, dass es keinen Donau-Ausbau gibt." Tanja Schweiger, Landrätin Regensburg

Da habe man sich auch nicht gewehrt, dass sich wieder mehr Verkehr auf die Straße verlagert hat. Auch deswegen erwarte sich Schweiger jetzt auch Solidarität für die Region Regensburg. Allein der für Regensburg geplante Polder - also eine Fläche, die bei einem Hochwasser geflutet werden soll - hätte eine Größe von 40 Kilometer Umlauf, sei bis zu neun Meter hoch und 50 Meter breit. Allein der Damm würde gut 200 Hektar Fläche verbrauchen, sagt Schweiger. Hinzu komme die Fläche innerhalb des Dammes.